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Kreatives Denken

Wenn die Lösung ein Teil des Problems oder gar das Problem ist


Mediation ist Verhandlung. Da geht es um Fakten.
Wo ist da noch Raum für Kreativität?

Es geht um die Suche nach einer Lösung  


Würden Sie die Suche nach einer Lösung auf den Widerspruch (Position und Gegenposition) beschränken, geraten sie unweigerlich in eine gedankliche Schleife, die in einer Entweder-oder-Logik gefangen wird. Bestenfalls kommt ein Kompromiss zustande, der irgendwo zwischen dem Entweder oder dem Oder festgeschrieben wird. Um den auf der Lösungsebene anzutreffenden Widerspruch zu vermeiden, führt die Mediation in andere Gedankenwelt. Der Mediator löst sich aus dem Entweder-oder-Gefängnis, indem er wie ein Taucher nach einer gedanklichen Ebene sucht, auf der sich ausreichend Gemeinsamkeiten finden lassen. Die Suche aus der Gemeinsamkeit heraus führt in ein paralleles Denken.

Einfluss des Denkens

Um die geniale Lösung für ein scheinbar unlösbares Problem zu finden, braucht es noch mehr als nur einen gemeinsamen gedanklichen Ausgangspunkt. Auch das Denken muss aus Grenzen befreit werden. Wie und warum lässt sich mit dem nachfolgenden Rätsel gut belegen: Verbinden Sie bitte die neuen Kreise im nachfolgenden Bild mit vier Linien, ohne den Stift abzusetzen. Die Linien müssen zusammenhängen:

Aufgabe:

Kreise

Beispiel (falsche Lösung):

Kreise


Hier finden Sie die Lösung der Aufgabe. Bitte schauen Sie sich die Lösung aber erst an, nachdem Sie versucht haben, die Aufgabe selbst zu lösen.

Lösung der Aufgabe

Kreise
Die Lösung findet sich, wenn man out of the Box denkt und einen Punkt hinzufügt.

Wo das Denken Lösungen verhindert

Paul Watzlawick beschreibt in dem nebenstehenden, auf Video aufgezeichneten Interview eindrücklich und mit vielen Beispielen, warum es so schwer ist, eine kreative Lösung zu finden, die nicht in das Problem hinein, sondern aus dem Problem hinausführt.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Auch Einstein hatte diese Erkenntnis, indem er sagte:

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Anders Denken

Wenn ein anderes Denken erforderlich ist, um konstruktive Lösungen zu finden, lautet die Frage, wie dieses andere Denken ermöglicht werden kann. Eine Aufforderung: "Du musst anders denken!" genügt dafür sicher nicht. Das Denken ist ein komplexer Vorgang in unserem Gehirn, der vielen Einflüssen unterliegt. Die Aufforderung beispielsweise: "Denk nicht an einen roten Elefanten", würde genau dazu führen, dass eine auf die Tätigkeit, die Farbe oder das Tier bezogene Assoziation aufkommt, und schon denkt man daran woran man nicht denken will.

Die Mediation bildet die Komplexität des Denkens ab, indem sie einen anderen Zugang zur Problemlösung anbietet. Dabei berücksichtigt sie sowohl kognitionspsychologische wie strategische Aspekte. Sie beginnen mit der schon von anderen Verfahren zu unterscheidenden Zielvereinbarung. Insgesamt versucht die Mediation die Parteien in mehreren Schritten in eine problembefreite Lösung zu führen. Den Schwerpunkt bildet die 3.Phase, wo Bedeutungen erhellt und problembefreite Gedankenebenen eröffnet werden. Sie lenken in einen anderen Gedankenraum und setzen neue Rahmenbedingungen für das nun beginnende Denken an die Lösung.

In der Kreativphase, also in der 4.Phase, versucht die Mediation das Denken (zumindest das problemorientierte) abzuschalten. Das Denken soll der kreativen Fantasie nicht im Wege stehen. Deshalb wird der Prozess jetzt so stark beschleunigt, dass kaum Zeit zum Nachdenken besteht - zumindest nicht zum problemorientierten Nachdenken. Sobald die Parteien damit beginnen, einen Vorschlag zu diskutieren oder zu kritisieren, wird der Mediator sofort einschreiten: "Bitte machen Sie einen andern Vorschlag. In einem nächsten Schritt haben Sie Gelegenheit, über alle Vorschläge zu diskutieren!". Es kommt darauf an, Lösungsoptionen zu sammeln. Eine Auswahl und Bewertung der Sammlung geschieht in einem von der Sammlung abgegrenzten, weiteren Schritt, ganz nach dem Motto: "Zuerst sind wir kreativ, danach sind wir wieder kritisch".

Bedeutung für die Mediation

Dass die Mediation anders ist und vor allem ein anders Denken hervorruft und einfordert, scheint viel zu wenig bewusst zu sein. Die Mediation kommt ohne Argumentieren aus. Ihr genügt ein Erklären. Dann blickt sie nicht in die problematische, kaputte Welt, sondern lenkt den Fokus auf den Nutzen und die Frage, wie eine heile Welt aussieht. Aus diesem gedanklichen Setting, das hinter dem Problem (nicht im Problem) liegt, entwickelt sie die Lösung1 .

Kreativtechniken unterstützen den Prozess, die Gedanken aus dem Problem herauszuführen und einmal fliegen zu lassen, damit sich der Horizont erweitert.

Kreativtechniken

Die Mediation stellt eine Reihe von Techniken zur Verfügung, die zur Kreativität beitragen sollen. Hier eine Übersicht:

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Bearbeitungsstand: 2019-07-24 16:12 / Version 31.
Alias: Fantasie
Siehe auch: Denken, Kreativität, Ratgeber für Interventionen
Prüfvermerk: Arthur Trossen

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1 Siehe auch Entscheidungsprozess
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Kreativität und Denken" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Kreativität
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Mittwoch Juli 24, 2019 16:12:24 CEST von Arthur Trossen.