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Seiten-ID: 1441 Der Mediand - die Verhandlungspartei 3-Abteilung »  Bücher (Wiki) 4-Inhalt »  (04) Mediieren (Verfahren) »  Parteien

Der Mediand, die Mediandin und die Medianden

Das Gesetz verwendet den Begriff nicht. Stattdessen ist von Parteien die Rede. Der Begriff Partei ist ungenau, weil der Mediand sich von der Streitpartei, der Konfliktpartei und der Vertragspartei unterscheiden kann. Es ist nicht zwingend, dass er alle diese Funktionen in sich vereint.

 Merke:

Der Mediator ist die an den Verhandlungen beteiligte Person!1

Es obliegt dem Mediator, die (Partei-)Rolle des Medianden genau zu klären. Die Anfertigung einer Konfliktlandkarte hilft ihm dabei. Zu klären ist also, ob der Mediand aktiv legitimiert ist, also über den Streitgegenstand überhaupt verfügen kann. Das es bei juristischen Personen nur dann der Fall, wenn der Mediand Vertretungsbefugnis hat.

Schreibweise

Im Internet finden Sie unterschiedliche Schreibweisen. Manche buchstabieren Mandand mit "t", andere mit "d". Auch weenn die Frage linguistisch nicht zu entscheiden ist, passt die Schreibweise mit "d", also Mandand besser zum Gefüge der Mediation. Der linguistische Hintergerund für die unterschiedlichen Schreibweisen ergibt sich aus der Funktionalität des Medianden.

Die Endung -ant bezeichnet den Genus: also der Fabrikant, der Emigrant, Informant, Sympathisant2 . Sie wird als die männliche Erweiterung für ein Subjekt verwendet. Bezeichnet der Begriff ein Objekt, lautet die Endung -and: also z.B. Hydrand. Das Objekt muss kein Gegenstand sein, wie das Wort Proband belegt. Objekt meint vielmehr die Form der Handlung oder Behandlung. Koppelt man den Begriff an das Mediieren, also die Tätigkeit, stehen die Medianden eher in einer nicht handelnden Rolle. Auch wenn sie die Mediation mit dem Mediator gemeinsam durchführen, obliegt das Mediieren schon wegen der damit einhergehenden Neutralität dem Mediator3 .

Das Gesetz verwendet die männliche Form Mediand. Auch bei Wiki to Yes wird eher die männliche Form benutzt, was aber lediglich eine sprachliche Erleichterung sein soll und natürlich Medianden eines jeden Geschlechtes umfasst.

Anforderungen

Auch wenn der Mediand oder die Mediandin nicht mediieren, sind es handelnde Personen. Die Medianden müssen das "Spiel" Mediation mitspielen, wenn es gelingen soll. Aus dem Grund verlangt §2 Mediationsgesetz, dass sich der Mediator vergewisssern soll, dass sie die Spielregeln verstanden haben. Besser und juristisch klarer wird die Beziehung des Mediators zu den Medianden, wenn er die Verfahrensregeln mit ihnen vereinbart. Dabei haben die Medianden folgende Anforderungen zu beachten:

Vertraulichkeit

Der Mediator muss sicherstellen, dass der Mediand sich der Vertraulichkeit unterwirft. Das Gesetz hat in dieser Pflicht nicht auferlegt sie ist in der Mediation Durchführungsvereinbarung festzuschreiben. die Vertraulichkeit bedeutet dass niemand aus der Mediation als Zeuge für Informationen die in der Mediation aufgekommen sind zur Verfügung stehen kann. ob und inwieweit dem Mediand eine Maulschelle auferlegt wird, ist eine Frage des Einzelfalls. es wäre ihm kaum zumutbar fragend in der Mediation aufgekommen sind nicht mit seinen Angehörigen oder Partnern zu erörtern. Zumutbar ist es ihm aber, dass er gegebenenfalls daraufhinwirkt, dass seine Berater sich ebenfalls der Verschwiegenheitspflicht unterwerfen und nicht etwa als Zeugen vom Hörensagen zur Verfügung stehen.

Eigenverantwortlichkeit

Die Mediation ist ein eigenverantwortliches Verfahren. der Mythos dass der Mediator für das Verfahren und die Partei für das Ergebnis verantwortlich sei ist zu ungenau um als eine Regel in der Mediation zu gelten. Selbstverständlich trägt der Mediand auch Verantwortung für seine Handlungen und Entscheidungen im Verfahren. Er muss sich also so benehmen, dass der Verhandlungspartner (die Gegenpartei) keinen Anlass hat die Mediation wegen seines Verhaltens abzubrechen. Ob und inwieweit der Mediator diese Pflicht in der Mediation Durchführungsvereinbarung ausdrücklich festlegt, ist wieder eine Frage des Einzelfalls. Hoch eskalierten Konflikten kann dies sinnvoll sein. im Gegenzug bedeutet die Eigenverantwortlichkeit der Partei, dass der Mediator das Verfahren hinreichend transparent gestaltet, dass die Partei auch die passenden Entscheidungen treffen kann. Grundsätzlich gilt in der Mediation:

 Merke:

Alle Entscheidungen - auch das Verfahren betreffend - werden im Konsens getroffen. Dieser Grundsatz lässt sich schon aus der Freiwilligkeit ableiten. Psychologisch ergibt er sich aus dem Verfahrensritual 4

Freiwilligkeit

Oft werden die Medianden gefragt: "Sind sie freiwillig hier?". Eine solche Frage würde auf das Motiv abstellen und gehört - wenn überhaupt - in die Phase drei bzw. die Phase eins, wenn es um die Vereinbarung des Verfahrenszweckes geht.

 Merke:

Die Freiwilligkeit ist ein unabdingbares Recht und ein wesentlicher Grundsatz, wenn nicht eine Eigenschaft der Mediation1

Die Freiwiligkeit ist keine Frage. Es ist eine Ansage. Der Mediator kann sich allenfalls vergewissern, ob die Partei in der Lage ist die Freiwilligkeit auszuüben. Sie muss sich bewusst sein, dass die Mediation solange unverbindlich ist, bis es zur Abschlussvereinbarung kommt. Die Freiwilligkeit ist - rechtlich formuliert - das nicht zu begründende, jederzeitige, fristlose Kündigungsrecht der Parteien. Es ist ein Privileg der Partei, das ihr die Möglichkeit gibt, das Verfahren zu kontrollieren, in dem sie sich dem Verfahren jederzeit entziehen kann.

Mediationsfähigkeit

Natürlich muss der Mediand in der Lage sein, der Mediation zu folgen. Wenn die Mediation ein Kognitionsprozess ist, muss er in der Lage sein, sich auf die zur Lösung führenden Gedanken und Sichtveränderungen einzulassen. Natürlich lässt sich die gedankliche Tiefe mit der Absprache der Bearbeitungstiefe festlegen. Trotzdem gibt es Mindestanforderungen. Sie werden mit der Mediationsfähgigkeit formuliert.

Mediationsfähigkeit 

Herausforderungen

Die Mediationsfähigkeit des Medianden steht der Mediatorenfähigkeit gegenüber. Die Unterschiede werden im Beitrag Geeignetheit beschrieben. Die Ausbildungsverordnung erwähnt darüber hinaus schwierige Situationen und benennt als Besipiele Blockaden, Machtgefälle und Eskalationen. Es wird deutlich, dass die so genannten schwierigen Situationen irgend etwas mit dem Verhalten der Medianden zu tun haben. Es fällt ihnen schwer, sich auf die Mediation einzulassen. Der Mediator muss intervenieren. Welche Situationen herausfordern und wie sie zu bewältigen sind, beantwortet der Ratgeber. Mit der Frage, wie mit den Herausforderungen umzugehen ist, wird im Beitrag Umgang mit schwierigen Situationen thematisiert.

Umgang mit schwierigen Situationen 

Anleitung

Oft genügt der Bezug auf eine Mediationsordnung oder auf die MDV nicht, die Parteien in das Spiel zu holen. Sie stimmen zwar der Vereinbarung zu, fallen aber gerne in alte streitige Muster zurück, die nicht wirklich zur Mediation passen. Auch kommen sie mit ganz falschen Vorstellungen in die Mediation. Korrekte Informationen helfen, das Problem zu lösen. Wiki to Yes kann als neutrale Plattform dabei helfen, indem Sie den Medianden folgende erklärenden Links zukommen lassen:

  1. Start-Mediand
  2. Tip-Medianden

Was tun wenn...

Ein Verzeichnis weiterer schwieriger Situationen und Vorschläge, wie damit umzugehen ist, finden Sie im Ratgeber.

Ratgeber für Interventionen bei schwierigen Situationen 

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2018-10-06 20:50 / Version 7
Alias: Verhandlungspartei, Medianden
Prüfvermerk: Arthur Trossen

© Wiki to Yes: Trossen, Arthur "Medianden" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Mediand