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Seiten-ID: 1500 Keine Person ohne Persönlichkeit 3-Abteilung »  Archiv

Persönlichkeit und Charakter

Schon der fundamentale Attributionsfehler bewirkt eine Zuschreibung von Charaktereigenschaften. Die unterschiedliche Wahrnehmung der Innen- und Außensicht legt es nahe, dass charakterliche Zuschreibungen unterschiedlich bewertet werden. Schließlich hat auch der Konflikt einen Einfluss auf die Bewertung der Charaktereigenschaften (zumindest aus der Sicht der Parteien), weshalb die Persönlichkeit und der Charakter auch ein Thema in der Mediation sein kann.




Wer bist Du eigentlich?
Kannst oder willst Du Dich nicht ändern?

Definition

Die Persönlichkeit ist Ausdruck der Individualität. Sie ist stets auf eine Person bezogen. Oft wird der Begriff synonym mit den Begriffen Temperament und Charakter verwendet. Zumindest im psychologischen Verständnis sind diese Begriffe jedoch zu unterscheiden1

Temperament
Das Temperament bezieht sich auf den angeborenen Teil der Persönlichkeit des Menschen. Gängig ist die Unterscheidung zwischen Phlegmatiker (ruhig, bedacht), Sanguiniker (heiter, lebhaft), Choleriker (leicht erregbar, aufbrausend) oder Melancholiker (schwermütig, misstrauisch). Diese Unterscheidung geht zunächst auf Hippokrates und später auf den griechischen Arzt, Galenos von Pergamon, zurück. Er hat die vier Grundelemente Feuer, Luft, Wasser und Erde in Körperflüssigkeiten wiedergefunden, die für vergleichbare Eigenschaften verantwortlich gemacht werden. Die moderne Psychologie hat sich von diesem Konzept allerdings gelöst. Sie definiert das Temperament nur noch als die besonders ausgeprägte Empfänglichkeit eines Menschen für ein bestimmtes Gefühl2 .
Charakter
Der Charakter beschreibt das individuelle Gepräge eines Menschen durch ererbte und erworbene Eigenschaften, wie es in seinem Wollen und Handeln zum Ausdruck kommt3 . Er ist eine Persönlichkeitskomponente, die auf dem Temperament beruht und die Gesamtheit des Verhaltens einer Person bewertet.
Persönlichkeit
Die Persönlichkeit erfasst das Gesamtsystem der grundlegenden physischen und psychischen Merkmale eines Menschen, seiner charakteristischen Anpassungsweisen sowie seine Entwicklung4 . Sie ist das Ergebnis von Charakter, Verhalten und deren Bewertung.

Typologisierung

Man weiß gerne, mit wem man es zu tun hat. Der Umgang mit den Mitmenschen hängt sehr davon ab, ob sie als vertrauenswürdig, zuverlässig und gewissenhaft oder als sprunghaft, unreflektiert und erregbar eingeschätzt werden. Psychologen haben herausgefunden, dass sich im Wörterbuch 17.953 Begriffe finden lassen, über die sich ein Mensch charakterisieren lässt. Die Merkmale lassen sich nach den als Big Five oder als Fünf-Faktoren-Modell bezeichneten Persönlichkeitsmerkmalen skalieren. Unterschieden werden5

  1. Umgänglichkeit
  2. Zuverlässigkeit
  3. emotionale Stabilität
  4. Extraversion (Geselligkeit)
  5. Offenheit für Erfahrungen

Selbsttest Big Five Persönlichkeitstest von Dr. Satow

Lohne Frank betrachtet die Psyche (Seele) und damit die Persönlichkeit zunächst als reine Biologie, deren Ausgangspunkt unser Genom sei. Die Frage bleibt, ob sie auch Ausgangspunkt für das ist, was der Mensch denkt und fühlt? Die Journalistin und promovierte Neurobiologin hat sich selbst dem Fünf-Faktoren-Test unterzogen und sich mit der Frage auseinandergesetzt, was die Persönlichkeit genau ausmacht.

Festschreibung

Der Mensch ändere sich nicht, heisst es allenthalben. Man sagt aber auch, der Mensch wachse mit seinen Anforderungen. Ursula Staudinger weist darauf hin, dass sich die Persönlichkeit nach der neuesten Forschung während des gesamten Lebens durchaus verändern kann. Nur die Hälfte der Persönlichkeitsunterschiede sei auf genetische Unterschiede zurückzuführen6 .

Ausschlaggebend persönliche Entwicklung ist stets die Beziehung zwischen Person und Umwelt. Die Psyche besitzt ein anpassungsfähiges kognitives und emotionales Veränderungspotential. Es gibt weder ein perfektes Genom noch gibt es eine perfekte Physiologie des Gehirns. "Alles hängt vom Kontext ab", lautet deshalb die Zusammenfassung in den Ausfürhungen des Videos von Lohne Frank. Sie kommt zu folgender Erkenntnis:

Vielleicht kann man seine Persönlichkeit nicht radikal verändern. Aber man kann Möglichkeiten erkennen und nicht nur Einschränkungen. Für die Veränderung der Persönlichkeit kann es aussschlaggebend sein, sich selbst anders zu verstehen und die Perspektive zu wechseln.


Von einer Festschreibung des Charakters und der Persönlichkeit kann also keine Rede sein. Nicht nur die genetischen Voraussetzungen, sondern auch die mentalen Bedingungen (wie zum Beispiel die Möglichkeit Handlungsoptionen überhaupt zu erkennen) und situative Einflüsse (wie zum Beispiel die zur Verfügung stehenden Optionen), die kulturellen Erwartungen (wie z.B. Ethik und Moral) spielen eine entscheidende Rolle, ebenso wie die unterschiedlichen Sichtweisen und die zu erledigenden Aufgaben. Ein Mensch der in der einen Situation seine typischen Fähigkeiten ausleben kann, mag sich in einer anderen Situation völlig untypisch verhalten.

Bewertung

Nicht nur für die Beurteilung der Persönlichkeit, sondern auch, weil die Einschätzung des Gegenübers für das Miteinander so entscheidend ist, kommt es unweigerlich zu einer Bewertung der Charaktereigenschaften in. Sie sollen helfen, das Verhalten einzuschätzen. Die Persönlichkeitsbewertung ist nicht nur für die Beurteilung der mit Menschen von Bedeutung. Auch um die eigenen Chancen im Leben besser einschätzen zu können, machen sich viele Menschen Gedanken über ihre eigene Veranlagung.

Wenn jemand versucht, den Charakter eines Menschen einzuschätzen, achtet er auf die Erfahrungen, die er im Umgang mit der Person gewonnen hat. Der Fokus ist auf die Vergangenheit gerichtet. Eine weitere Einschränkung ergibt sich aus der Vermengung der zur Erfahrung führenden Beobachtung mit der Persönlichkeit der Beobachters. Sowie in der Quantenphysik die Beobachtung bereits das Messergebnis beeinflusst7 , setzt auch der menschliche Beobachter Filter, die seinen Fokus steuern.

Beispiel Wahrnehmungsfilter: Eine ängstliche Person wird eher auf die Phänomene achten, die aus ihrer Ängstlichkeit entspringen und andere Phänomene, die ihr eine Sicherheit vermitteln könnten, möglicherweise gar nicht sehen. Die Frage ist also, was zu bewerten ist, wenn andere Menschen eingeschätzt werden.


Ungeachtet aller Einschränkungen gibt es Charaktereigenschaften, die überwiegend entweder als positiv oder negativ eingeschätzt werden. Beispiele für Charaktereigenschaften ergibt die Liste mit positiven und negativen Eigenschaften oder die Liste von 1674 menschlichen Charaktereigenschaften. Die positiv eingeschätzten Merkmale werden als helle Merkmale, die negativ eingestuften Persönlichkeitsmerkmale werden als dunkle Merkmale bezeichnet. Letztere werden mit einem Fakter-D (für dunkel) gekennzeichnet. Sie beschreiben ein ethisch, moralisch und sozial fragwürdiges Verhalten. Die dunklen Merkmale beziehen das Handlungsmotiv in die Bewertung ein. Im Vordergrund steht die individuelle Nutzenmaximierung, die sich dadurch auszeichnet, dass die damit einhergehende Rücksichtslosigkeit von Überzeugungen begleitet wird, die das Verhalten (aus der individuellen Sicht) rechtfertigen sollen8 .

Persönlichkeitstests

Unbewusst ergibt sich die Einschätzung anderer Menschen aus der Empathie, also der Fähigkeit zum emotionalen Verständnis. Der Versuch einer Objektivierung soll mit Persönlichkeitstests erreicht werden. Sie sollen eine möglichst zuverlässige Einschätzung der Menschen ermöglichen. Die Persönlichkeitstests wollen konstante Eigenschaften und Neigungen, aber auch dominante Motive und Interessen einer Person herausarbeiten. Sie werden in der Forensik, im Personalwesen, bei der Beurteilung der Fahreignung (MPU) usw. eingesetzt9 . Beispiele für Persönlichkeitstests, die auch online durchgeführt werden können sind:

  1. Big Five Test: Big-Five-Persönlichkeitstest kostenlos auf Psychomeda
  2. Ermittlung des Faktors D: darkfactor.org
  3. Persönlichkeitstests: hwww.testedich.de

Bedeutung für die Mediation

In der Mediation ist das zentrale Thema weniger die Persönlichkeit der Partei, als die Frage, ob und wie die Parteien in der Lage sind, auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln und eine verlässliche Lösung herbeizuführen. Dafür genügt es, sich zu den Verhaltensmotiven zu stellen.

Die Mediation schaut auf das Potenzial, nicht auf die Einschränkung. Kaum ein anderes Verfahren gibt den Parteien die Gelegenheit, sich selbst besser zu verstehen und einen Perspektivenwechsel zu ermöglichen. Die Mediation könnte also durchaus einen Anlass zur Veränderung der Persönlichkeit geben. Es wäre allerdings ein Nebeneffekt und niemals das Ziel der Mediation.

Wenn die jeweilige charakterliche Einschätzung des Gegenübers zu einer vermehrten Skepsis und einem gesteigerten Misstrauen bei einder der Parteien führt, sollte der Mediator darauf achten, woraus sich diese Befürchtungen ergeben. Sie müssen nicht immer im Verhalten der Gegenseite begründet sein. Es könnte sich dabei auch um Projektionen handeln. Im Verlauf der Mediation wird sich zeigen, ob und inwieweit die Parteien in der Lage sind, ihre eigenen Gedanken und die des Gegners zu reflektieren. Er wird merken, inwieweit die Parteien in der Lage sind, die Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen oder nicht.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-12-19 10:59 / Version 25.
Aliase: Temperament, Charakter, Fünf-Faktoren-Modell, Big Five
Siehe auch: Lexikon, Herausforderung
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© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Persönlichkeit und Charakter in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Persönlichkeit
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