Lade...
 
Wiki to Yes, das Metaportal
Seiten-ID: 432 Ausbildung und Inhalte nach der ZMediatAusbV 3-Abteilung »  Werkzeuge

ZMediatAusbV-Anlage

Die Ausbildungsinhalte (ZMediatAusbV)

Hinsichtlich der Ausbildungsinhalte hat sich das BMJ an den Bericht der Abgeordneten des Rechtsaus-schusses und die darin enthaltene Empfehlung gehal-ten. Es mag eine politische Aussage sein, dass der Verordnungsgeber diese Empfehlung nicht abgeändert und insbesondere nicht erweitert hat.

Nummer Ausbildungsinhalt Zeitstunden
1
Einführung und Grundlagen der Mediation

a) Grundlagen der Mediation
aa) Überblick über Prinzipien, Verfahrensablauf und Phasen der Mediation
bb) Überblick über Kommunikations- und Arbeitstechniken in der Mediation
b) Abgrenzung der Mediation zum streitigen Verfahren und zu anderen alternativen Konfliktbeilegungsverfahren
c) Überblick über die Anwendungsfelder der Mediation

18
2
Ablauf und Rahmenbedingungen der Mediation

a) Einzelheiten zu den Phasen der Mediation
aa) Mediationsvertrag
bb) Stoffsammlung
cc) Interessenerforschung
dd) Sammlung und Bewertung von Optionen
ee) Abschlussvereinbarung
b) Besonderheiten unterschiedlicher Settings in der Mediation
aa) Einzelgespräche
bb) Co-/Teammediation, Mehrparteienmediation, Shuttle-Mediation
cc) Einbeziehung Dritter
c) Weitere Rahmenbedingungen
aa) Vorund Nachbereitung von Mediationsverfahren
bb) Dokumentation/Protokollführung

30
3
Verhandlungstechniken und -kompetenz

a) Grundlagen der Verhandlungsanalyse
b) Verhandlungsführung und Verhandlungsmanagement: intuitives Verhandeln, Verhandlung nach dem Harvard-Konzept/integrative Verhandlungstechniken, distributive Verhandlungstechniken

12
4
Gesprächsführung, Kommunikationstechniken

Gesprächsführung, Kommunikationstechniken
a) Grundlagen der Kommunikation
b) Kommunikationstechniken (z. B. aktives Zuhören, Paraphrasieren, Fragetechniken, Verbalisieren, Reframing, verbale und nonverbale Kommunikation)
c) Techniken zur Entwicklung und Bewertung von Lösungen (z. B. Brainstorming, Mindmapping, sonstige Kreativitätstechniken, Risikoanalyse)
d) Visualisierungsund Moderationstechniken
e) Umgang mit schwierigen Situationen (z. B. Blockaden, Widerstände, Eskalationen, Machtungleichgewichte)

18
5
Konfliktkompetenz

a) Konflikttheorie (Konfliktfaktoren, Konfliktdynamik und Konfliktanalyse; Eskalationsstufen; Konflikttypen)
b) Erkennen von Konfliktdynamiken
c) Interventionstechniken

12
6
Recht der Mediation

a) Rechtliche Rahmenbedingungen: Mediatorvertrag, Berufsrecht, Verschwiegenheit, Vergütungsfragen, Haftung und Versicherung
b) Einbettung in das Recht des jeweiligen Grundberufs
c) Grundzüge des Rechtsdienstleistungsgesetzes

6
7
Recht in der Mediation

a) Rolle des Rechts in der Mediation
b) Abgrenzung von zulässiger rechtlicher Information und unzulässiger Rechtsberatung in der Mediation durch den Mediator
c) Rolle des Mediators in Abgrenzung zu den Aufgaben des Parteianwalts
d) Sensibilisierung für das Erkennen von rechtlich relevanten Sachverhalten bzw. von Situationen, in denen den Medianden die Inanspruchnahme externer rechtlicher Beratung zu empfehlen ist, um eine informierte Entscheidung zu treffen
e) Mitwirkung externer Berater in der Mediation
f) Rechtliche Besonderheiten der Mitwirkung des Mediators bei der Abschlussvereinbarung
g) Rechtliche Bedeutung und Durchsetzbarkeit der Abschlussvereinbarung unter Berücksichtigung der Vollstreckbarkeit

12
8
Persönliche Kompetenz, Haltung und Rollenverständnis

a) Rollendefinition, Rollenkonflikte
b) Aufgabe und Selbstverständnis des Mediators (insbesondere Wertschätzung, Respekt und innere Haltung)
c) Allparteilichkeit, Neutralität und professionelle Distanz zu den Medianden und zum Konflikt
d) Macht und Fairness in der Mediation
e) Umgang mit eigenen Gefühlen
f) Selbstreflexion (z. B. Bewusstheit über die eigenen Grenzen aufgrund der beruflichen Prägung und Sozialisation)

12
120

Die Gewichtung

Auffällig ist, dass die ZMediatAusbV numerische Gewichtungen im Detail vorschreibt nicht jedoch für die Ziffern IX und X, wo es um Praxis, Supervision und Intervision geht. Für sie wird keine Ausbildungszeit reserviert. Das BMJ führt aus:

Es bleibt ... der Ausbildungseinrichtung überlassen, welcher Inhalt gemäß der Anlage mit der Methode des Rollenspiels vermittelt wird und wie praktische Übungen und Supervision in die Ausbildung eingebettet werden


Wenn der Verordnungsgeber vom Einbetten spricht, wird deutlich, dass er für die praktische Ausbildung keinen zusätzlichen Ausbildungsaufwand einfordert. Wenn die an die Ausbildung zu stellende Anforderung die Basis für eine anschließende Be-rufsausübung legen soll, ist ein praktisches Lernen ebenso unverzichtbar wie eine damit einher gehende Selbs-treflexion. Die eigentliche Herausforderung einer Ausbildung in Mediation besteht darin, einen inneren Transfer zu ermöglichen, bei dem der Auszubildende sich im Denken der Mediation wiederfindet (sodass er sie verinnerlichen kann) und seine eigenen Ressourcen (nach den Anforderungen des Verstehensprozesses) darauf einzurich-ten weiß.

(2) Die Dauer der Ausbildung zum zertifizierten Mediator beträgt insgesamt mindestens 120 Zeitstunden.

Die Ausbildungsdauer

Im internationalen Vergleich schwankt die Ausbildung von 30 Stunden bis zu 365 Stunden1 . Es fällt auf, dass Ausbildungen mit einer geringeren Stundenzahl auf dem Harvard-Konzept aufbauen und nur die facilitative Mediation betreffen. Bei einem EU-Projekt mit Bulgarien beispielsweise hat sich herausgestellt, dass dort die Mediation nach englischem Vorbild fast ausschließlich im Caucus geführt wurde und dass man von einer transformativen Mediation zuvor noch nie etwas gehört hatte. Wie die Erfolge der Mediation in England beweisen, ist diese Ausbildung für eine facilitative Mediation mit Einzelgesprächen auch durchaus ausreichend. Wenn die Ausbildung den Mediator jedoch dazu befähigen soll, alle Modelle und Formen der Mediation anwenden zu können, dann ist auch eine 200-stündige Ausbildung eher zu gering. Die 120 Stunden können also nicht mehr als einen absoluten Mindeststandard beschreiben.
(3) Die jeweiligen Ausbildungsinhalte müssen mindes-tens die in Spalte III der Anlage aufgeführten Zeitstun-den umfassen.

Die Zeitvorgaben

Die ZMediatAusbV schreibt im Detail Mindestzeiten vor, die einem Thema zu widmen sind. Zum Beispiel sind 6 Zeitstunden zum Thema „Recht der Mediation“ aufzuwenden. Auch wenn es penibel erscheint, ist es zu begrüßen, dass die Anteile in absoluten Stundenzahlen aufgeführt wurden. Selbstverständlich handelt es sich um Zeitstunden (siehe § 3 Abs. 2 ZMediatAusbV-E), nicht um Unterrichtsstunden, die gegebenenfalls nur 45 Minuten dauern. Der Vorteil von absoluten Zeitangaben ist der, dass die Anteile bei einer aufgesetzten Weiterbildung nicht dynamisch wachsen. Wäre dies der Fall, dann müsste das Thema „Recht der Mediation“ bei einer 300-stündigen Ausbildung 15 Unterrichtsstunden in Anspruch nehmen. Mit der starren Regelung bleibt Raum, die gewonnenen Freiräume anders zu füllen.

Die Didaktik

Die als solide angesehene Grundausbildung des zertifizierten Mediators geht vordergründig von der Vermittlung theoretischer Kenntnisse aus. Dass sich die theoretischen Kenntnisse mit praktischen Übungen vermitteln sollen, ergibt sich aus dem expliziten Hinweis, dass die Ausbildung auch praktische Übungen, Rollen-spiele und Supervision umfasst. Bemerkenswert ist, dass dafür kein Zeitaufwand vorgegeben wurde. Auch mag festzuhalten sein, dass der Verordnungsgeber keine Festlegungen über den Ausbildungscharakter trifft, sodass die Ausbildung ohne weiteres auch im Fernstudium erfolgen kann, wenn der Anbieter darin dem Auftrag zum praktischem Unterricht nachkommt. Ein Fernstudium ohne Praxisanteil ist in jedem Fall unzureichend.

Die Qualifikation

Was die ZMediatAusbV unter den Mindeststandards versteht, die sie aus Gründen der Qualitätssicherung und der Markttransparenz für die Ausbildung von zertifizierten Mediatoren festgelegt hat2 , mag die folgende Übersicht ergeben, in denen die Inhalte aufgeschlüsselt werden:

Nummer Ausbildungsinhalt Fundstellen in Wiki to Yes
1 Einführung und Grundlagen der Mediation Einführung, Geschichte der Mediation
1a Grundlagen der Mediation Mediation ist anders!, Eigenschaften, Grundlagen, Herleitung, Durchblick
1aa Überblick über Prinzipien, Verfahrensablauf und Phasen der Mediation Prozesslogik, Verfahrensgrundlagen, Ablauf, Prinzipien
1bb Überblick über Kommunikations und Arbeitstechniken in der Mediation Werkzeuge, Mediatorenkoffer, Methodik, Techniken, Interventionenverzeichnis
1b Abgrenzung der Mediation zum streitigen Verfahren und zu anderen alternativen Konfliktbeilegungsverfahren Systematik, Streitbeilegungsverfahren, Streitvermittlung
1c Überblick über die Anwendungsfelder der Mediation Anwendungsfelder, Fachmediation
2 Ablauf und Rahmenbedingungen der Mediation Rahmenbedingungen, Ablauf, Phasenlogik, Mediationsmodell, Mediationsform
2a Einzelheiten zu den Phasen der Mediation Phasenlogik, Vorphase, Phase 1, Phase 2, Phase 3, Phase 4, Phase 5, Nachphase
2a/aa Mediationsvertrag Vereinbarungen, Mediationsvertrag, Mediationsdurchführungsvereinbarung, Mediationsabreden
2a/bb Stoffsammlung Themenlogik, Positionen, Themensammlung
2a/cc Interessenerforschung Erfolgskriterien, Interesse; Konfliktarbeit
2a/dd Sammlung und Bewertung von Optionen Lösungen, Lösungsalternativen, Lösungskriterien, Nutzen
2a/ee Abschlussvereinbarung Ziel und Ergebnis, Abschlussvereinbarung
2b Besonderheiten unterschiedlicher Settings in der Mediation Setting
2b/aa Einzelgespräche Einzelgespräch
2b/bb Co-/Teammediation, Mehrparteienmediation, Shuttle-Mediation Mediationsformate, Shuttle-Mediation, Co-Mediation, Teammediation,
2b/cc Einbeziehung Dritter Dritte, Parteien
c Weitere Rahmenbedingungen Rahmen
2c/aa Vor- und Nachbereitung von Mediationsverfahren Vorphase, Nachphase
2c/bb Dokumentation/Protokollführung Dokumentation
3 Verhandlungstechniken und -kompetenz Mediation-Verhandeln
3a Grundlagen der Verhandlungsanalyse Verhandlungsanalyse
3b Verhandlungsführung und Verhandlungsmanagement: intuitives Verhandeln, Verhandlung nach dem Harvard-Konzept/integrative Verhandlungstechniken, distributive Verhandlungstechniken Verhandlungstheorie
4 Gesprächsführung, Kommunikationstechniken Kommunikationstechniken
4a Grundlagen der Kommunikation Kommunikation
4b Kommunikationstechniken (z. B. aktives Zuhören, Paraphrasieren, Fragetechniken, Verbalisieren, Reframing, verbale und nonverbale Kommunikation) Techniken, Loopen, Fragetechniken
4c Techniken zur Entwicklung und Bewertung von Lösungen (z. B. Brainstorming, Mindmapping, sonstige Kreativitätstechniken, Risikoanalyse) Lösungen
4d Visualisierungs- und Moderationstechniken Hilfsmittelverzeichnis, Visualisierung
4e Umgang mit schwierigen Situationen (z. B. Blockaden, Widerstände, Eskalationen, Machtungleichgewichte) Herausforderung, Blockaden, Machtgefälle, Eskalation, Deeskalation
5 Konfliktkompetenz Konflikt, Konfliktdynamik
5a Konflikttheorie (Konfliktfaktoren, Konfliktdynamik und Konfliktanalyse; Eskalationsstufen; Konflikttypen) Konflikttheorie, Konfliktfaktoren, Konfliktdynamik, Konfliktanalyse, Konflikttypen, Eskalation
5b Erkennen von Konfliktdynamiken Konfliktdynamik
5c Interventionstechniken Interventionen
6 Recht der Mediation Recht
6a Rechtliche Rahmenbedingungen: Mediatorvertrag, Berufsrecht, Verschwiegenheit, Vergütungsfragen, Haftung und Versicherung Mediationsvertrag, Mediationsdurchführungsvereinbarung, Berufsrecht, Mediationskosten, Verschwiegenheit, Rechtsschutz
6b Einbettung in das Recht des jeweiligen Grundberufs Anwaltsmediator
6c Grundzüge des Rechtsdienstleistungsgesetzes Rechtsdienstleistung
7 Recht in der Mediation Recht, Lösungsweg, Abgrenzung-Recht
7a Rolle des Rechts in der Mediation Abgrenzung-Recht
7b Abgrenzung von zulässiger rechtlicher Information und unzulässiger Rechtsberatung in der Mediation durch den Mediator Rechtsberatung
7c Rolle des Mediators in Abgrenzung zu den Aufgaben des Parteianwalts Anwälte
7d Sensibilisierung für das Erkennen von rechtlich relevanten Sachverhalten bzw. von Situationen, in denen den Medianden die Inanspruchnahme externer rechtlicher Beratung zu empfehlen ist, um eine informierte Entscheidung zu treffen WATNA-BATNA, Wirksamkeit
7e Mitwirkung externer Berater in der Mediation Experten
7f Rechtliche Besonderheiten der Mitwirkung des Mediators bei der Abschlussvereinbarung Abschlussvereinbarung, Abgrenzung-Recht
7g Rechtliche Bedeutung und Durchsetzbarkeit der Abschlussvereinbarung unter Berücksichtigung der Vollstreckbarkeit Vollstreckbarkeit
8 Persönliche Kompetenz, Haltung und Rollenverständnis Haltung
8a Rollendefinition, Rollenkonflikte Rollen, Rollenkonflikte
8b Aufgabe und Selbstverständnis des Mediators (insbesondere Wertschätzung, Respekt und innere Haltung) Haltung
8c Allparteilichkeit, Neutralität und professionelle Distanz zu den Medianden und zum Konflikt Neutralität
8d Macht und Fairness in der Mediation Neutralität
8e Umgang mit eigenen Gefühlen Emotionen, Metaebene
8f Selbstreflexion (z. B. Bewusstheit über die eigenen Grenzen aufgrund der beruflichen Prägung und Sozialisation) Mediatorenprofil


Eine Auseinandersetzung mit den Inhalten, die sich daraus ergebende Kompetenz und ein Abgleich zu anderen Inhalten finden Sie im Beitrag Ausbildungsinhalte.

Ausbildungsinhalte 

Hinweise und Fußnoten

Alias: ZMediatAusbV-Ausbildungsinhalte
Prüfvermerk: -



An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator und Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Freitag Oktober 19, 2018 10:07:56 CEST von Administrator.