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Seiten-ID: 313 Integrierte Mediation in Familiensachen im Bezirk des OLG Koblenz 4-Inhalt »  Staat »  Justiz

Justizprojekt

Integrierte Mediation in Familiensachen


Der vollständige Name des Projektes lautete: „Integrierte Mediation in Familiensachen im Bezirk des OLG Koblenz“. Er weist auf die Bedeutung hin, die der Mediation in dem Projekt zukommt.

Projektüberlegungen

Mediation ist ein kooperatives Konfliktlösungsverfahren, das aus der Sicht der Justiz schon deshalb förderungswürdig ist, weil sie sich von ihr eine Entlastung verspricht. Die Nachfrage nach Mediation ist noch zu unbedeutend, um eine Entlastung zu erzielen. Unabhängig von ökonomischen Interessen ergibt sich die Notwendigkeit, mediative Kompetenzen in das Gerichtsverfahren einzubeziehen, aber auch aus der Bedeutung und der Besonderheit, welche die Scheidungsverfahren für die Betroffenen und die Allgemeinheit haben. Die Hypothese lautet deshalb:

In Familiensachen ist eine Steigerung der Effizienz durch die Einbeziehung psychologischer, betriebs- bzw. finanzwissenschaftlicher und kommunikativer Kompetenzen möglich, wenn sie sich am Konzept der Mediation orientieren.

Ausgangspunkt

Ausgangspunkt war die durchaus umstrittene Erfahrung, dass ein Mediieren auch unter anderen Bedingungen möglich ist, als innerhalb eines förmlichen Mediationsverfahrens. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie bei hoch eskalierten Konflikten eine Kooperation zwischen den Eltern ermöglicht werden kann. Die Kooperation schien zwingend zu sein, wenn beide Eltern als solche dem Kind zur Verfügung stehen sollen. Die für die psychologische Entwicklung des Kindes wichtige Forderung sollte sich über das Scheidungsverfahren verwirklichen. Das Scheidungsverfahren wurde als eine letzte Chance gesehen, eine kindgerechte Elterschaft zu etablieren.

Im Bezirk des OLG Koblenz gab es zu dem Zeitpunkt zwei Modelle, wie dieses Ziel zu erreichen ist. Das eine wurde unter dem Namen AltenkirchenerModell bekannt, das andere unter dem Namen CochemerPraxis. Die Modelle waren sich mindestens bei dem Anspruch, die Kooperation unter den Eltern herzustellen, identisch. Die Herangehensweisen waren jedoch sehr unterschiedlich. Gemeinsam war die Erkenntnis, dass die Bereitschaft zur Kooperation der Eltern konfliktbedingt nicht gegeben war. Beide Modelle haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie eine Kooperation zu ermöglichen ist. Mit dem Justizprojekt wurde versucht, beide Modelle in einer Koblenzer Praxis zu vereinen.

Initialisiert wurde das Justizprojekt von von Arthur Trossen, Richter am Amtsgericht und Eberhard Kempf, Mediator, Dipl.- Psychologe. Hintergrund war die Idee, die Erfahrungen aus dem AltenkirchenerModell, wo die Kooperation über das Mediieren ermöglicht wurde, mit den Kollegen zu teilen und die Möglichkeiten zur Verbreitung zu erforschen.

Zielsetzung

Die Zielsetzung des Justizprojektes betraf zwei verschiedene Bereiche:

  1. Die Zufriedenheit aller Prozessbeteiligten (also der Parteien, der Parteivertreter, der Richter und der sonstigen Beteiligten) soll erhöht werden.
  2. Die Reduktion des Arbeits- und Kostenaufwandes für alle Prozessbeteiligten (also auch für die Parteien).

Mit dem Justizprojekt Integrierte Mediation sollte der Wert der Wirksamkeit im Verfahren beachteter kooperativer Verhaltensweisen ermittelt und die Effizienz des Mediierens in einem für die Mediation eigentlich nicht vorgesehenen Verfahren nachgewiesen werden.

Umsetzung

Die Projektleitung war am OLG Koblenz angesiedelt und der Leitung von Dr. Bamberger, dem späteren Justizminister in Rheinland-Pfalz unterstellt. 21 Kolleginenn und Kollegen (Familienrichter) aus unterschiedlichen Gerichtsbezirken im Bereich des OLG Koblenz haben sich an dem Projekt beteiligt.
• August 2003: Vorbesprechung
• Dezember 2003: Projektstart
• 2004: Ausbildung durch Präsenzen und Skritmaterial, Supervisionen, Auswertungen in pers. Treffen
• Dezember 2004: Abschluss der Ausbildungsphase.
• Bis Dezember 2006: Evaluationsphase.
• Januar 2007: Präsentation der Ergebnisse.

Ergebnis

Das Ergebnis wurde in der Evaluierung durch Prof. Neuert festgehalten. Das Gutachten belegt eine statistisch messbare Steigerung der Zufriedenheit aller Prozessbeteiligten. In den meisten fällen konnte ein Konsens der Eltern auch bei hocheskalierten Konflikten herbeigeführt werden.

Sozio-okonomische Analyse 

Rückmeldungen von Anwälten, die an Verfahren der in Mediation geschulten Richter teilnehmen, haben noch lange danach das wesentlich verbesserte Verhandlungsklima und bessere Optionen für konstruktive Lösungen hervorgehoben. Trotz des Erfolges wurde das Projekt nicht weiter verfolgt. Die Effekte sind magnels Förderung im Sande verlaufen. Die Idee des verfahrensgelösten Mediierens wurde mit Skepsis betrachtet und als nicht möglich deklariet. Den Initiatoren wurde vorgeworfen, dass diese Herangehensweise keine Mediation sei. Aus der Innensicht war deutlich, dass es nicht genügt mediative Techniken in einem anderen Verfahren anzuwenden. Erst das Zusammenspiel aller Elemente und der systemischen Verwertung aller im Verfahrensumfeld vorkommenden Möglichkeiten, lässt die Wirkungen beschreiben. Bei genauem Hinsehen, kommen alle Elemente vor, die eine Mediation zur Mediation machen1 . Lediglich der vom Verfahren vorgegebenen Rahmen und die damit vorgegebenen Rollen weichen von der Mediation ab. Das Justizprojekt hat hinreichende Erfahrungen belegt, wie mit diesen Abnweichungen umzugehen ist, sodass im Ergebnis auch eine formelle Mediation möglich wird. Die Überlegungen wurden im Konzept der integrierten Mediation aufgegriffen und analysiert.

Integrierte Mediation 

Hinweise und Fußnoten

Aliase: Koblenzer Praxis
Archiv: Fachthemenarchiv,

Erstellt von Administrator. Letzte Änderung: Mittwoch September 27, 2017 09:36:14 CEST by Arthur Trossen.