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Seiten-ID: 486 Eine Systematik für den Umgang mit Konfliktarten 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (06) Konflikt »  Dimensionen

Konfliktdimensionen

Für die Mediation kommt es darauf an, eine Typologisierung zu finden, die sich auf den meditativen Prozess einlassen kann.

Versuch einer Typologisierung

Konfliktarten ergeben einen naheliegenden Zugang. Sie werden herausgebildet, um Konflikte besser zu verstehen und um konstante Zugänge für eine Konfliktlösung zu finden. Man versucht, Gemeinsamkeiten zu finden, um eine möglichst genaue Beschreibung abliefern zu können, wie mit welchem Konflikt umzugehen ist. Folgende Konfliktarten lasen sich unterscheiden:

Konfliktarten

Zu unterscheiden sind:

  • Sozialer Konflikt (Konflikt zwischen Personen nur darauf bezieht sich das Mediationsgesetz)
  • Innerer (psychischer) Konflikt
  • Verteilungskonflikt (empfundene Gegensätze in Bezug auf die Nutzung/Realisierung von Ressourcen)
  • Zielkonflikt (empfundene Gegensätze in Bezug auf Absichten bzw. Interessen)
  • Beziehungskonflikt (empfundene Gegensätze in Bezug auf Verhaltensdispositionen)
  • Rollenkonflikt (widersprüchlich empfundene Rollen, z. B. Gewerkschaft und Arbeitgeberverband)
  • Machtkonflikt (ungleich empfundene Machtverteilung, z. B. Bürger und Behörde)
  • Informationskonflikt (unterschiedliche Information, z. B. falsch, ungenügend, falsch verstanden)
  • Wertekonflikt (unterschiedliche Anschauungen zu moralischen, religiösen, kulturellen oder ideologischen Überzeugungen bzw. Grundsätzen, z.B. fairer Handel)
  • Strategiekonflikt (unterschiedliche Auffassung zur Erreichung eines Ziels)
  • Identitätskonflikt (empfundene Bedrohungen des eigenen Selbstbildes oder dessen, was jemanden als Person ausmacht)

Die Einteilung in Konfliktarten mag zwar zu differenzierende Herangehensweisen beschreiben können. Sie genügt aber nicht für eine über die Konfliktart hinausgehende Systematisierung. Es gibt Überschneidungen. Auch wird nicht der Einfluss berücksichtigt, den die Mediation auf den Prozess der Konfliktlösung nimmt. Weiter kommt ein Mediator, wenn sich statt auf Konfliktarten auf Konfliktdimensionen einlässt. Die Unterscheidung ist grober aber für die Mediation durchaus ausreichend und nicht nur das. sie fügt sich in die Systematik des Verfahrens ein und hilft dem Mediator ebenso wie den Parteien besser, sich auf den Konflikt einzulassen.

Konfliktdimensionen

Zu unterscheiden sind fünf verschiedene Konfliktdimensionen.

  • Die sachlich-intellektuelle Dimension
  • Die sozio-emotionale Dimension
  • Die wertmäßig-kulturelle Dimension

Weiterhin können unterschieden werden:

  • die strukturelle Dimension
  • die systemische Dimension

dimensionen
Auffällig sind die Entsprechungen mit den Intelligenzzentren des Menschen:

  • Kopf (Verstand) = sachlich-intellektuelle Dimension
  • Herz (Gefühl) = sozio-emotionale Dimension
  • Bauch (Instinkt/Intuition) = wertmäßig-kulturelle Dimension

sowie mit den Rahmenbedingungen:

  • Handlungsrahmen = strukturelle Dimension
  • Zielausrichtung = systemische Dimension

Die Konfliktzuordnung

Entsprechend der Dimensionierung unterscheiden wir zwischen Sachkonflikten, Beziehungskonflikten, Wertekonflikten, Strukturkonflikten und Systemkonflikten. Die Unterscheidung hilft nicht nur für eine systematische Einteilung der Konflikte, sondern auch für die Dimensionierung der Komplexität.

Sachkonflikt

Der Sachkonflikt konzentriert sich auf die zu regelnden Sachfragen.

Beziehungskonflikt

Der Beziehungskonflikt konzentriert sich auf die Regelung oder Restaurierung des Umgangs miteinander.

Wertekonflikt

Der Wertekonflikt konzentriert sich auf die Fragen der Identität und Prägung.

Strukturkonflikt

Der Strukturkonflikt konzentriert sich auf die Umweltbedingungen, aus denen sich Rollen und Funktionen ableiten lassen.

Systemkonflikt

Der Systemkonflikt konzentriert sich auf die Umweltbedingungen, die Einfluss auf die Identität und die Prägung der Individuen einer Gruppe haben.

Bedeutung für die Mediation

Die Zuordnung zu den Intelligenzzentren des Menschen ergibt einen validen Bearbeitungshinweis. Der rationale Verstand funktioniert anders als die emotionale Intelligenz, der Kopf hat andere Ideen als das Herz und das wiederum tickt anders als die Prägung. Auf der emotionalen Ebene liegt die Beziehung. Auf der Prägung die Werte. Es ist kein Zufall, dass sich die Konflikte diesen Ebenen zuordnen lassen. Selbst bei Glasl's 9 Eskalationsstufen findet sich die Dreiteilung wieder. Auch dort findet sich die rationale, die emotionale und die Werteebene wieder. Dementsprechend unterschiedlich ist die Behandlungsweise. Mit dem Kopf kommuniziert man anders als mit dem Herzen. Es ist also Konsequentwenn die Konflikte auf der einen oder anderen Ebene behandelt werden. Die Mediation gibt mit ihren Mediationsmodellen und der Themensammlung eine Handhabe:

  • Rationale Konflikte (laut Glasl mit Moderation zu bearbeiten) erlauben eine facilitative Mediation
  • Emotionale Konflikte (Beziehungskonflikte) erfordern eine transformative Mediation
  • Hoch eskalierte Wertekonflikte, die nach Glasl nur mit autoritären Elementen zu bearbeiten sind lassen sich verkürzt meit einer evaluativen Mediation beilegen, die allerdings nur das problem, nicht den Konflikt zu lösen vermag1 .

Es macht Sinn, wenn sich die nach Konfliktdimensionen unterschiedenen Konflikte auch in der Themensammlung wiederfinden. Wenn jeder Konflikt und jede Konfliktebene durch ein Thema repräsentiert wird, fällt es den Parteien leichter den oder die Konflikte als Motoren des Streites zu erkennen und gegeneinander abzugrenzen.

konfliktorientierte Themenbildung 

Was tun wenn...

Hinweise und Fußnoten

Alias: Konfliktarten, Konfliktdimension, Konfliktdimensionen
Siehe auch: Sachkonflikt, Beziehungskonflikt, Wertekonflikt, Strukturkonflikt, Systemkonflikt
Emotionen, Konfliktarbeit, Konfliktlandkarte, Konfliktanalyse
Prüfvermerk: Administrator

1 Alternativ bietet die integrierte Mediation die Chance, solche Konflikte zu lösen, weil sie einen anpassungsfähigen Mix an Methoden zulässt
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Mittwoch Oktober 11, 2017 16:46:57 CEST von Arthur Trossen.