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Seiten-ID: 321 Vom Streiten und Zuhören 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 4-Inhalt »  (05) Methodik »  Verstehen

Vom Geben und Nehmen

Auch wenn die Wahrnehmung ein Nehmen unterstellt, kann sie viel geben. Manchmal gibt die Wahrnehmung auch dem Gegenüber mehr als man denkt und oft in einer Einfachheit, die uns verblüfft. Dazu braucht es nur Eines: Interesse.




Wer zuhört leitet

Vom Streiten und Argumentieren

Beim Argumentieren richtet sich das Interesse nur bedingt auf den Gesprächspartner. Das eigene Interesse steht im Vordergrund. Man möchte den Gesprächspartner überzeugen. Argumente sollen dazu beitragen. Führen die Argumente zu einem Ergebnis, das der Gesprächspartner ablehnt, wird er Gegenargumente finden. Der Fokus bleibt auf die jeweilige Lösung gerichtet. Argumente, die zur gewünschten Lösung führen, werden akzeptiert. Argumente, die dagegen sprechen, werden ignoriert, zurückgewiesen, bestritten oder wegargumentiert. Wenn die Sachargumente ausgegangen sind, wird emotional argumentiert. Es kommt zu Vorwürfen und zur Abwertung der Argumente und in der Steigerung zur Abwertung der Person. Der Gegner wehrt sich. Oft werden die Sach- und die Emotionsebenen vermischt und willkürlich gewechselt, sodass ein Aufeinanderzugehen (die Fragen auf der jeweiligen Ebene abzuarbeiten) unmöglich wird. Der Streit wird zu einem Hase und Igel Spiel. Ein Verständnis für einander wird unmöglich gemacht, wenn es nicht von vornherein unmöglich war.

Vom Verstehen und Zuhören

Die Mediation gibt dem Streit einen Raum in Phase zwei, um dann aus dem Argumentieren herauszuführen. Ihr Schwerpunkt ist das Verstehen, das im wesentlichen in der Phase drei ermöglicht wird. Das Verstehen wird über das Zuhören ermöglicht. Wer sich für die Mediation entscheidet, der weiß:

Wer argumentiert verliert!  


Das Zuhören ist die Grundlage des Verstehens, mithin der Verstehensvermittlung. Zuhören will gelernt sein, denn ...

  • Zuhören heisst nicht verstehen
  • Verstehen heisst nicht zustimmen
  • Zustimmen heisst nicht einig sein


Was ein einfühlsames Zuhören bedeutet, erschließt sich am besten mit einem Zitat von Michael Ende in seinem Buch "Momo". Dort beschreibt er das Zuhören als eine Kompetenz wie folgt:

"Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so gut zuhören, dass dumme Leute plötzlich auf sehr gescheite Gedanken kamen.
Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören."


Ein Beispiel dafür, wie Momo zuhören konnte, ergibt das folgende Video:

Zuhören bedingt eine innere Haltung und die Bereitschaft, den anderen verstehen zu wollen ohne dass die Bereitschaft von dem Willen überlagert wird, den anderen zu etwas zu bewegen, ohne sich auf ihn einzulassen. Wir halten fest:

  1. Zuhören ist mehr als eine Technik.
  2. Verstehen ist die Methode (Ausrichtung).
  3. Das Interesse ist eine Variable, die das Verstehen ermöglicht. Gemeint ist nicht das Interesse, das der Mediator herausfinden soll, sondern das, welches er an seinem Gegenüber hat.

Vom Zuhören können

Die Variablen der Kommunikation

Zuhören will gelernt sein. Bei manchen Menschen ist das zuhören ein Naturtalent. Zuhören bedeutet nicht auf die Sachargumente zu achten, sondern die dahinter verborgenen Bedeutungen zu verstehen. Die Bedeutungen erschließen sich aus den Erfahrungen, den Lebensumständen und all jenen Dingen, die einen Menschen prägen1 , woraus sich seine Sichtweise erhellt.
Wenn man die Kompetenz des Zuhörens wissenschaftlich fundiert beschreiben will, stößt man auf die Variablen der Kommunikation, die Carl Rogers nach der Evaluation von Therapiegesprächen wie folgt beschrieben hat:

Authentizität

Kongruenz / Echtheit / Vertrauen

Der Mediator begegnet den Medianden als Person, so dass sie zu ihm Vertrauen fassen können. Der Mediand wird nur auf diese Weise angeregt, in seinem Verhalten offener und echter zu werden, er selbst zu sein. Das bedeutet: Der Mediator ist aufrichtig zu sich selbst und nimmt das eigene Erleben in der Begegnung mit dem Medianden vollständig wahr. Die Mitteilungen an den Medianden stehen nicht im Widerspruch zu den eigenen Empfindungen. Dies stellt für viele Medianden eine neue Qualität dar. Sie ist vertrauensfördernd und unter-stützt den Aufbau einer hilfreichen Beziehung.

Akzeptanz

Unbedingte positive Achtung und Wertschätzung

Das Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist es, anerkannt und ak-zeptiert zu werden. Durch die positive Wertschätzung werden die Medianden schrittweise zu einer größeren Selbstachtung und Akzep-tierung der eigenen Persönlichkeit, Wertungen, Einstellungen geführt. Die Medianden können Angst und Verteidigungsverhalten abbauen, d. h. die Erlebniswelt der Medianden wird vorurteilsfrei und wertfrei übernommen. Viele erleben diese „Kraft der Beziehung“ zum ersten Mal in ihrem Leben, so dass es diese schützenden Rahmenbedingungen ermöglichen, die bisherigen Haltungen und Erfahrungen angstfreier und weniger verzerrt zuzulassen und auszudrücken.

Empathie

Einfühlendes Verstehen und Selbstexploration

Der Mediand erfährt durch die Mediation keine Belehrungen, Wer-tungen, oder Kritik. Er kann dadurch angstfreier sprechen. Es sollen keine Ratschläge erteilt werden, trotzdem erlebt der Mediand, dass der Mediator aktiv zugewandt ist und großen Anteil nimmt. Der Mediand erlebt den Mediator als Modell für offenen, entspannten Umgang mit gefühlsmäßigen Erlebnissen. D. h. der Mediator nimmt die innere Lebenswelt des Medianden mit allen gefühlsmäßigen Facetten, die er erfassen kann, exakt und ohne Wertung wahr. Somit versucht er sich in die innere Erlebniswelt der Medianden zu versetzten und sie mit deren eigenen Augen zu sehen.

 Merke:

Einfühlung setzt die Bereitschaft voraus, den Anderen so anzunehmen, wie er ist. Das erfordert mehr als nur Toleranz. Das erfordert Akzeptanz. Das erfordert, dass die Gefühle des anderen ernst genommen und nicht in Frage gestellt werden dürfen2

Bedeutung für die Mediation

In der Mediation hat das Zuhören keinen Selbstzweck. Es soll die jeweilige Partei verstehen helfen, damit das Verstandene der jeweils anderen Partei vermittelt werden kann. Weil der Mediator nicht Teil des Streitsystems ist, kann er auf Dinge achten die aus dem Fokus der Parteien geraten sind damit das zuhören zielführend ist und einen Beitrag leisten kann eine Lösung zu finden, wird es methodisch in ein präzises Zuhören überführt.

Die Technik des präzisen Zuhörens 

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-19 11:09 / Version 31.
Alias: Zuhören, Streiten), (alias( Argumentieren
Siehe: präzises Zuhören, Spiegeln, Kommunikationsvariablen
Literaturhinweis: Hofmann (Grundzüge)
Prüfvermerk: Administrator

1 Siehe die Auseinandersetzung mit den Wirklichkeiten erster und zweiter Ordnung und welche Rolle der Bedeutungswirklichkeit im Verstehensprozess zukommt / Wahrnehmung.
2 Merke betrifft einen Lehrsatz von: Allgemein, in-Mediation
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Zuhören" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Zuhören
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator und Arthur Trossen .
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