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Kompetenz
Alles über das mediative Wissen und Können finden Sie auf folgenden Seiten:

Mediatorenprofil  Mediationskompetenz  Kompetenzausbildung  Qualität 

Das Profil des Mediators

Im Idealfall erkennen Sie einen Mediator an seinem Denken und Handeln


Wie schätzen Sie jemanden ein, der andere verurteilt, ohne sie angehört zu haben? Wie schätzen Sie jemanden ein, der bewertet, ohne die Fakten zu kennen? Wie schätzen Sie jemanden ein, der bewertet ohne die Perspektiven differenziert zu haben? Wie schätzen Sie jemanden ein, der eine Mehrheit dem Konsens vorzieht? Wie schätzen Sie jemanden ein, der irreführende Werbung betreibt und Behauptungen aufstellt, die bei genauem Hinsehen nicht zutreffen? Würden Sie annehmen, dass dies ein Mediator ist?

Woran erkennen Sie einen Mediator? 

Wesen

Die Mediation, so wurde mehrfach hingewiesen, verwirklicht sich in ihrem Wesen. Ihr Wesen muss sich also - zumindest während der Mediation - im Mediator wiederfinden. Wenn die Mediation die Metabene ist, die ein wertfreies, empathisches Verstehen der Parteien ermöglicht, dann personifiziert der Mediator die Metaebene, auf der ein derartiges Verstehen möglich ist.

Die personifizierte Metaebene


Die Metaposition gibt Anhaltspunkte für die Haltung des Mediators und den Umgang mit dem Fall. Sie erschließt jedoch noch nicht dessen Kompetenz.

 Merke:

Kompetenz ist die Fähigkeit und Fertigkeit zur Durchführung einer Mediation 1

Kompetenzmerkmale

Aus den vier Komponenten der Mediationskompetenz lassen sich Kompetenzmerkmale ableiten, die sich an dem ausrichten, was zu erreichen ist. Die Mindestanforderung dessen was zu erreichen ist, besteht darin, eine Mediation durchzuführen. Also orientiert sich die Kompetenz an dem, was dazu nötig ist.

Die Mediation ist ein Verfahren der Verstehensvermittlung. Mithin ist das Verstehenkönnen die wichtigste Kompetenz des Mediators.

 Merke:

Je mehr der Mediator versteht, umso mehr kann er vermitteln! 1

Kompetenzmerkmale der Verstehensvermittlung:

Verstehen ⇒ Verstehenskompetenz

Verstehenskompetenz

Wenn die Mediation eine Verstehensvermittlung ist, bildet das Verstehen ihr zentrales Leistungsmerkmal. Das Verstehen erstreckt sich auf alle Intelligenzzentren. Es genügt also nicht, das Gesagte logisch nachzuvollziehen. Intelligenz hat eine rationale, eine emotionale und eine Wertedimension2 . Der Mediator muss auf allen Ebenen kommunizieren können. Der Grundsatz lautet: Je mehr der Mediator versteht, umso mehr kann er das Verstehen vermitteln.

Vermitteln ⇒ Vermittlungskompetenz

Vermittlungskompetenz

Es genügt nicht EINE Partei zu verstehen. Der Mediator muss ALLE Parteien verstehen. Nur so kann er die Wahrnehmung und das Gesagte in eine Sprache übersetzen, die auch der Gegner versteht.


Die isolierte Fähigkeit alles und jeden zu verstehen, macht die Kompetenz des Mediators noch nicht zu einer mediativen Kompetenz. Die mediative Verstehensvermittlung setzt voraus, dass die Verstehensprozess im Format des mediativen Kognitionsprozesses eingebunden wird. Um den Erkenntnisprozess zu realisieren, muss der Mediator nicht nur die Elemente der Mediation, die Grundsätze und ihren Ablauf kennen. Er muss auch wissen, wie die Elemente zusammenspielen, sodass sie den hinter der Mediation verborgenen Erkenntnisprozess ermöglichen.

 Merke:

Je mehr Erkenntnisse gewonnen werden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, ein passendes Ergebnis zu finden! 1

Kompetenzmerkmale der Erkenntnisgewinnung:

Verifizieren ⇒ Verifikationskompetenz

Verifikationskompetenz

Der Mediator hat den Gedankenaustausch zu qualifizieren, damit die Parteien den Informationsbedarf erkennen können. Das gelingt, indem er die Qualität der Information wertfrei erfasst und ihre Stimmigkeit hinterfragt. Sein Denken ist kleinschrittig. Die Metaebene macht diese Auseinandersetzung möglich. Sie wird durch den Mediator abgebildet. Sie ist allen Gedanken und Wahrnehmungen zugänglich. Ihre Wertefreiheit erlaubt es, die Gedanken zu justieren.

Ordnen ⇒ Dimensionierungskompetenz

Dimensionierungskompetenz

Gemeint ist natürlich das geistige Ordnen, das aus dem Chaos des Konfliktes und
Es sind die Partien, die eine Lösung finden sollen, also müssen SIE denken, nicht der Mediator. Was der Mediator allerdings zu tun hat ist, die Gedanken zu verdeutlichen und zu ermöglichen. Er kennt den hinter der Mediation laufenden Kognitionsprozess und weiß, wie er umzusetzen ist. Methodisch bewältigt er das Informationsmanagement mit dem Dimensionieren.


Der Mediator ist nicht untätig. Er hat verschiedene Aufgaben zu erfüllen, um den Erkenntnisprozess zu ermöglichen.

 Merke:

Mediator und Parteien sitzen alle in einem Boot. Jeder hat eine Aufgabe und muss darauf achten, dass das Boot nicht kentert 1

Kompetenzmerkmale der Prozessgestaltung:

Navigieren ⇒ Steuerungskompetenz

Steuerungskompetenz

Der Mediator führt mit den Parteien die Mediation durch3 . Er muss sich mit der Mediation gut auskennen, damit das gelingt. Er muss die Interaktionen der Parteien einschätzen und der Mediation zuordnen können, um durch den Prozess zu navigieren. Mehr noch muss er in der Lage sein, die unterschiedlichsten Prozesse zusammenzuführen.

Organisieren ⇒ Gestaltungskompetenz

Gestaltungskompetenz

Beziehung aufbauen, Rollen zuweisen, das Verfahren so einrichten, dass es die Komplexität bewältigt
...

Strukturieren ⇒ Systematisierungskompetenz

Systematisierungskompetenz

Der Mediator muss nicht nur den Weg durch die Mediation kennen. Er muss ihn auch herstellen können. Dazu zählt auch, die Bedingungen herzustellen, unter denen die Mediation gelingen kann. Wichtig ist die Einrichtung und Aufrechterhaltung der Meta-Ebene

Es genügt auch nicht, eine Mediation mechanisch durchführen zu können. Er muss verschiedene Varianten kennen, um das für die Ausgangsbedingungen passende Verfahren und die effizienteste Vorgehensweise festzulegen. Er muss sein Verhalten und das der Parteien an Benchmarks messen und bewerten können.

Persönlichkeit

Die Mediation kann nur aus einem bestimmten Denken heraus gelingen, das der Mediator vorhalten muss. Die Art des Denkens ist Teil der Persönlichkeit. Oft ist von der Haltung des Mediators die Rede. Gemeint ist seine innere Einstellung.

Aus den Anforderungen, die das Verfahren an die Haltung des Vermittlers stellt, lässt sich ein Mediatorenprofil ableiten, in dem sich alle Haltungsmerkmale wiederfinden lassen, die für eine erfolgreiche Mediation zu fordern sind. Diese Merkmale sind:

  1. Der Mediator beherrscht die Meta-Kognition => ist wertefrei und reflexiv
  2. Er strebt Über- und Durchblick an => ist unbefangen neugierig
  3. Er interpretiert nicht => ist faktenorientiert und neutral
  4. Er versteht sich auf allen Ebenen der Kommunikation => ist verständig
  5. Er scheut sich nicht vor der Komplexität => ist strukturiert
  6. Er denkt prozessorientiert => ist evolutiv
  7. Der Konsens ist seine Lebensgrundlage => ist kooperativ und verbindlich
  8. Er ist immer Mediator, nicht nur bei der Arbeit => ist authentisch

Qualifikation

Im professionellen Umfeld wird der Begriff Mediator wie ein Titel verwendet, obwohl es sich dabei nur um eine Funktions- und gegebenenfalls um eine Berufsbezeichnung handeln kann. Aktuell bilden sich drei oder gar vier verschiedene Qualifikationen heraus, die folgende Stufen der Professionalität abbilden und zunehmend in Konkurrenz zueinander geraten:

Mediatoren

einfacher Mediator

Das ist der Mediator gem. § 5 Abs. 1 Mediationsgesetz mit einer analogen Ausbildung.

zertifizierter Mediator

Das ist der Mediator gem. §5 Abs. 2 Mediationsgesetz i.V.m. § 1 ZMediatAusbV!

qualifizierter Mediator

Das ist der nach Standards der Verbände lizensierte Mediator.

Berufsmediator

Das ist der fachlich besonders erfahrene und die Mediation in allen Aspekten beherrschende Profimediator.

Lediglich der Begriff Zertifizierter Mediator ist eine gesetzliche Bezeichnung und dementsprechend geschützt. Keinesfalls ist die Ausbildung zum zertifizierten Mediator staatlich anerkannt, wie auf manchen Webseiten fälschlicherweise zu lesen ist. Obwohl die Aus- únd Fortbildung in der ZMediatAusbV geregelt ist, gibt es (noch) keine staatlich vorgeschriebene oder anerkannte Ausbildung4 .

Wer die Anforderungen der ZMediatAusbV nicht erfüllt, darf sich auch nicht so nennen. Wer sich trotzdem so nennt, riskiert eine ganz unmediative Abmahnung und zeigt, dass er die Anforderungen an den Beruf nicht kennt. Die Unterschiedlichkeit der Ausbildung ist bei der Kommentierung zu §5 ZMediatAusbV dargestellt.

Die übrigen Qualifikationsbezeichnungen sind kreativ. Sie versuchen, die Qualitätssteigerung zum zertifizierten Mediator abzubilden, der erklärtermaßen ja nur eine Mindestanforderung darstellt. Sie wollen verhindern, dass der zertifizierte Mediator als die höchste Qualifizierung verstanden wird. Um die tatsächliche Kompetenz des Mediators erkennbar werden zu lassen, ist zwischen Berufsqualifikationen und Ausbildungszertifikaten zu unterscheiden. Die Diskrepanz zwischen den Ausbildungszertifikaten und der Berufstätigkeit wird im Beitrag Ausbildungszertifikate dargelegt. Eine ausführliche Kommentierung zur Ausbildungsverordnung befindet sich im Kapitel ZMediatAusbV.

Herausforderung

Wenn es nicht nur darum gehen soll, einen vermeintlichen Titel zu erwerben, zielt die Ausbildung darauf ab, dem Auszubildenden eine Kompetenz zu vermitteln. Kompetenz ergibt sich aus dem erworbenen Wissen, dem Können und den Fertigkeiten, das Gelernte umzusetzen. Das Wissen über die korrekte Durchführung der Mediation ist zugleich eine Auseinandersetzung mit der Komplexität. Wir begegnen, wenn man so will, einer dritten Komplexitätsebene. Natürlich bildet die Komplexität der Ausbildung die Komplexität der Verfahrens- und der Fallebene nach. Sie erfordert es, den Auszubildenden die Mediation in all ihren Variationen5 und vor allem in einer nachvollziehbaren Systematik nahezubringen, damit der Mediator die für den jeweiligen Fall am besten geeignete Herangehensweise zu erkennen und umzusetzen lernt.

Damit das Wissen in ein professionelles, also planbares Können überführt wird, muss die Ausbildung einen didaktischen Mix6 vorhalten, der alle Intelligenzzentren anspricht und neben dem Wissen auch praktische Erfahrungen vermittelt. Die Ausbildung muss ein darauf bezogenes Konzept und eine Methodik vorhalten, damit sich ihre Konsistenz erhellt und der Auszubildende in die Lage versetzt wird, das Können selbst herzuleiten. Um diese Fertigkeit zu erlangen, muss sich der auszubildende Mediator auf die Persönlichkeitsbildende Haltung einlassen, soweit es der Wesenhaftigkeit der Mediation entspricht.

Wie bildet man so etwas (her)aus?

Letzten Endes kommt es darauf an, dass der Mediator die mediative Haltung verinnerlicht. Sie transformiert das Wissen und das Können in die Persönlichkeit des Mediators, um in seine ressourcenorientierte Fertigkeit zu münden. Ob die Ausbildung gelungen ist, können Sie nicht allein an den absolvierten Stunden und Inhalten ablesen. Sie merken es an der Art, wie der Mediator denkt und handelt7 .

 Merke:

Die Ausbildung muss einen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung leisten 1

Es ist bei der Fülle an Ausbildungsangeboten sicher nicht leicht, das passende Angebot herauszufiltern. Wiki to Yes bietet Ihnen eine Entscheidungshilfe an.

Entscheidungshilfe Ausbildung 

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-24 14:47 / Version 72
Alias: Mediationsausbildung, Ausbildungen
Siehe auch: Mediatorenprofil, Mediationskompetenz
Diskussion (Foren): Ausbildungsqualität, Ausbildung

3 Siehe die Ausführungen zur Führung
4 Mehr dazu unter Ausbildungszertifikate
5 Differenziert nach der Systematik und den Varianten, die im Buch Meditationen beschrieben sind
6 Siehe beispielsweise das Konzept "blended Learning", das die Kombination von unterschiedlichen Methoden und Medien oder Ausbildungsformaten beschreibt.
7 Siehe den Aufsatz: Woran erkenne ich einen Mediator?

Persönlichkeit und Haltung

Die Mediation kann nur aus einem bestimmten Denken heraus gelingen, das der Mediator vorhalten muss. Die Art des Denkens ist Teil der Persönlichkeit. Oft ist von der Haltung des Mediators die Rede. Gemeint ist seine innere Einstellung. Bitte beachten Sie, dass es dabei nicht um Moral und auch nicht um ein Gutmenschsein geht. Das wäre kontraproduktiv zum wertefreien Denken der Metaebene.

Aus den Anforderungen, die das Verfahren an die Haltung des Vermittlers stellt, lässt sich ein Mediatorenprofil ableiten, in dem sich alle Haltungsmerkmale wiederfinden lassen, die für eine erfolgreiche Mediation zu fordern sind. Diese Merkmale sind:

  1. Der Mediator beherrscht die Meta-Kognition => ist wertefrei und reflexiv
  2. Er strebt Über- und Durchblick an => ist unbefangen neugierig
  3. Er interpretiert nicht => ist faktenorientiert und neutral
  4. Er versteht sich auf allen Ebenen der Kommunikation => ist verständig
  5. Er scheut sich nicht vor der Komplexität => ist strukturiert
  6. Er denkt prozessorientiert => ist evolutiv
  7. Der Konsens ist seine Lebensgrundlage => ist kooperativ und verbindlich
  8. Er ist immer Mediator, nicht nur bei der Arbeit => ist authentisch

Bitte beachten Sie:

 Merke:

Die Persönlichkeit des Mediators definiert sich nicht über die Ausbildung. Sie ist allenfalls ein Indikator dafür. Die Persönlichkeit zeigt sich an der Art des Denkens und wie der Mediator mit sich und seinen Mitmenschen umgeht Error: Tag not found in any previous footnote

Wer das Denken der Mediation inhaliert hat, begrenzt es nicht nur auf die Zeit in der er eine Mediation durchführt. Wer diesen Aspekt im Blick hat achtet auch darauf, wie er nach der Ausbildung noch gefördert werden kann. Wiki to Yes bietet hier eine ergänzende Untsrstützung an, die die Ausbilder ebenso wie die Studenten natürlich gerne in Anspruch nehmen können.

Hinweise und Fußnoten

Alias: Eigenschaften des Mediators, Mecdiatorenkompetenz
Siehe auch: Woran erkenne ich einen Mediator?, Das Wesen der Mediation, Haltung, Berufsmediator, Engagierte Mediatoren, Die Bedeutung der Metaebene

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