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Der geschützte Raum

Es ist ein Wesensmerkmal der Mediation das Ergebnis in einem offenen Gespräch zu finden, bei dem alles angesprochen werden kann was die Parteien betrifft und in dem sie ihre Gedanken fliegen lassen können, ohne die Sorge haben zu müssen, dass ihnen daraus ein Strick gedreht wird. Die Metapher eines geschützten Raumes hilft neben den juristischen Absicherungen zur Sicherung der Vertraulichkeit, diese Gesprächsatmosphäre herzustellen.

Zwischen Narren und Rosen

Vertraulichkeit ist eine Bedingung für ein offenes Gespräch. Das offene Gespräch ist ein Wesensmerkmal der Mediation. Die Burg Eltz mag eine Metapher dafür geben, was unter einem geschützten Gesprächsraum zu verstehen ist:


Dieses Video zeigt eine Burgführung. Sie gelangen in einen Rittersaal, der den Rittern als ein geschützter Raum diente. Die Metapher kann auch in der Mediation verwendet werden

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

In einem Rittersaal sieht man diagonal zueinander eine Narrenmaske und das Wappen einer Rose. Die Narrenmaske bedeutet: "Hier herrscht Mundfreiheit, alles darf gesagt werden". Die Maske der Rose bedeutet: "Wer den Saal verlässt, muss Stillschweigen über das Gesagte bewahren".

Der geschützte Gesprächsraum

Die Mediation stellt einen ebenso geschützten Gesprächsraum dar. Innerhalb der Mediation gilt Mundfreiheit, alles darf gesagt werden. Außerhalb der Mediation muss Stillschweigen über das Gesagte gewahrt werden.

Umfang des Schutzes

Die Vertraulichkeit wird oft als eine Maulschelle missverstanden. Ihr Schutz zielt in erster Linie darauf ab, dass Informationen nicht in einem evtl. folgenden Gerichtsverfahren verwertet werden dürfen. Das Stillschweigen bezieht sich also auf die juristische Verwertbarkeit bzw. darauf, dass das Anvertrauen der Information nicht für eine Konfrontation missbraucht werden darf. Daraus ergibt sich ein Maßstab für die Vertraulichkeit. Natürlich müssen die Parteien mit ihren Partnern und Anwälten Fragen besprechen können, die in der Mediation aufgekommen sind. Natürlich müssen Sie dazu auch Informationen aus der Mediation verwenden. Sie - bzw. der Mediator - sollten aber darauf achten, das diese Personen in die Vertraulichkeit mit eingebunden werden. Ein absolutes Redeverbot (Maulschelle) könnte umgekehrt in einer Familienangelegenheit sogar ein Familiengeheimnis produzieren, was für den Zustand der Familie und den Konflikt nicht unbedingt förderlich ist. Wichtig ist, dass sich die Parteien keine Sorgen machen müssen, dass die in der Mediation aufkomenden Informationen zu irgendeiner Art von Angriff verwendet werden können.

 Merke:

Leitsatz 4857 - Bei der Vertraulichkeit schützt sich die Mediation Im Grunde selbst. Die Vertraulichkeit verhindert, dass die Mediation zu einem Beweis Ermittlungsverfahren missbraucht werden kann und von den Parteien nur deshalb in Anspruch genommen wird, um eben an die Information zukommen die ihnen im Streit eine bessere Verhandlungsposition geben

Schweigepflicht

Die Schweigepflicht ist vom Schweigerecht zu unterscheiden. Anders als etwa Anwälte oder Ärzte hat der Mediator kein eigenes Schweigerecht. Auch begeht er keine Straftat, wenn er seine Schweigepflicht verletzt.1 Der Mediator ist aussagepflichtig, wenn er von der Verschwiegenheit entbunden wird.

Weil das Gesetz nur den Mediator unter die Schweigepflicht gestellt hat und nicht die Parteien, muss der Mediator die Verschwiegenheit durch Prozessverträge auf die Medianden und Verfahrensbeteiligten ausdehnen. Er vereinbart die erweiterten Schweigepflichten am Sinnvollsten in der MDV.

Bedeutung für die Mediation

Die Parteien sollen "laut denken" dürfen, ohne dafür bestraft zu werden. Wenn die Lösung offen ist, müssen die Parteien in der Lage sein, Gedanken zu entwickeln und sich Lösungen vorzustellen, ohne darauf festgenagelt oder für ihr Denken bestraft zu werden. Der geschützte Raum sichert das Prinzip der Vertraulichkeit. Es wird durch die Verschwiegenheit des Mediators abgesichert, die durch Verschwiegenheitsabreden mit den Medianden ergänzt wird.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.
Bearbeitungsstand: 2019-07-24 07:46 / Version 12.
Alias: Vertrauensschutz, Gesprächsraum, Schweigepflicht, Schweigerecht
Literaturhinweise: Trossen (un-geregelt)
Siehe auch: Grundsätze
Prüfvermerk: Arthur Trossen

1 Das gilt im Zweifel nicht für Anwaltsmediatoren und Berufe, bei denen die Verletzung der Schweigepflicht unter Strafe steht
© Wiki to Yes: Trossen "Geschützter Raum" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Geschützter Raum
Erstellt von Arthur Trossen. Letzte Änderung: Mittwoch Juli 24, 2019 07:46:56 CEST by Arthur Trossen.