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Konfliktarbeit

Bei der Mediation wird durchgehend am Konflikt gearbeitet. Die eigentliche Konfliktarbeit erfolgt jedoch in Phase 3. Manche benennen die Phase drei deshalb Konfliktarbeit. Woanders heißt sie Interessenerhellung. Tatsächlich gibt es einen graduellen Unterschied.




Alles im Griff
Arbeiten Sie mit, nicht gegen den Konflikt

Die unterschiedlichen Begriffe deuten auf den Bearbeitungsgrad hin. Nicht jeder will sich dem Konflikt in all seiner Tiefe nähern. Will man den Konflikt jedoch lösen, bleibt kein anderer Weg als der über die Schlangengrube. Die Schlangengrube ist eine Metapher für die Bereitschaft, sich dem Konflikt zu stellen, um sich mit ihm auseinandersetzen zu können. Die Mediation wurde in der Tour als die ...

Reise zum Epizentrum des Konfliktes  


... bezeichnet. Das Epizentrum (von griechisch ἐπί epí „auf, über“ und κέντρον kentron „Mittelpunkt“) ist der senkrecht vom Erdbebenherd, dem Hypozentrum, auf die Erdoberfläche projizierte Startpunkt eines Erdbebens. Es beschreibt die geografische Lage des Erdbebenherds1 . Das Epizentrum definiert den Herd, ist aber nicht der Herd. Das meinen wir, wenn gesagt wird, dass der Mediator über die Schlangengrube hinweggeht statt in sie hineinzutreten. Darin unterscheidet sich die Mediation von der Therapie und doch sind sich beide sehr ähnlich, weil es zur Berührung mit dem Konflikt kommt.

Konfliktanalyse

Die Konfliktanalyse ist von der Konfliktdiagnose zu unterscheiden. Während die Therapie mit einer Diagnose beginnt, mag die Mediation mit einer Diagnose enden. Sie darf allerdings nicht ohne eine Analyse beginnen. Die Konfliktanalyse soll helfen, die Eckdaten des Konfliktes zu erkennen und den Parteien die Möglichkeit zu geben, den Konflikt als solchen wahrzunehmen, zu akzeptieren und ihn zu benennen2 , damit sie die Verantwortung für den Konflikt übernehmen können. Die Konfliktanalyse trägt dazu bei, das Konfliktsystem zu identifizieren, den Konfliktmotor herauszufinden, die Symptome von den Ursachen zu unterscheiden und die unter Umständen überlagernd auftretenden Konflikte gegeneinander abzugrenzen.

 Merke:

4436 - Bei der Konfliktanalyse geht es um die Frage, wer mit wem über welchen Konflikt zu reden hat. Die Faustregel lautet: so wenig Mensch und so wenig Konflikt wie möglich

Konfliktmotor

Konflikte neigen dazu, Verwirrung zu stiften. Meist lösen sie noch andere Konflkte aus, sodass der eigentliche Konflikt verdeckt wird. Die Unterscheidung nach Konfliktdimensionen hilft dabei, die sich auf das Problem auswirkenden Konfliktursachen herauszuarbeiten. Bei mehreren aufeinandertreffenden Konflikten trägt die Konfliktanalyse dazu bei, den treibenden Konflikt zu identifizieren. Der treibende Konflikt ist der Konfliktmotor. Er kann mit der Frage ausfindig gemacht werden, was von der Konfliktlandschaft übrig bleibt, wenn der ein oder andere Konflikt gelöst ist. Die nachfolgende Konfliktlandkarte weist den Beziehungskonflikt zwischen M und Frau aus. Er ist mit der dicken roten Linie als der Konfliktmotor ausgewiesen. Die Arbeitshypothese lautet: Wenn dieser Konflikt gelöst ist, fallen die anderen Konflikte in sich zusammen.

 Merke:

4434 - Wer den Konflikt nicht kennt kann ihn nicht bearbeiten, geschweige denn beilegen.

Konfliktlandkarte

Die Konfliktlandkarte ist wesentliches Instrument der Konfliktanalyse und ein taugliches Mittel zur Identifikation des Konfliktes. Es handelt sich um eine grafische Darstellung aus der sich die Konfliktparteien, die Konfliktbeziehungen, die Konfliktdimensionen und gegebenenfalls die Eskalation herauslesen lässt. Die Grafik ergibt aber auch, wo und wie sich Konflikte überlagern und gegenseitig beeinflussen. Eine Konfliktlandkarte könnte wie folgt gestaltet sein:
Konfliktlandkarte

Konflikteinschätzung

Die Konfliktanalyse führt zur Konflikteinschätzung. Die korrekte Einschätzung des Konfliktes seitens der Parteien ist eine unbedingte Voraussetzung für seine Überwindung. Der Mediator hilft ihnen, den Konflikt zu erkennen. Das ist nicht immer einfach. Den Parteien fällt es oft schwer, den Eigenanteil am Konflikt zu erkennen. Weil die Sinnesorgane des Menschen ausschließlich auf Außenwahrnehmung gerichtet sind, wird die Suche nach Schuld und Verantwortung beim Gegner unterstützt. Die Konflikteinschätzung der Parteien ist deshalb nicht immer zwingend richtig und trotzdem ist sie ausschlaggebend für den Weg der Konfliktbeilegung.

Beispiel Konflikteinschätzung: Macht die Partei den Gegner für den Konflikt verantwortlich, wird sie versuchen, auf ihn einzuwirken und landet schließlich beim Rechtsanwalt. Macht die Partei sich selbst verantwortlich, versucht sie auf sich selbst einzuwirken und landet schließlich beim Therapeuten oder beim Coach.


Die Faustregel lautet:

 Merke:

4437 - Die korrekte Konflikteinschätzung spielt eine entscheidende Rolle für die Frage der Konfliktbeilegung.

Eine korrekte Konflikteinschätzung erfordert die Auseinandersetzung mit folgenden Fragen3 :

Wurde eine Konfliktanalyse durchgeführt?


Bei der Konfliktanalyse geht es um die Identifikation der Konflikte, um mehrere Konflikte gegebenenfalls voneinander zu unterscheiden und gegeneinander abzugrenzen. Die Konfliktanalyse beantwortet folgende Fragen:

  1. Konfliktaufkommen
    Erstellen einer Übersicht zur Erfassung aller betroffenen Konflikte. Es geht um die Frage: Wer hat mit wem auf welchen Beziehungsebenen welchen Konflikt? Die Konflikte werden übersichtlich dargestellt und am besten mit einer Konfliktlandkarte abgebildet.
  2. Konfliktparteien:
    Wer ist konkret und wie in den Konflikt involviert? Zu unterscheiden sind Vertrags-, Streit- Konflikt- und Verhandlungsparteien.
  3. Konfliktarten:
    Es wird empfohlen, nach Konfliktdimensionen zu unterschieden, um das dazu passende Mediationsmodell herauszuarbeiten.
  4. Konflikteskalation:
    Die Ermittlung des Eskalationsgrades beeinflusst die Frage nach dem Mediationsformat und den Mediationsstil. Ein hoch eskalierter Konflikt braucht andere Interventionen als ein niedrig entwickelter Konflikt.


Wo stehen die Parteien in dem Konflikt?


Die Frage will eine Konfliktbestandsaufnahme erwirken. Mit der Konfliktanalyse wissen wir, wer wie zu involvieren ist. Jetzt stellen sich die folgenden Fragen:

  1. Konfliktbewusstsein:
    Handelt es sich um einen offenen oder verdeckten Konflikt?
  2. Konfliktwahrnehmung:
    Handelt es sich um einen heißen (Parteien befehden sich) oder kalten (Parteien gehen sich aus dem Weg) Konflikt?
  3. Konfliktbeziehung:
    Grad der Abhängigkeit der Parteien voneinander hinsichtlich des Konfliktverhaltens und der Lösung.
  4. Konfliktevolution:
    Auf welcher Strategiestufe stehen die Parteien? Ist ein Konsens möglich? Was muss geschehen, damit er möglich wird?
  5. Konfliktabhängigkeit:
    Es geht um das Konfliktverhalten, den Umgang der Parteien miteinander. Was drücken sie über ihre (Konflikt-)Beziehung aus? Unter welchen Bedingungen sind Gespräche möglich?


Welche Ziele werden verfolgt?


Es geht um die mögliche und die vorgestellte Konfliktlösung und damit zusammenhängend wieder um die zu verfolgende Konfliktstrategie. Hier tun sich folgende Fragen auf:

  1. Haben die Parteien bereits ein Ziel, das sie verfolgen?
  2. Was wäre die nützlichste Lösung in der Situation?
  3. Wie wirkt sie sich auf das Konfliktgeschehen aus? Ist der Konflikt beigelegt, wenn diese Frage geregelt wird?

Konfliktstrategie

Es würde viel Energie erfordern, sich gegen den Konfllikt zu stellen. Die Mediation verfolgt ein ökonomisches Konzept. Sie arbeitet deshalb MIT, NICHT GEGEN den Konflikt. Das ist manchmal herausfordernd, besonders wenn die Parteien eine andere Konfliktstrategie verfolgen. Wo sich die Parteien strategisch befinden, ergibt die Lehre von der Konfliktevolution. Nicht immer sind sie bereit für ein konstruktives Verhandeln. Schon der Blick auf das kontroverse Ergebnis führt in eine Konfrontation.

Der Mediator sollte darauf achten, dass die strategischen Bedingungen für eine Kooperation entweder vorliegen oder zumindest hergestellt werden. Die Mediation beginnt deshalb mit der Festlegung eines gemeinsamen Zieles, nämlich dem Finden einer Lösung die für beide Seiten nützlich ist. diese Zielsetzung legt eine Kooperation nahe. Sie gibt dem Streit keinen Raum. Überhaupt gibt die Mediation – richtig ausgeführt – keinen Anlass zum Streit. Wenn trotzdem in der Mediation gestritten wird und kein Mediationsfehler vorliegt, wird der Streit (die Art und Weise wie gestritten wird) zu einer Ausdrucksform des Konfliktes.

Ein Streit bringt Energie mit. Statt sich dagegen zu wehren, nutzt die Mediation diese Energie und wandelt sie in eine Nutzenorientierung um4 .

 Merke:

4438 - Wer nicht gegen, sondern mit der Dynamik des Konfliktes arbeitet, nutzt dessen Energie, um sie für einen konstruktiven Aufbau zu verwenden.

Konflikteinsicht

Der Mediator benötigt die Konfliktanalyse bzw. die Konfliktlandkarte, um das Verfahren so effizient wie möglich zu gestalten. Damit erschöpft sich aber nicht ihr Zweck. In der Mediation sind letztendlich die Parteien darauf angewiesen den Konflikt zu erkennen. Nur so können Sie in die Lage versetzt werden, ihn zu lösen. Es kommt also darauf an, dass die Parteien den „richtigen Namen des Konfliktes" benennen. Gelingt es dem Mediator die Parteien dazu zu bewegen, kommt es zu dem sogenannten Rumpelstilzcheneffekt.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Alias: Bearbeitungsschwerpunkt, Interessenerhellung, Konfliktanalyse, Konfliktanalysen, Konfliktlandkarte, Konfliktlandkarten, Konflikteinschätzung, Konfliktbestandsaufnahme, Konfliktmotor
Siehe auch: Schlangengrube, Der Rumpelstilzcheneffekt
Prüfvermerk: Administrator

4 Beispiele für die Möglichkeiten der Umwandlung einer Aggressionsenergie finden wir auch im Aikido. Siehe Die mediative Haltung erleben mit Aikido
© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Konfliktarbeit" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Konfliktarbeit
Erstellt von Arthur Trossen. Letzte Änderung: Sonntag April 28, 2019 05:10:05 CEST by Arthur Trossen.