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Seiten-ID: 61 Die Mediation als Problemlöser - eine Übersicht 3-Abteilung »  Dienste 4-Inhalt »  Einführung »  Mediationsverständnis 

Mediation


Mediation ist kein Synonym für eine außergerichtliche Streitbeilegung. Die Mediation ist ein Verfahren der nutzenorientierten Lösungsfindung, das sich von der Schlichtung und anderen Verfahren der außergerichtlichen Streitbeilegung deutlich abgrenzt.

Es gibt immer eine Lösung

besonders dann, wenn man sie nicht für möglich hält.

Diese mutige Behauptung wird nachvollziehbar, sobald Sie sich näher mit der Mediation befassen.


Egal ob es sich um ein Problem in der Familie, zwischen Freunden, Nachbarn, Kollegen, ... oder einfach um einen Widerspruch handelt, eine vernünftige Lösung ist möglich. Sie will nur gefunden sein. Einstein sagte einmal:  

"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind".


Hätte Einstein die Mediation gekannt, hätte er sie empfohlen, denn die Mediation bewirkt ein Umdenken. Keinesfalls sollte die Mediation mit den konventionellen Verfahren und schon gar nicht mit einem Gerichtsverfahren verglichen werden. Das ist wie ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Die Mediation ist deshalb nicht wirklich eine Alternative – oder gerade doch. In jedem Fall ist sie etwas ganz anderes.

Was ist Mediation?

Kurz gesagt handelt es sich um eine verstehensbasierte Streitvermittlung. Daraus ergibt sich:

Mediation ist eine Vermittlung im Streit zwischen Konfliktparteien. Sie geht davon aus, dass die Parteien die Lösung finden, sobald sie über alle erforderlichen Informationen verfügen und sich über den zu erzielenden Nutzen abstimmen können. Der Mediator ermöglicht den Austausch darüber.

Im Konfliktdickicht wirkt die Mediation wie ein Kompass, der die (Erkenntnisse) Schritte beschreibt, wie die Parteien aus dem Dickicht herausfinden.

Wie soll das funktionieren?

Sicherlich haben die Streitparteien schon viele Versuche hinter sich gebracht, eine Regelung zu vereinbaren, die den Konflikt lösen könnte und an die sich auch jeder halten kann. Aber die Gespräche sind immer eskaliert. “Mit dem kann man doch gar nicht reden” wissen sich die Parteien gegenseitig vorzuwerfen. Was soll da ein Mediator noch bewegen können?

Manchmal hilft die unbeteiligte, neutrale Sicht von außen. Die Sicht aus der Metaebene, die alles in Betracht ziehen kann, die den Nutzen herausarbeitet, indem die Anliegen und Sichtweisen der einen Seite wie die der Gegenseite verstanden werden. Je besser der Mediator die Parteien versteht, desto besser kann er ein wechselseitiges Verstehen der zur Lösung führenden Entscheidungsgrundlagen vermitteln.

Wodurch ein versierter Mediator die Kommunikation zwischen den Parteien und gegenseitiges Verstehen herstellen kann, verdeutlicht die Zeichnung des Karikaturisten Phillipp Heinisch.
Heinisch

 


Er führt die Parteien aus dem Streit heraus, sodass sie die Mauern überwinden können. Dazu braucht es mehr als nur die Anwendung irgendwelcher Kommunikationstechniken oder vermeintlicher Tricks. Was eine Mediation zu ihrem Gelingen verhilft, ist ihre Fähigkeit, konsensuierbare Erkenntnisse zu generieren1 .

Merkblatt Mediation Mehr über Mediatoren 

Die Abgrenzung der Verfahren gegeneinander

Strategisch betrachtet bildet die Mediation eine kooperative Exklave zur Konfrontation. Das bedeutet: Sie stellt einen abgegrenzten und geschützten Raum zur Verfügung, in dem eine Kooperation gefahrlos versucht werden kann. Die Chancen miteinander zu reden sind auch dann noch recht hoch, wenn eigene Bemühungen gescheitert sind. Das hängt mit Wahrnehmungsebenen und Gesetzmäßigkeiten der Kommunikation, aber auch mit der jeweiligen Konflikstrategie zusammen.

Als ein so genanntes ADR Verfahren ergibt sich Ihre Abgrenzung aus dem Verfahrenszweck. Die Mediation ist eine Streitvermittlung. Sie steht den streitentscheidenden Verfahren gegenüber. Als ein Verfahren der Streitvermittlung grenzt sie sich von der Schlichtung ab, bei der die Lösung (unabhängig vom Verstehen) vermittelt wird, während die Mediation das Verstehen vermittelt, das den Parteien selbst die Möglichkeit einräumt, die für sie passende Lösung zu finden. Die einfache Faustformel lautet:

Die Mediation ist bei jedem Konflikt das geeignete Verfahren, wo die Parteien nach einer optimalen Lösung suchen (wollen oder müssen), weil sie entweder keine Lösung wissen oder ihre Lösung nicht durchsetzen können oder wollen. Ausführliche und rechtlich hergeleitete Antworten zur Frage der Einschlägigkeit einer Mediation finden sich im Lehrbuchkommentar “Mediation (un)geregelt“.


Prüfungsschema Verfahrenswahl Mehr über die Verfahrenssystematik 

Wann ist eine Mediation angesagt?

Es kursieren Checklisten, welche die Geeignetheit spezifizieren wollen. Oft werden dort jedoch subjektive mit objektiven Kriterien vermischt, sodass die Frage, wann die Mediation das für den Fall geeignete Verfahren ist, noch immer nicht verbindlich beantwortet wird. Einen Eindruck, bei welchen Konflikten die Mediation erfolgreiche Lösungen bietet, ergeben die folgenden (nicht enumerativen und nicht abschließenden)

Beispiele für mediationsgeeignete Fallgestaltungen

Kellernutzung und Nebenkosten!
Die Eltern betreiben ein Unternehmen, in dem auch ihr Sohn beschäftigt ist. Nachdem ihr Sohn heiratet, verständigt man sich auf eine Firmenübernahme durch das junge Ehepaar. Alle wohnen in direkter Nachbarschaft auch zu der Firma, so dass sich die Eltern weiterhin um die Firma kümmern. Sie sehen es als Hilfebereitschaft. Das junge Ehepaar sieht es als übergreifend an. Die Beziehung verschlechtert sich. Der Konflikt eskaliert so stark, dass man sich nicht mehr grüßt. Das Enkelkind darf keinen Kontakt mehr zu seinen Großeltern haben. Weil die Eltern sich das Eigentum am Grundstück vorbehalten haben und mit dem Sohn bzw. der Schwiegertochter einen befristeten Mietvertrag geschlossen haben, muss man sich einig werden. Vordergründig geht es um eine Wirtschaftsangelegenheit, weil es um die endgültige Übertragung des Firmenvermögens geht. Tatsächlich geht es um innerfamiliäre Beziehungen. Der Konflikt lässt sich durch die Mediation lösen.
Streit zwsichen Betriebsart und Geschäftsführung!
Zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung läuft gar nichts mehr. Der Streit ist so hoch eskaliert, dass sich jeder blockiert fühlt. Die Geschäftsführung ist kurz davor, alles hinzuschmeißen und sogar die Fa an die Wand zu fahren. Es kommt zur Mediation. Der Mediator deckt auf, dass GF und BR unterschiedliche Sichten haben auf das, wofür ein BR da ist. Er kann die Existenzberechtigung des BR als hilfereiche Schnittstelle zw Unternehmenseigner und Arbeitnehmer herausarbeiten und vor allem, den Beteiligten bewusst machen. Damit verändert sich die Sichtweise. Man erkennt auch, dass die Blockaden weder persönlich gemeint sind noch einen feindlichen Hintergrund haben. Nach der Mediation war das Klima zw GF und BR verändert und die Zusammenarbeit wieder möglich.
Ehepaar in Trennung!
Ein Ehepaar lebt seit 4 Jahren im selben Haus getrennt. Seit 1 Jahr redet man kein Wort mehr miteinander. Absprachen werden als Anweisungen in das Hausaufgabenheft der 4 Kinder geschrieben oder auf dem Blackboard in der Küche notiert. Die Situation ist unerträglich, man entscheidet sich für eine Mediation, nicht etwa um die Scheidungsfolgen zu regeln, sondern nur um sich über die Themen einig zu werden, damit der RA die Sache nicht unnötig in die Eskalation treiben kann um Kosten zu schinden. Eine unauffällige Nebenbemerkung macht den Mediator stutzig, als die Frau in der Mediation bemerkte: „ja dann muss ich mich scheiden lassen und …“. Der Mediator fragt: „Sie müssen?, was wollen sie?“ Jetzt beginnt ein längerer Gesprächsparkur die einige Interventionen erfordert bis die Frau eingestehen kann, dass sie eigenlich nicht geschieden werden will. Das selbe beim Mann. Die Themen werden geä#ndert.- Nach einer 3 stündigen Meditation ist das Paar wiedervereinigt. Die Eheleute haben sogar ihre Liebe wiederentdeckt.
Übergriffige Eltern!
Die Eltern betreiben ein Unternehmen, in dem auch ihr Sohn beschäftigt ist. Nachdem ihr Sohn heiratet, verständigt man sich auf eine Firmenübernahme durch das junge Ehepaar. Alle wohnen in direkter Nachbarschaft auch zu der Firma, so dass sich die Eltern weiterhin um die Firma kümmern. Sie sehen es als Hilfebereitschaft. Das junge Ehepaar sieht es als übergreifend an. Die Beziehung verschlechtert sich. Der Konflikt eskaliert so stark, dass man sich nicht mehr grüßt. Das Enkelkind darf keinen Kontakt mehr zu seinen Großeltern haben. Weil die Eltern sich das Eigentum am Grundstück vorbehalten haben und mit dem Sohn bzw. der Schwiegertochter einen befristeten Mietvertrag geschlossen haben, muss man sich einig werden. Vordergründig geht es um eine Wirtschaftsangelegenheit, weil es um die endgültige Übertragung des Firmenvermögens geht. Tatsächlich geht es um innerfamiliäre Beziehungen. Der Konflikt lässt sich durch die Mediation lösen.
Der gekündigte Sohn!
In einem Arbeitsgerichtsprozess geht es um die Abfindung nach einer Kündigung des Arbeitnehmers (AN). Der Arbeitgeber (AG) ist der Vater. Er hat ein Cateringunternehmen aufgebaut, in dem der Sohn groß geworden ist. Als der Vater einen Urlaub nimmt, ändert der Sohn eine unternehmerische Entscheidung. Der Vater sieht das als übergriffig an und kündigt dem Sohn mit einem Vorwand. Der Sohn akzeptiert die Kündigung nicht. Obwohl er inzwischen ein eigenes, erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat und zum Konkurrenten seines Vaters geworden ist, klagt er auf Abfindung Er kann die Kündigung nicht akzeptieren. Das Gericht verweist an einen Mediator. Statt über die Abfindung zu reden, thematisiert er die problematische Vater-Sohn Beziehung und hilft diese von der AG-AN Beziehung abzugrenzen. Die Abfindung ist jetzt kein Thema mehr. Vater und Sohn einigen sich, dass ihre Unternehmen kooperieren.
Schlechtes Betriebsklima!
In einem Unternehmen hat sich das Betriebsklima verschlechtert. Die GF hatte eine „Arbeitsanweisung“ ausgegeben, die von den Mitarbeitern (MA) als ungerecht empfunden wurde. Es war der Tropfen auf den Stein. Die GF entscheidet sich einen Mediator zu engagieren, der eine als Teamoptimierung bezeichnete Mediation durchführt. In der Mediation stellt es sich heraus, dass das als Eigenbetrieb organisierte Unternehmen einen systemischen Widerspruch in sich trug, der die Grenze zwischen öffentlicher und privater Tätigkeit nicht nachvollziehbar gezogen hat. Ohne dass es den beteiligten bewusst war, hatten die GF fast willkürlich die MA mit Aufgaben nach politischen Anforderungen überladen während Fragen nach Vergütung und den Arbeitsbedingungen stets privatwirtschaftlich behandelt wurden. Der verdeckte Widerspruch konnte in der Mediation aufbereitet werden. Die Grenze zwischen öffentlichen und privaten Anforderungen konnte gezogen werden. Die Struktur wurde verändert und angepasst. Klima und Zusammenarbeit wurden geheilt.


Prüfungsschema Geeignetheit Mehr über die Geeignetheit der Mediaton 

Wann entscheide ich mich für welche Mediation?

Ja, Sie haben richtig gelesen. Mediation ist nicht gleich Mediation. Trotzdem reden alle stets von DER Mediation, ohne ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen zu differenzieren. Damit wird die Leistungsfähigkeit der Mediation oft unterschätzt. Eine geläufige – aber wenig hilfreiche – Unterscheidung ergeben die Fachmediationen. Sie beschreiben zwar unterschiedliche Anwendungsformate aber nicht unbedingt die unterschiedlichen Arten der Mediation. Versuche einer allgemeingültigen Typologisierung legen die Unterscheidung der nachfolgend aufgeführten Mediationsmodelle nahe, mit denen unterschiedliche Bearbeitungstiefen und Mediationskompetenzen angesprochen werden, die in allen Fachmediationen vorkommen können:


Prüfungsschema Mediationsmodell Mehr über Mediationsmodelle 

Bitte beachten Sie:

Jeder Mediator muss Ihnen über die Wahl der auf den Konflikt passenden Mediation Auskunft geben. Nicht zuletzt, weil diese Entscheidung für das ein oder andere Mediationsmodell Einfluss auf die Qualität und somit auch die Kosten der Mediation nimmt. Fragen Sie also stets nach welchem Mediationsmodell der Mediator vorzugehen beabsichtigt, wenn er nicht von sich aus darauf zu sprechen kommt.

Wie läuft das Verfahren ab?

Die Mediation ist ein strukturiertes Verfahren. Im Verständnis der integrierten Mediation geht das nicht weit genug. Wir begreifen die Mediation als ein konstruktivistisches, strukturiertes und strukturierendes Verfahren, das (deshalb) mit der gesamten Komplexität der Problemstellung umzugehen weiß. Die Struktur ergibt sich aus den Phasen. Die Strukturierung ergibt sich aus der Informationsverarbeitung, die den Parteien obliegt aber vom Mediator zu überwachen ist. Das Ergebnis muss zum gewählten Modell passen, aus dem sich die Bearbeitungstiefe ergibt. Es muss nachhaltig sein, was von der Bereitschaft der Parteien abhängt und deren wechselseitiges Verstehen voraussetzt, das der Mediator zu vermitteln hat.

Wie sicher ist das Verfahren?

Ehrlich gesagt:

Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Lösungsinhalte hängen allein vom Willen der Streitenden ab. Ein sicheres Fundament für Erfolg einer Mediation ist, wenn die Parteien bereit sind, sich vertrauensvoll auf die Mediation, den Mediator und sein Können einzulassen.

In Portugal besagt ein geflügeltes Wort: „Wer als Einwanderer den Winter übersteht, bleibt für immer dort“. Ähnlich ist die Erfahrung in der Mediation: Wo die Parteien die Hürden, Unabwägbarkeiten und Belastungen auf der Suche nach einer Lösung bewältigen, werden sie auch eine Lösung finden. Eine entscheidende Rolle dabei spielt selbstverständlich die Begleitung durch den Mediator – seine Kompetenz, sich auf den Prozess einlassen zu können, sein Einfühlungsvermögen und sein Verständnis von Mediation. Es ist sicher, dass das Gericht zu einem Ergebnis kommt. Nicht sicher ist es, ob es das Gewollte ist. Das hingegen wäre sicher bei der Mediation, weil nur das Ergebnis zählt, dem beide Parteien zustimmen können.
Der professionelle Mediator steht dafür ein, dass dies gelingt.

Prüfungsschema Haftung Mehr über die Haftung des Mediators 

Wo finde ich die geeignete Unterstützung?

Die Krux für den Konsumenten ist, dass er sich für ein Verfahren entscheiden muss, wenn er einen Dienstleister auswählt. Wiki to Yes stellt Ihnen die Dienstleistungen vor, ebenso wie die Kriterien, um einen Dienstleister oder Mediator zu wählen.

Dienstleistungsverzeichnis Mediatorenauswahl  Mediatorenverzeichnis

Wiki to Yes unterstützt sie aber auch dabei, selbst Lösungen zu entwickeln, um den Streit beizulegen. sie finden ein umfassendes Wissen, auf das Sie mit verschiedenen Zugängen zugreifen können. Falls Sie eine Frage haben, für die sie keine Antwort im Mediation Wiki finden, können Sie auch gerne direkt mit den Experten in Kontakt treten. Nehmen Sie einfach Kontakt auf, wenn Sie Fragen haben oder wenn die Hinweise auf Wiki to Yes Ihnen noch nicht weitergeholfen haben.

Kontakt Onlineberatung

Mediation als Dienstleistung

Wenn Sie einen Mediator beauftragen, schließen Sie einen sogenannten Dienstvertrag. Der Leistungsaustausch besteht darin, dass der Mediator eine Mediation mit den Parteien durchführen soll, wofür er ein Honorar erhält. An welchen Regeln sich diese Dienstleistung orientiert ergibt sich aus den Ausführungen zum Mediationsvertrag.

Mediation als Dienstleistung

Der Auftraggeber muss sich darüber bewusst sein, dass der Mediator nur dabei behilflich ist, in eine Lösung zu finden, die eine einvernehmliche Entscheidung über ein Problem ermöglicht. Eine parteiliche Beratung oder eine Vollziehungshilfe ist nicht mehr Teil seiner Dienstleistung.

Hinweise und Fußnoten

Aliase: F01-Mediation
Archiv: Dienstleistungsarchiv, siehe auch: Dienstleistung
Diskussion (Foren): Siehe Mediationsvideos
Prüfvermerk: -

1 Die Mediation wird deshalb auch als ein Kognitionsprozess beschrieben.
Erstellt von system. Letzte Änderung: Mittwoch März 7, 2018 07:48:21 CET by Arthur Trossen. ;