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Die Gendersprache

Die Sprache ist ein Mittel der Verständigung. Sie ist Ausdruck von Kultur und noch mehr. Ihre Aufgabe ist die Übermittlung von Informationen. Damit das gelingt, sollte sie verständlich sein und vor allem auch verstanden werden. Allerdings ist die Sprache nur ein Teil der Kommunikation. Die sogenannte Gendersprache ist davon auch nur eine Ausprägung. Sie ist im Zusammenhang mit folgenden Beiträgen zu verstehen:

Gendersprache Kommunikation Sprache Semiotik

Die Sprache stellt bereits eine Reduktion der Komplexität dar. Darüber sollte man sich stets im Klaren sein. Sie bildet einen Code, der Informationen übermittelt und Vorstellungen offenbart, die sich hinter der Information verbergen. So ist wenigstens die Idee. Gerade in der Mediation wissen wir, dass die Vorstellungen und die damit einhergehenden Bedeutungen nicht immer eindeutig sind. Und schon gar nicht stimmen sie zwingend zwischen dem Sender und dem Empfänger einer Information überein. Der Mediator versucht auf dem Weg zur Gemeinsamkeit und zum besseren Verstehen diese Defizite auszugleichen.

Beispiel 14769 - In einer Mediation, in der es um die Kinder geht, fallen oft die Worte Mutter und Vater. Die Parteien gehen ganz selbstverständlich damit um. Sie sprechen auch von Familie. Der Mediator kann mit diesen Begriffen nicht viel anfangen. Er fragt die Parteien deshalb nach der Bedeutung. "Was bedeutet Mutter?", lautet seine Frage. Die Parteien reagieren spontan: "Sie stellen aber Fragen!". Nach einem kurzen Innehalten geben sie zu: "Sie haben recht. Da muss ich mal drüber nachdenken". Die Parteien haben gemerkt, dass sie mit diesen Begriffen völlig anders umgehen und ganz unterschiedliche Vorstellungen damit verbinden.

Konnotationen

Die Sprache suggeriert uns eine Klarheit, die bei genauem Hinsehen gar nicht vorhanden ist. Bei interkulturellen Kontexten scheint es naheliegend zu sein, dass Begriffen unterschiedliche Bedeutungen zugerodnet werden. Die Bereitschaft, die Bedeutungen zu hinterfragen, ist deshalb in diesem Kontext deutlich größer. Allerdings ist die Gefahr, dass die Begrifflichkeit zu Missverständnissen führt, auch innerhalb einer Kultur nicht zu unterschätzen. Besonders in einer modernen Gesellschaft, die einem Paradigmenwechsel unterliegt, ist sie groß. Bedeutungen können sich ändern, ohne dass sich die Begriffe ändern. Was also versteht man unter einem Begriff, wenn man sich in diesem Veränderungsprozess noch am konservativen und noch nicht am progressiven Verständnis desselben Begriffs orientiert?

Beispiel 14774 - Feminismus war früher ein medizinischer Fachausdruck für die Verweiblichung von Männern. Ein Roboter war ein Fronarbeiter. Die Zeitung stand für eine Neuigkeit. Toll bedeutete verrückt. Auch ein Mann war früher etwas anderes als heute. Was geblieben ist, ist lediglich die geschlechtliche Zuschreibung, nicht aber die Zuschreibung der Rolle. Was würde bedeutet es heute, wenn der Vater zu seinen Sohn ermahnt: "Sei ein Mann".


Die Mediation will eine Klärung herbeiführen. Dabei spielt der präzise Umgang mit Informationen eine ausschlaggebende Rolle. Der Mediator weiß, dass die Sprache ein Code ist, der darüber hinaus Bedeutungen offenlegen kann und soll.

Beispiel 14770 - Was bedeutet es, wenn ich vom Mohrenkopf oder vom Jägerschnitzel spreche? Sie können sicher sein, dass ich dabei nicht an schwarzhäutige unterdrückte Menschen oder an irgendwelche Völker denke. Ich denke in beiden Fällen nur an das Essen und an sonst nichts. Die Begriffe sind für mich positiv besetzt. Woran denke ich, wenn ich von einer "Frau" spreche? Habe ich ein vom Mann abhängiges, unselbständiges und untergeordnetes Wesen im Kopf oder verbirgt sich für mich hinter dem Begriff ein gleichwertiger, selbstbewusster und ebenbürtiger Mensch?


Worte allein genügen nicht, um auch Vorstellungen und Bedeutungen zu übermitteln, die sich dahinter verbergen. Wem kommt bei einem sprachlichen Austausch die Deutungshoheit zu? In der linearen Kommunikation obliegt sie dem Empfänger. In der rekursiven mediativen Kommunikation wird sie auf den Sender zurückgeführt. Es ist ein Geben und Nehmen. Wenn ich weiß, dass sich Menchen mit derartigen Begrifflichkeiten diskriminiert oder angegriffen fühlen, verwende ich sie nicht, denn das ist nicht meine Absicht. Dann muss man Worte oder einen Coder finden, der von allen gleich verstanden wird und die gewollte Bedeutung so transportiert, dass sie genau so ankommt, wie sie gemeint ist.

In der Mediation arbeitet der Mediator die Bedeutungen heraus. Er kann sich das leisten, weil er einen Auftrag dazu hat. Im Alltag hingegen wirkt es schon manchmal irritierend, wenn die Bedeutungen hinterfragt werden. Wir gehen so selbstverständlich damit um, dass wir uns kaum vorstellen, das Gesagte könne missverständlich sein.

Was ist jetzt mit den Frauen, den Asexuellen, den Bisexuallen, den Transsexuallen oder wie die geschlechtlichen Ausrichtungen alle heißen und was ist mit dem sogenannten dritten Geschlecht. Linguistsisch ist damit der Sexus gemeint, der vom Generus zu unterschieden ist. Plötzlich wird es nicht nur als unhöflich, sondern sogar als diskriminierend angesehen, wenn der Sexus nicht genannt wird. Nehmen wir das Wort Mediator als Beispiel:

Beispiel 14771 - Wer ist gemeint, wenn von dem Mediator die Rede ist? Es ist zunächst eine Funktionsbeschreibung, die Personen männlichen, weiblichen und sonstigen Geschlechts erfasst. Somit sind damit auch Frauen gemeint. Die Formulierung "die Mediatorin" beschriebt hingegen eindeutig eine Frau. Zugegebenermaßen kann mit der Bezeichnung "der Mediator" tatsächlich auch ein einzelner, männlicher Mediator gemeint sein. Das sollte sich dann aus dem Kontext ergeben.


Wenn wir eine Aussage nach dem Sexus unterscheiden, wird es kompliziert.

Beispiel 14772 - Die Techniken des/der Mediator*s*in sollten eine Wirkung bei dem/der Mediand*en*innen entfalten, damit seine/ihre Leistung erkennbar wird.


Ist so etwas gewollt? Das Beispiel belegt, dass es tatsächlich im Interesse der Lesbarkeit (und der Sprechbarkeit) liegt, wenn auf solche Kennzeichunungen verzichtet wird. Sie erschweren nicht nur die Erfassung, sondern auch die Lesbarkeit der Texte. Zu allem Überfluss sind sie auch nicht wertschätzend, weil sie nicht barrierefrei sind und immer noch das dritte Geschlecht ignorieren. Das scheint kein brauchbarer Ansatz zu sein. Die Wertschätzung ergibt sich auch nicht aus dem Wort, sondern aus der Art und Weise, wie es verwendet wird. Es ist auch zu beobachten, dass der Versuch des Genderns, also der geschlechtsneutralen Ansprache, Tendenzen der Entpersonalisierung aufweist.

Beispiel 14775 - Lufthansa will alle Geschlechter berücksichtigen. Das Flugunternehmen soll deshalb auf die Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" verzichten und genderneutral die Passagiere einfach mit "Guten Tag" ansprechen. Studenten werden zu studierenden (Individuen).

Genderdisclaimer

Um diesem Drahtseilakt zu entgehen, verwenden viele Publikationen sogenannte Genderdisclaimer. Das ist wieder so ein merkwürdiges Wort, das zum Missverständnis einlädt. Was ist das eigentlich? Was soll damit bezweckt werden und warum nutzen wir ein englisches Wort dafür?

Disclaimer
Das englische Wort disclaimer bedeutet ins Deutsche übersetzt und im juristischen Sprachgebrauch so viel wie Haftungsausschluss. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird man dieses Wort wohl am besten mit Verzicht übersetzen. Worauf verzichten wir und wogegen schützen wir uns jetzt genau?
Gender
Warum verwenden wir das englische Wort Gender und nicht das deutsche Wort Geschlecht? Das deutsche Wort Geschlecht ist weniger präzise. Es erfasst auch das biologische, das gesellschaftliche oder gar das Adelsgeschlecht. Das englische Gender hingegen meint die soziale Dimension von Geschlecht.1

 Gendersprachehinweis:
Mediatoren respektieren alle Menschen, egal welcher Herkunft sie sind oder welchem Geschlecht sie angehören. Auch Menschen mit einer Leseschwäche gehören dazu. Lediglich zur besseren Lesbarkeit wurde deshalb bei Berufs- und Personenbezeichnungen auf Movierungen verzichtet.

Dieser Genderhinweis und die im Wiki verwendete Spradche basieren auf den nachfolgenden Lösungsansätzen.

Lösungsansätze

Nach einer Kritik im Forum2 hat sich die Redaktion überlegt, wie sie das Problem lösen kann. Das ist gar nicht so einfach, wenn speziell bei Bildschirmtexten die Sternchen und Schrägstriche vermieden werden sollen und Texte möglichst knackig und kurz sein sollen und gleichzeitig den nötigen Respekt ausdrücken. Auch der Versuch, stets von dem Mediator und der Mediatorin zu sprechen kann nicht konsequent durchgehalten werden und führten grammatikalische Komplikationen hinein. Das nachfolgende Video von Alicia Joe deckt Hintegründe und Bedeutungen des Genderns auf und endet in einem Vorschlag.

Dieses Youtube-Video mit dem Titel 'Warum Gendersprache scheitern wird' von Alicia Joe geht dem Gendern mit Genderstern oder Alternativen auf den Grund. Auch wenn diese Schreibformen immer beliebter werden, spalten sie das Land. Die Mehrheit ist gegen das Gendern (in diesem Format). Alicia Joe untersucht, wo diese Idee sprachwissenschaftlich eigentlich herkommt. Sie fragt wie sinnvoll sie ist und zeigt eine Alkternative auf. Die Beschreibung unter dem Video auf Youtube enthält eine Quellenliste für alle, die das Thema weiter vertiefen möchten.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem Video um ein bei Youtube (Google) hinterlegtes Video handelt. Es wurde im erweiterten Datenschutzmodus eingebettet. Was das bedeutet, erfahren Sie in der Datenschutzerklärung.

Eintrag im Videoverzeichnis erfasst unter Warum Gendersprache scheitern wird

Die Movierung

Alicia Joe arbeitet heraus, dass das Problem bei den sogenannten Movierungen liegt. Movierungen werden in der deutschen Sprache auffällig häufig genutzt. Movierte Personenbezeichnungen kommen deshalb sehr oft bei Berufen und Tätigkeitsbeschreibungen vor. Das ist historisch zu erklären, weil diese Berufe und Tätigkeiten früher meist von Männern ausgeübt wurden. Die Betonung liegt auf Früher, denn heute gibt es in vielen Berufen mit generischem Maskulinum sogar eine Frauenmehrheit. Die Movierung fügt einem Beruf eine Endung "in" an, worudch der weibliche Sexus angesprochen wird. Aus dem Mediator wird dann also die Mediatorin. Der Vorschlag von Alicia Joe lautet, sämtliche Movierungen zu streichen und den Sexus bei Bedarf mit Adjektien hinzuzufügen. Das klingt schlau und einfach. Ganz abgesehen davon, dass dieser Vorschlag den gewachsenen Bedeutungen entspricht. Würden Sie sich als Frau, wenn Sie einen Doktortitel in Jura erworben haben statt Frau Doktor Frau Doktorin nennen? Die Movierung erübrigt sich, weil der Sexus durch die Anrede eindeutig ist. In solchen Fällen wird also auf die Movierung wie selbstverständlich verzichtet.

Worauf es also ankommt ist in unserer Vorstellungswelt die Selbstverständlichkeit zu etablieren, dass ein generisches Maskulinum auch eine Frau betreffen kann und dass das Geschlecht keine Garantie für die Wertigkeit des dahinter verborgenen Menschen darstellt. Diese Selbstverständlichkeit betrifft nicht nur Frauen. Es ist eine Frage der Haltung. Sie ergibt sich unabhängig von der Wortwahl aus dem Kontext.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier - und Lizenzbestimmungen. Zitiervorgabe im ©-Hinweis.

Bearbeitungsstand: 2023-01-06 08:04 / Version 14.

Aliase: Genderdisclaimer
Siehe auch: Kommunikation, Sprache
Prüfvermerk: -

1 UDE (Genderbegriff) - 2022-10-16


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Durchschnittliche Lesedauer: 6 Minuten