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Mediatorenauswahl Der geeignete Mediator

Wie findet man den passenden Mediator und woran erkennt man seine Qualifikation?

Es gibt Regelungen zur Geeignetheit der Mediation. Nachdem die Entscheidung zugunsten der Mediation gefallen ist, geht es um die Frage, wer als Mediator in Betracht kommt. Es geht also um die Frage, welcher Mediator sich für welchen Fall eignet. Wer die Wahl hat, hat die Qual, sagt der Volksmund. Bei der Wahl eines Mediators scheint sich dieser Spruch zu bestätigen. Brandon regt z.B. eine SWOT-Analsys vor, um den geeigneten Mediato ausfindig zu machen.1 Dieser Vorschlag geht zu weit und würde die Parteien überfordern. Er erübrigt sich auch, wenn man weiß wonach und wie man zu suchen und zu wählen hat. Bei Wiki to Yes finden Sie alle dazu erforderlichen Hilfestellungen:

Verfahrenswahl Eignung der Mediation Mediatorenverzeichnis Empfehlen

Die Qualifikation des Mediators  


Die Qualitätsmerkmale eines Mediators messen sich an der Dienstleistung. Wenn der Mediator ein Verstehensvermittler ist, dann ist die Verstehenskompetenz DAS Qualifikationsmerkmal. Die simple Formel lautet:

 Merke:

4387 - Je mehr ich verstehe, umso mehr kann ich vermitteln!

Jetzt kommt es darauf an, was Sie als notwendig erachten, um den Prozess des Verstehens managen zu können. Die folgenden Kriterien mögen helfen, dies zu beurteilen.

Qualitätskriterien

Die integrierte Mediation legt mindestens ebenso viel Wert auf das Profil des Mediators wie auf seine Ausbildung. Eine gute Ausbildung ist eine Voraussetzung. Kein Grund damit zu werben. Werben Sie lieber mit Ihrer Kompetenz und dem, was man im Marketing den USP (Alleinstellungsmerkmal) nennt. Kriterien für ein Mediatorenprofil sind:

Variantenreichtum
Der Mediator beherrscht ALLE Varianten und Verfahren der Mediation.
Bearbeitungstiefe
Die Mediation bewegt sich in dem Spektrum zwischen dem Geerichtsverfahren und der Therapie. Es hängt vom Fall ab, wie weit die Mediation in die eine oder andere Richtung geht. Die Wahl des am Streitkonzinuum zu messenden Mediationsmodells entscheidet über die Bearbeitungstiefe. Bei Beziehungskonflikten ist stets die transformative Mediation in Betracht zu ziehen. Der Mediator sollte alle Mediationsmodelle (Mediationswesen) beherrschen.
Systematik
Der Mediator kennt auch die anderen Verfahren der Konfliktbeilegung (ADR und Gerichtsverfahren) ebenso wie die möglichen Beratungen (Therapie, Coaching, Rechtsberatung) und kann diese gegeneinander abgrenzen, miteinander in Verbindung bringen, und auf die Konfliktstrategien der Parteien beziehen.
Kognition
Der Mediator hat das Denken der Mediation verinnerlicht. Wertefreiheit, Präzision, Klarheit, Komplexität (präzises Zuhören) beherrscht er auch außerhalb der Mediation.
Konflikt
Der Mediator verfügt über eine breite Erfahrung im Umgang mit Konflikten in allen Konfliktdimensionen und beherrscht die dazu passenden Interventionen.
Achtsamkeit
Der Mediator kann aufmerksam zuhören. Er paraphrasiert mehr als dass er fragt und beherrscht die Mäeutik.
Erdung
Der Mediator ist mit den kognitionspsychologischen Hintergründen und Funktionsweisen der Mediation vertraut. Er kann ihren Flow spüren.

Erkennenskriterien

Von aussen ist dies nur bedingt möglich. Also müssen sich die notwendigen Informationen aus originären Quellen, etwa der Web-Site des Mediators oder am besten gleich einem informatorischen Vorgespräch, entnehmen. Die Qualität des Mediators ist daran zu messen, inwieweit es ihm gelingt, den Konsens zwischen den Parteien in einer angemessenen Zeit herbeizuführen.

Vorgespräch
In einem Vorgespräch können Sie sich ein Bild über die Praxis des Mediators machen. Ist er in der Lage seine Arbeitsweise klip und klar zu erläutern? Wenn die Mediation, wie bei vielen Anwälten, neben dem originären Beruf angeboten wird, ist es wichtig zu wissen, wie die Arbeitsbereiche voneinander getrennt werden.
Auftreten
Schon in der Werbung erkennen Sie, ob der Mediator authentisch ist oder nicht. Eine unlautere Werbung oder Versprechungen, die er nicht halten kann sind kein gutes Zeichen für einen qualifizierten Mediator.
Organisation
Die interne Organisation der Mediationspraxis gibt weitere Aufschlüsse. Arbeitet der Mediator alleine oder vernetzt? Kann er ein Setting anbieten, das ausreichend Zeit und Ruhe für Ihren Fall bei flexibler Terminierung zur Verfügung stellt?
Qualität
Ein wichtiges Kriterium für gute Qualität ist die unvoreingenommene Haltung des Mediators. Sie müssen sich akzeptiert und verstanden fühlen, genau so, wie die Gegenpartei. Wenn kein Vertrauen zum Mediator besteht, wird die Mediation nicht gelingen.
Information
Achten Sie darauf, dass Sie umfassend informiert werden. Die Mediation ist ein freiwilliges Verfahren, das dem Grundsatz der Informiertheit unterliegt. Der Mediator muss darauf achten, dass nichts ohne Ihr Wissen oder Ihre Billigung geschieht.

Auswahlkriterien

Trotz der Zertifizierungsregelung obliegt es den Streitparteien, den für sie passenden Mediator zu finden. Je mehr zertifizierte Mediatoren gelistet werden, umso größer wird diese Herausforderung. Es ist zu vergleichen mit allen anderen freien Berufen. Ein Rechtsanwalt ist nicht gleich einem Rechtsanwalt, ein Arzt ist nicht gleich einem Arzt. Es gibt Qualität und Leistungsunterschiede. Wie können Sie diese herausfinden?

Ausbildung

Ausbildung
Die Ausbildung des Mediators sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein und keiner besonderen Erwähnung bedürfen. Kriterien für eine qualifizierte Ausbildung finden Sie hier.

Kompetenz
Die Frage, was die Kompetenz des Mediators ausmacht, ist in erster Linie seine Haltung (im Verständnis seiner inneren Einstellung) und seine Fähigkeit, die Parteien richtig zu verstehen. Richtig verstehen bedeutet, das zu verstehen, was wirklich gemeint und gewollt ist. Diese Kompetenz setzt sich zusammen aus Wissen um Kommunikation, Wahrnehmung, Konflikte und deren Dynamik, deren Bewältigung und die unterschiedlichen Verfahren und Interventionen, die zur Bewältigung bereit gestellt werden. Die Kompetenz des Mediators vermittelt sich eher über (s)ein Profil als über seine Ausbildungsnachweise.
Ursprungsberuf / Fachlichkeit
Es gibt Meinungen, die bestimmten Ursprungsberufen Vorteile bei der Mediation einräumen. Diese Meinungen stehen jedoch im Verdacht der Einlastigkeit. Die Mediation ist interdisziplinär. Sie erfordert die Anwendung des Wissens aus allen Disziplinen. Für einen gut ausgebildeten Mediator ist es demnach irrelevamt, welches sein Ursprungsberuf ist.
Sachwissen
Ob und inwieweit der Mediator ein spezifisches fachliches Wissen vorhalten muss ist umstritten. Es gibt Meinungen, die sagen, der Mediator sollte unbelastet sein. Dies fördere seine Unbefangenheit und Neutralität. Zu viel sachwissen könnte zu gedanklichen Festlegungen (sachlich einseitige Bewertungen) führen. Andere meinen, der Mediator benötige ein Sachwissen, um dem Parteivortrag besser folgen zu können. Da der Mediator weder entscheidet noch berät, muss er die Sachinformationen lediglich verstehen und übersetzen können. Er muss ihnen folgen können, ohne die Informationen selbst zu verwerten oder zu verarbeiten. In jedem Fall wird der Mediator fehlenden Sachverstand gegebenenfalls wie ein Richter in das Verfahren (durch Beiziehung von Sachverständigen etwa) einführen.
Erfahrung
Erfahrung ist ein wichtiges Kriterium. Der Mediator sollte sich sicher fühlen in dem was er tut. In jeder Mediation gibt es individuelle Herausforderungen. Diese dürfen den Mediator nicht aus der Ruhe und dem Konzept bringen. Lebens-, Verhandlungs- und Konflikterfahrung kommen in der Mediation zum Tragen.
Angebot
Die Art und Weise wie der Mediator seine Dienstleistung anbietet ist ein weiteres Kriterium für Professionalität. Die Mediation kennt verschiedene Verfahrensweisen. Spätestens wenn es um die Honorierung geht, kommt diese Frage zur Geltung. Es gibt Mediationen (Facilitative und evaluative), die recht schnell zu einer Lösung führen, aber weniger nachhaltig sind, weil sie nicht die volle Konfliktiefe erreichen können. Es gibt demgegenüber eine Mediationsweise (transformative), die durchaus die erforderliche Konflikttiefe erreichen kann. Diese Mediation dauert zwar länger und ist teurer, sie kann aber eine wirkliche Nachhaltigkeit erzielen.
Vertrauen
Mediation ist Vertrauenssache. Vertrauen ist ein individuelles Gefühl, das sich nicht durch einen Kriterienkatalog determinieren lässt. Das Besondere an der Mediation ist, dass beide Parteien dem Mediator vertrauen müssen. Ein guter Mediator wird auf diesen Umstand hinweisen und für eine umfassende Tranparenz sorgen, damit das vertrauen in seine Person gerechtfertigt ist.
Flexibilität und Kreativität
Der Kern der Mediation ist ein Verstehens- und ein Klärungsprozess. Verstehen ist eine individuelle Kompenente, die einer Anpassung und Synchonisierung bedarf. Das Verfahren muss sich der Dynamik des Konfliktes anpassen können. Der Mediator muss in der Lage sein, in jeder Phase des Verfahrens sich auf Veränderungen einzulassen.
Selbstverständnis
Wie bereits erwähnt ist die Haltung (innere Einstellung) des Mediators für das Gelingen einer Mediation von ausschlaggebender Bedeutung. Das Selbstverständnis offenbart sich an der Art und Weise wie der Mediator durch das verfahren führt. Manche sind eher direktiv, andere sind eher reflexiv. Im Grunde hängt es von der Konfliktgestaltung ab (Konflikteskalation und Konflikttiefe), ob und inwieweit der Mediator direktiv tätig sein sollte oder nicht. Die Mediation ist ein Verfahren der Parteien, das auf deren Autonomie und Selbstverantwortung aufsetzt. Dies sollte sich in dem Menschenbild (in der grundsätzlichen Haltung) wiederspiegeln, das der Mediator vertritt. Respekt zeichnet sich nicht dadurch aus, dass man darüber spricht. Respekt zeichnet sich durch Wertfreiheit und Akzeptanz aus.
Netzwerk
Die Mediation ist insofern ein unvollständiges Produkt, als sie weder ein eigenes Sachwissen, noch eine Beratungs- oder Entscheidungskompetenz zur Verfügung stellt. Mithin obliegt es dem Mediator dafür zu sorgen, dass eventuell fehlende Informationan oder Sachwissen in das Verfahren einbezogen wird. Je größer das netzwerk des Mediators ist oder je besser er in ein Netzwerk eingebunden ist, desto größer ist sein Wirkungsbereich.

Vermittlung

Besonders bei der sogenannten institutionalisierten Mediation wird den Parteien ein Mediator (der dem Unternehmen, dem Institut oder Verband angehört) vermittelt. Oft spielen dabei Markt- und Institutsinteressen eine Rolle. Das Institut hat ein eigenes Interesse an der Auswahl, weil es sich und die ihm angehörigen Mediatoren nach vorne bringen will. Das kann leigitim sein, wenn es um eine Qualitätssciherung geht.Um diese Einschätzung vornehmen zu können,müssen sowhl die Qualität wie die Kriterien bekannt sind, die für den Vermittlungsvorschlag sprechen und eigene Interessen offen gelegt werden. Eigene Interessen haben z.B. Rechtsschutzversicherer. Sie sparen Geld, wenn die Mediation einen Rechtsstreit verhindert. Je nach der Einbindung und der wirtschaftlichen Abhängigkeit des Mediators könnte dessen Unabhägigkeit in Frage stehen. Die Entscheidung des OLG Frankfurt/Main 6 U 110/14 trägt diesem Umstand Rechnung. Wenn auch aus anderen Gründen hat sie ausgeführt, dass Klauseln von Rechtsschutzversichereren, die die Durchführung (Kostenerstattung) des einen oder anderen Verfahrens von der Inanspruchnahme eines von ihnen vorgegebenen Mediators abhängig macht, unzulässig sind. Wörtlich wurde im Tenor des genannten Urteils ausgeführt:

Die Beklagte wird verurteilt, es ... zu unterlassen, in Rechtsschutzversicherungen die folgenden Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Rechtsschutzversicherung zu verwenden oder sich auf sie zu berufen: ... Bei den Leistungsarten ... übernimmt der Versicherer für die außergerichtliche Wahrnehmung von Interessen nur die in § 5 Abs. 1 c) ARB genannten Kosten eines von ihm ausgewählten Mediators.


Die Wahl des Mediators obliegt gemäß §2 Abs. 1 Mediationsgesetz den Parteien. Dieser Grundsatz ist von allen Instituten und Verbänden zu beachten, die einen Mediator vermitteln. Wenn eine Vermittlung dennoch stattfindet, sollten die Auswahlkriterien der vorgeschglagenen oder gelisteten Mediatoren, das Auswahlverfahren und die individuelle Kompetenz des Mediators an den vorstehenden Ausführungen gemessen und transparent gemacht werden, um einem Misstrauen von vorne herein vorzubeugen.

Der geeignete Mediator

Mediation ist Vertrauenssache. Sie betrifft nicht nur eine, sondern alle Parteien. Die Entscheidung für einen Mediator muss deshalb von der Partei und dem Gegner getroffen werden. Dabei sind nicht nur die Kompetenz, sondern auch die Persönlichkeit des Mediatiors und seine Nähe zum Fall zu bewerten. Die folgende Checkliste soll helfen, den passenden Mediator herauszufinden und eine Grundlage dafür sein, dass sich die gegnerischen Parteien auf ein und denselben Mediator verständigen können.

Prüfungsschema Mediatorenauswahl

Ein Laie kann kaum die Kriterien alle überprüfen. Deshalb vergeben Verbände Zertifikate mit dem Hinweis auf den Aussteller heraus. Manche Verbände sehen ihr Zertifikat gleichbedeutend mit einer Marke oder Lizenz.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-05-20 08:30 / Version 40
Aliase: Mediatorenwahl
Siehe auch: Dienstleistung, Mediatorenverzeichnis
Diskussion (Foren): Siehe Mediationsvideos

© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Mediatorenauswahl" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Mediatorenauswahl
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Seite zuletzt geändert: am Montag Mai 20, 2019 08:30:01 CEST von Arthur Trossen.