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Seiten-ID: 763 Das Lösungsentagramm ergibt die Konfliktmotivation 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (06) Konflikt »  Konfliktarbeit

Konfliktmotivation Der Konflikt als Motivator

Der Mensch macht nichts ohne ein Motiv. Das Motiv ist sein Antrieb1 .
Im Konflikt treffen verschiedene Reize aufeinander, die unterschiedliche Motive bedingen. Der Verstand will eine vernünftige Lösung. Er weiß, dass es im Krieg nur Verlierer gibt und dass man die Energien, die der Streit verzehrt, anders besser verwerten könnte. Die Emotionen sagen etwas anderes. Sie wollen Genugtuung, ein Gefühl von Macht unter Umständen sogar Rache. Sicher spielt die Umwelt auch noch eine Rolle, die zu dem ein oder anderen Verhalten animiert.

Das Konfliktmotiv

Die Lage der Partei wird deutlicher, wenn zwischen den unterschiedlichen Motiven differenziert wird, die in der Mediation aufeinanderprallen. Zu unterscheiden sind das Verfahrensmotiv, das Lösungsmotiv, das Streitmotiv und das Konfliktmotiv. Die Auseinandersetzung mit den Motiven und ihrer Bedeutung in der Mediation wird in dem Kapitel Motive näher beschrieben.

Die Bedeutung und die Rolle der Motive in der Mediation

Das Konfliktmotiv konzentriert sich auf die Handlungsanreize, die sich im Konfliktverhalten wiederfinden und die der Konflikt vorgibt. Dabei darf nicht außer acht bleiben, welche Rolle die Emotionen bei der Generierung von Motiven spielen. Weil auch sie nach einer Befriedigung rufen, ergeben sie ein eigenes Handlungsmotiv. Sie sind meist stärker als der Verstand. Je höher der Konflikt eskaliert ist, desto mehr treten sie in den Vordergrund. Der Konflikt entwickelt eine eigene Dynamik. Mit der steigenden Eskalation kann sie so dominant werden, dass sie den Menschen in Besitz nimmt. Dann macht es wenig Sinn, sich gegen die Dynamik der Inbesitznahme zu stellen. Wirkungsvoller ist es, die Konfliktdynamik zu erkennen und für sich arbeiten zu lassen. Der Grundsatz der Mediation lautet deshalb:

 Merke:

3308 - Die Mediation arbeitet MIT nicht gegen die Dynamik des Konfliktes!

Wenn die eingangs aufgestellte These, dass der Mensch nichts ohne ein Motiv unternimmt, zutrifft, würde die Frage nach dem Konfliktmotiv Aufschluss darüber geben, wie der konfliktbedingte Handlungsantrieb befriedigt, kompensiert oder abgestellt werden kann.

Das Lösungspentagramm

Psychologen unterscheiden zwei Grundformen von Motiven: Wachstum und Mangelbeseitigung2 . Sicher kommen im Konflikt beide Motive zur Geltung. Es kann jedoch unterstellt werden, dass das Handeln im Konflikt auf ein Mangelerleben zurückzuführen ist. Das Motiv der Mangelbeseitigung dürfte bei einem Konflikt also im Vordergrund stehen. Wenn dem so ist würde sich der Handlungsantrieb erledigen, wenn der Mangel beseitigt ist. Die Vielschichtigkeit und Komplexität der im Konflikt auf den Menschen zu treffenden Fragen und Problemstellungen und die Verfahren zu ihrer Erledigung ergeben unterschiedliche Stationen, die sich im Lösungspentagramm ausweisen und aufeinander beziehen lassen.

Lösungspentagramm-1

Forderung

Eine Partei hat ein Problem. Aus dem Problem entsteht der Wunsch, das Problem zu lösen. Nach der Konflikttheorie erwächst dieser Wunsch in ein blaming. Es werden Erwartungen deutlich, die sich an die Gegenseite richten. Das blaming wird zum claiming. Die Partei wendet sich an einen Anwalt, der diese Erwartungen (den auf eine Lösung abzielenden Wunsch) in Forderungen an den Gegner übersetzt.

Lösungspentagramm-2

Nutzen

Eigentlich hat der Anwalt seine Arbeit erledigt, wenn er die Forderung durchgesetzt hat. Ein guter Berater achtet auch darauf, ob und inwieweit das durchsetzen der Forderung der Partei einen Nutzen bringt. Leider ist das für die Mediation typischer nutzenorientierte Denken in der Gesellschaft nicht sehr verbreitet. Es wird durch ein lösungsorientiertes Denken ersetzt, wobei die Lösung als Erfolg definiert wird und der Nutzen aus dem Blickfeld gerät. Die Partei wird irgendwann erfahren, ob ihr Vorgehen nützlich war oder nicht.

Lösungspentagramm-3

Bedürfnis

Woraus entsteht der Wunsch der Partei? Üblicherweise wünschen sich Menschen nur das was sie nicht haben. Sie versuchen ein Bedürfnis zu befriedigen. Es empfiehlt sich also die Prüfung, ob der Wunsch (die vorgestellte Lösung) auf den Bedürfnissen der Partei entspricht. Die Bedürfnisse drücken sich in den Motiven aus. Die Motive beschreiben den erwarteten Nutzen, sodass ich eine Verbindung zwischen allen Elementen herstellt.

Lösungspentagramm-4

Mangel

Woher kommt das Bedürfnis? Wenn sich das Bedürfnis in der Motivation ausdrückt, finden wir die Antriebsfeder entweder in der Motivation zum Wachstum oder zur Mangelbeseitigung. Unterstellen wir im Konflikt, dass es um eine Mangelbeseitigung geht. Jetzt hat der Mediator ein eindeutiges Kriterium dafür, wann der Konflikt oder die Konfliktmotivation sich erübrigt. Dann nämlich, wenn der gefühlte Mangel beseitigt ist.


Das Lösungspentragramm lässt sich mit dem homöostatisches Motivationsmodell vergleichen, wo der Mangelzustand zu einem Bedürfnis führt, aus dem sich der Trieb (Motiv) für ein zielgerichtetes Verhalten ableiten lä#sst, die wiederum zu einer Zielhandlung führt, deren Zweck die Befriedigung des ursprünglichen Mangelzustandes ist3 . Trossen hat sich für die geometrische Figur eines Pentagramm entschieden, weil alle vorgestellten Elemente miteinander im Zusammenhang stehen und unterschiedliche Einstiegsszenarien anbieten. Das Besondere an einem Pentagramm ist, dass alle Endpunkte der geometrischen Figur mit Linien verbunden sind, ohne dass es einen Anfang und am Ende gibt. Die Eckpunkte haben also keine Hierarchie. für den Mediator bedeutet das, dass er alle Eckpunkte im Blick haben sollte ohne dass er dabei eine Reihenfolge im Blick haben muss. Sein Ziel ist es, den Mangel zu identifizieren weil nur dessen Beseitigung eine vollständige Konfliktlösung darstellen kann.

Die Spannungsfelder

Nach der Triebreduktionstheorie kommt es darauf an, den aus den inneren Spannungsfeldern entstandenen Handlungsdruck zu reduzieren. Welche Spannungsfelder im Konflikt auf den Menschen eintreffen, wird im Zusammenhang mit der Konfliktdynamik beschrieben. Ähnlich wie bei den Lebenskrisen könnte die Strartegie zur Auflösung der Spannungsfelder darin bestehen, die Balance zwischen den sich daraus ergebenden Widersprüchen zu finden. Voraussetzung dazu ist es, die Spannung (also den inneren Widerspruch) zu erkennen und zu akzeptieren.

Die sich aus der Konfliktdynamik ergebenden Spannungsfelder

Bedeutung für die Mediation

Die Idee, auf die Motivation abzustellen, kommt der Mediation sehr entgegen. Denn sie benutzt die Motivationsenergie der Phase drei, um die Konfliktenergie umzuwandeln. Die Motive des Streitens werden durch die Aussicht auf eine „heile Welt" kompensiert. Achtet der Mediator jetzt darauf, dass die Mangelbeseitigung in die Kriterien für die Konfliktlösung mit aufgenommen werden, verliert der Konflikt seine Antriebskraft. Die Eckpunkte des Lösungspentagramms finden sich in den Phasen der Mediation wieder. Die Erhellung der Bedürfnisse des Mangels und des sich daraus erwachsenden Nutzens ergeben die Kriterien, die in der Phase drei ermittelt werden. Wunsch und Forderung können in der Phase vier darauf bezogen werden und fließen in die Lösung ein, auf die beide Parteien sich verständigen können.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-05-28 15:44 / Version 25.
Alias: Lösungspentagramm, Konfliktmotiv
Literaturhinweise: Trossen (Toolbox)
Siehe auch: Bedürfnis, Motive
Prüfvermerk: Administrator

1 Näheres zur Abgrenzung Motiv, Bedürfnis siehe unter Bedürfnis
2 Siehe Trossen (Toolbox) Seite 911
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Über die Konfliktmotivation in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Konfliktmotivation
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen und Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Dienstag Mai 28, 2019 15:44:07 CEST von Arthur Trossen.