Lade...
 
Wiki to Yes, das Metaportal
Seiten-ID: 616 Zur Identifizierbarkeit eines Mediators 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (08) Beruf »  Mediator

Kompetenz: Alles über das mediative Wissen und Können finden Sie auf folgenden Seiten:

Mediatorenprofil Mediationskompetenz Kompetenzausbildung Qualität 

Das Profil des Mediators

Im Idealfall erkennen Sie einen Mediator an seinem Denken und Handeln


Wie schätzen Sie jemanden ein, der andere verurteilt, ohne sie angehört zu haben? Wie schätzen Sie jemanden ein, der bewertet, ohne die Fakten zu kennen? Wie schätzen Sie jemanden ein, der bewertet ohne die Perspektiven differenziert zu haben? Wie schätzen Sie jemanden ein, der eine Mehrheit dem Konsens vorzieht? Wie schätzen Sie jemanden ein, der irreführende Werbung betreibt und Behauptungen aufstellt, die bei genauem Hinsehen nicht zutreffen? Würden Sie annehmen, dass dies ein Mediator ist?

Wesen

Die Mediation, so wurde mehrfach hingewiesen, verwirklicht sich in ihrem Wesen. Ihr Wesen muss sich also - zumindest während der Mediation - im Mediator wiederfinden. Wenn die Mediation die Metabene ist, die ein wertfreies, empathisches Verstehen der Parteien ermöglicht, dann personifiziert der Mediator die Metaebene, auf der ein derartiges Verstehen möglich ist.

Die personifizierte Metaebene


Die Metaposition gibt Anhaltspunkte für die Haltung des Mediators und den Umgang mit dem Fall. Sie erschließt jedoch noch nicht dessen Kompetenz.

 Merke:

Leitsatz 4220 - Kompetenz ist die Fähigkeit und Fertigkeit zur Durchführung einer Mediation

Kompetenzmerkmale

Eines steht fest: Die Fähigkeit ein nettes Setting zu bereiten und zum aktiven Zuhören genügen nicht, um die Kompetenz des Mediators zu beschreiben. Eine Verhandlung wird nicht dadurch zur Mediation, dass sich jemand neutral verhält und "mediativ" zuhört. Das wird oft verwechselt. Bereits aus den Komponenten der Mediationskompetenz lassen sich Kompetenzmerkmale für die Ausbildung ableiten, die sich an dem ausrichten, was mit der Ausbildung zu erreichen ist. Die Mindestanforderung dessen was zu erreichen ist, besteht darin, eine Mediation durchzuführen. Also orientiert sich die Kompetenz an dem, was dazu nötig ist.

Die Mediation ist ein Verfahren der Verstehensvermittlung. Mithin ist das Verstehenkönnen die wichtigste Kompetenz des Mediators.

 Merke:

Leitsatz 4183 - Je mehr der Mediator versteht, umso mehr kann er vermitteln!

Kompetenzmerkmale der Verstehensvermittlung:

Verstehen ⇒ Verstehenskompetenz

Verstehenskompetenz

Wenn die Mediation eine Vermittlung ist, bildet das Verstehen ihr zentrales Leistungsmerkmal. Das Verstehen erstreckt sich auf alle Intelligenzzentren. Es genügt also nicht, das Gesagte logisch nachzuvollziehen. Intelligenz hat eine rationale, eine emotionale und eine Wertedimension1 . Der Mediator muss auf allen Ebenen kommunizieren können. Der Grundsatz lautet: Je mehr der Mediator versteht, umso mehr kann er das Verstehen vermitteln.

Vermitteln ⇒ Vermittlungskompetenz

Vermittlungskompetenz

Es genügt nicht EINE Partei zu verstehen. Der Mediator muss ALLE Parteien verstehen. Nur so kann er die Wahrnehmung und das Gesagte in eine Sprache übersetzen, die auch der Gegner versteht.


Die isolierte Fähigkeit alles und jeden zu verstehen, macht die Kompetenz des Mediators noch nicht zu einer mediativen Kompetenz. Die mediative Verstehensvermittlung setzt voraus, dass die Verstehensprozess im Format des mediativen Kognitionsprozesses eingebunden wird. Um den Erkenntnisprozess zu realisieren, muss der Mediator nicht nur die Elemente der Mediation, die Grundsätze und ihren Ablauf kennen. Er muss auch wissen, wie die Elemente zusammenspielen, sodass sie den hinter der Mediation verborgenen Erkenntnisprozess ermöglichen.

 Merke:

Leitsatz 4184 - Je mehr Erkenntnisse gewonnen werden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, ein passendes Ergebnis zu finden!

Kompetenzmerkmale der Erkenntnisgewinnung:

Verifizieren ⇒ Verifikationskompetenz

Verifikationskompetenz

Der Mediator hat den Gedankenaustausch zu qualifizieren, damit die Parteien den Informationsbedarf erkennen können. Das gelingt, indem er die Qualität der Information wertfrei erfasst und ihre Stimmigkeit hinterfragt. Sein Denken ist kleinschrittig. Die Metaebene macht diese Auseinandersetzung möglich. Sie wird durch den Mediator abgebildet. Sie ist allen Gedanken und Wahrnehmungen zugänglich. Ihre Wertefreiheit erlaubt es, die Gedanken zu justieren.

Ordnen ⇒ Dimensionierungskompetenz

Dimensionierungskompetenz

Gemeint ist natürlich das geistige Ordnen, das aus dem Chaos des Konfliktes und
Es sind die Partien, die eine Lösung finden sollen, also müssen SIE denken, nicht der Mediator. Was der Mediator allerdings zu tun hat ist, die Gedanken zu verdeutlichen und zu ermöglichen. Er kennt den hinter der Mediation laufenden Kognitionsprozess und weiß, wie er umzusetzen ist. Methodisch bewältigt er das Informationsmanagement mit dem Dimensionieren.

Vervollständigen ⇒ Komplexitätsbewältigungskompetenz

Komplexitätsbewältigungskompetenz

Die Mediation geht von voll informierten "Spielern" aus. Die Informiertheit bezieht sich auf alles, was mit den betroffenen Menschen, dem Problem und dem zu lösenden Konflikt zu tun hat. Deshalb kann der Mediator nur dann mit der Mediation und dem zu lösenden Problem adäquat verfahren, wenn er sowohl die Komplexität des Verfahrens (der Mediation) wie die des Falles bewältigen und miteinander in Übereinstimmung bringen kann.

Reflektieren ⇒ Metakompetenz

Metakompetenz

Die Mediation lebt von der Refelxion dessen was zu bedenken ist, um eine Lösung zu finden. Die Reflexion erfordert eine Metabene. Die Metaebene erstreckt sich auf die Parteien, den fall und das Verfahren, mithin auf den Mediator selbst. Er ist - wenn man so will - die personifizierte Metaebene. Um sich auf der Metaebene bewegen zu können bedarf es einer hohen Abstraktionsfähigkeit und der Wertefreiheit.


Der Mediator ist nicht untätig. Er hat verschiedene Aufgaben zu erfüllen, um den Erkenntnisprozess zu ermöglichen.

 Merke:

Leitsatz 4185 - Mediator und Parteien sitzen alle in einem Boot. Jeder hat eine Aufgabe und muss darauf achten, dass das Boot nicht kentert

Kompetenzmerkmale der Prozessgestaltung:

Navigieren ⇒ Steuerungskompetenz

Steuerungskompetenz

Der Mediator führt mit den Parteien die Mediation durch2 . Er muss sich mit der Mediation gut auskennen, damit das gelingt. Er muss die Interaktionen der Parteien einschätzen und der Mediation zuordnen können, um durch den Prozess zu navigieren. Mehr noch muss er in der Lage sein, die unterschiedlichsten Prozesse zusammenzuführen.

Organisieren ⇒ Gestaltungskompetenz

Gestaltungskompetenz

Beziehung aufbauen, Rollen zuweisen, das Verfahren so einrichten, dass es die Komplexität bewältigt
...

Strukturieren ⇒ Systematisierungskompetenz

Systematisierungskompetenz

Der Mediator muss nicht nur den Weg durch die Mediation kennen. Er muss ihn auch herstellen können. Dazu zählt auch, die Bedingungen herzustellen, unter denen die Mediation gelingen kann. Wichtig ist die Einrichtung und Aufrechterhaltung der Meta-Ebene

Es genügt auch nicht, eine Mediation mechanisch durchführen zu können. Er muss verschiedene Varianten kennen, um das für die Ausgangsbedingungen passende Verfahren und die effizienteste Vorgehensweise festzulegen. Er muss sein Verhalten und das der Parteien an Benchmarks messen und bewerten können.

Persönlichkeit und Haltung

Die Mediation kann nur aus einem bestimmten Denken heraus gelingen, das der Mediator vorhalten muss. Die Art des Denkens ist Teil der Persönlichkeit. Oft ist von der Haltung des Mediators die Rede. Gemeint ist seine innere Einstellung. Bitte beachten Sie, dass es dabei nicht um Moral und auch nicht um ein Gutmenschsein geht. Das wäre kontraproduktiv zum wertefreien Denken der Metaebene.

Aus den Anforderungen, die das Verfahren an die Haltung des Vermittlers stellt, lässt sich ein Mediatorenprofil ableiten, in dem sich alle Haltungsmerkmale wiederfinden lassen, die für eine erfolgreiche Mediation zu fordern sind. Diese Merkmale sind:

  1. Der Mediator beherrscht die Meta-Kognition => ist wertefrei und reflexiv
  2. Er strebt Über- und Durchblick an => ist unbefangen neugierig
  3. Er interpretiert nicht => ist faktenorientiert und neutral
  4. Er versteht sich auf allen Ebenen der Kommunikation => ist verständig
  5. Er scheut sich nicht vor der Komplexität => ist strukturiert
  6. Er denkt prozessorientiert => ist evolutiv
  7. Der Konsens ist seine Lebensgrundlage => ist kooperativ und verbindlich
  8. Er ist immer Mediator, nicht nur bei der Arbeit => ist authentisch

Bitte beachten Sie:

 Merke:

Leitsatz 4221 - Die Persönlichkeit des Mediators definiert sich nicht über die Ausbildung. Sie ist allenfalls ein Indikator dafür. Die Persönlichkeit zeigt sich an der Art des Denkens und wie der Mediator mit sich und seinen Mitmenschen umgeht

Wer das Denken der Mediation inhaliert hat, begrenzt es nicht nur auf die Zeit in der er eine Mediation durchführt. Wer diesen Aspekt im Blick hat achtet auch darauf, wie er nach der Ausbildung noch gefördert werden kann. Wiki to Yes bietet hier eine ergänzende Untsrstützung an, die die Ausbilder ebenso wie die Studenten natürlich gerne in Anspruch nehmen können.

Hinweise und Fußnoten

Alias: Eigenschaften des Mediators, Mecdiatorenkompetenz
Siehe auch: Woran erkenne ich einen Mediator?, Das Wesen der Mediation, Haltung, Berufsmediator, Engagierte Mediatoren, Die Bedeutung der Metaebene

Erstellt von Administrator. Letzte Änderung: Sonntag Oktober 27, 2019 11:01:57 CET by Arthur Trossen.