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Seiten-ID: 1456 Radikaler Konstruktivismus und seine Bedeutung für die Mediation 4-Inhalt »  (05) Methodik »  Denken 3-Abteilung »  Archiv

Konstruktivismus radikal und relational

Der Begriff Konstruktivismus wird aus dem Lateinischen con, was so viel heißt wie zusammen und struere zusammengesetzt (konstruiert), das so viel bedeutet wie bauen. Beim Wort genommen bedeutet Konstruktivismus also zusammenbauen. Auf einem Portal, das sich mit der Mediation befasst, taucht natürlich die Frage auf: "Was hat das mit der Mediation zu tun?" und "Warum ist es für den Mediator wichtig, sich mit dieser Lehre auseinanderzusetzen?". Hier finden Sie die Antworten.




Wer baut hier was
warum und wie zusammen?

Einführung

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass der Begriff als ein Sammelbegriff zu verstehen ist, unter dem sich verschiedene Ausprägungen und Richtungen des Konstruktivismus zusammenfassen lassen. Der Urspung findet sich wohl in der Philosophie, wo die Idee schon bei den Skeptikern im vorchristlichen Jahrhundert aufgekommen war. Sie vertraten die Auffassung, dass die Grenze zwischen Erkennen und Verkennen der Realität fließend sei. Kant hat den Gedanken mit der These aufgeriffen, dass sich unsere Erkenntnisse nicht nach den Gegenständen ausrichten, sondern umgekehrt die Gegenstände nach unserer Erkenntnis. Wenn auch konstruktovistiosche Gedankenansätze bis in die Antike zurückzuverfolgen sind, war es wohl Giambattista Vico, der den Begriff Konstruktivismus ewrstm,als erwähnte, indem er 1712 den Unterschied zwischen rationalem Wissen und mystischer Eingebung erläuterte1

Die Gedanken über die Erkenntnis wurden durch Darwins Idee der Anpassung beflügelt und von Kybernetikern zu einem Eckpfeiler des Konstruktivismus ausgebaut. Ernst von Glasersfeld fasst in seiner Kleinen Geschichte des Konstruktivismus, die noch weitere Einflüsse für das Entstehen der konstruktivistischen Bewegung nachweist, den Grundgedanken des Konstruktivismus wie folgt zusammen2

Aus kybernetischer ebenso wie aus konstruktivistischer Sicht ist Wissen also das Repertoire der Begriffe und Begriffsstrukturen, mit denen der aktiv Erlebende angesichts einer unaufhörlichen Folge von Perturbationen vorübergehendes Gleichgewicht schafft und zu erhalten versucht. Niemals kann es eine Erkenntnis jener unabhängigen Außenwelt sein, die wir aus alter Gewohnheit für die erlebten Perturbationen verantwortlich machen möchten.

Ausprägungen

Die Idee des Konstruktivismus als Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Erkenntnis und Realität, beflügelte nicht nur die Philosophie. Sie verbreitete sich schnell in alle Disziplinen hinein. Außer der Philosophie findet sich der Begriff auch in der Psychologie, in der Soziologie usw. die insgesamt von einer aktiv-konstruktiven Natur des menschlichen Wissens ausgeht. Daneben gibt es gleichförmige aber anders konnotierte Begriffskonstrukte in der Kunst und in der Architektur.

Der Konstruktivismus versteht sich als ein Sammelbegriff, der z.B. die Teilgebiete und Varianten radikaler Konstruktivismus, relationaler Konstruktivismus, sozialer Konstruktivismus und soziokultureller Konstruktivismus erfasst.

Radikaler Konstruktivismus

Die philosophische Schule des radikalen Konstruktivismus wurde von Ernst von Glasersfeld und von Heinz von Förster begründet. Die Idee des radikalen Konstruktivismus geht davon aus, dass die persönliche Wahrnehmung nicht das Abbild einer Realität produzieren kann, welche unabhängig vom Individuum besteht, sondern dass Realität für jedes Individuum immer nur eine Konstruktion seiner eigenen Sinnesreize und seiner Gedächtnisleistung bedeutet. Er stellt den Begriff der Realität der Viabilität gegenüber, den er mit der Gangbarkeit gleichsetzt. Anders als die Realität, die von den Konstruktivisten übrigens nicht geleugnet wird, erlaubt die Viabilität verschiedenen Möglichkeiten zur Interpretation der Wirklichkeit. In dem folgenden Video kommt Ernst von Glaserfeld selbst zu Wort:

Relationaler Konstruktivismus

Der relationale Konstruktivismus mag als eine Weiterentwicklung des radikalen Konstruktivismus verstanden werden. Zwar geht auch er davon aus, dass die menschlichen Realitätskonstrukte auf einen subjektiven Kern zurückzuführen sind. Der Begründer, Björn Kraus, geht allerdings davon aus, dass die Realitätskonstrukte des Menschen nicht beliebig sein können, sondern auf einer Doppelbindung beruhen, die von der sozialen und materiellen Realität geprägt werden3 .

Bedeutung für die Mediation

Der Mediator muss sich nicht dafür interessieren, was genau die Realität ist und was nicht. Er sollte allerdings wissen, dass die Bedeutungszuschreibungen (also die aus der Wahrnehmung resultierenden Bewertungen) der Parteien nicht zwingend die Wirklichkeit darstellen. Die Vorstellungen von Wirklichkeit der Parteien können voneinander abweichen, ohne dass es auf die Frage ankommt, wer Recht hat oder nicht.

Der Konstruktivismus ist ein Freibrief, Fakten zu verdrehen. Er bezieht sich auf Erkenntnisse und gesteht dem Menschen zu, dass sie von der Realität abweichen können. Mit dieser Sichtweise relativieren sich die Meinungen und Werte, nicht jedoch die Fakten.

Der Umgang mit Fakten Meinungen und Emotionen

Das Wissen über den Konstruktivismus kommt der Mediator zugute, wenn es darauf ankommt, die jeweiligen Sichten der Parteien nachzuvollziehen. In dem Fall hilft es, wenn er die Erklärungsansätze für die Unterschiedlichkeit der Sichten kennt und weiß, wo die Ansatzpunkte für diese Unterschiedlichkeit zu finden sind. Mit diesem Wissen werden die jeweiligen Konstrukte der Parteien nicht nur besser nachvollziehbar. Sie lassen sich gegebenenfalls auch auf Einflüsse zurückführen, wo Gemeinsamkeiten zu finden sind.

Den Mediator kennt unter anderem den Einfluss von Wahrnehmungs- und Denkfehlern, sodass es mit seiner Hilfe möglich sein sollte, ein übereinstimmendes Bild von Realität zu etablieren. Unter Umständen genügt es schon, wenn die Parteien die Unterschiedlichkeit akzeptieren können. Hilfreich sind die Bilder und Überlegungen von Watzlawick, die einen anschaulichen Eindruck von der Konstruktionsfähigkeit des Menschen hinterlassen.

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-01-13 16:28 / Version 8.
Aliase: xxx
Siehe auch: Lexikon, Verzeichnis-Werkzeuge, Verzeichnis-Mediation, Verzeichnis-Konflikt, Verzeichnis-Verfahren, Herausforderung
Literaturhinweise: https://user.phil-fak.uni-duesseldorf.de/~petersen/WiSe1516_InfowiColl/Diskurs_Konstruktivismus.pdf
Bearbeitungshinweis: Textvollendung und Programmvollendung erforderlich.
Prüfvermerk: -

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