Lade...
 
Wiki to Yes, das Metaportal
Seiten-ID: 1501 Der Gedankengang der Mediation in einem vernunftbasierten Verfahren 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  (01) Einführung »  Übersicht

Der Gedankengang der Mediation

Die Mediation ist ein informelles Gespräch, wo man die Gedanken einmal fliegen lassen kann.




Die Vernunft (in) der Mediation
Der Weg zum freien Denken!

Die Mediation ist ein verstehensbasiertes Verfahren. Das Denken ist ihr Werkzeug. Es dient der Sinnerfassung dessen, was zu verstehen ist. Das Werkzeug des Denkens ist dem Menschen nicht fremd. In seiner mediativen Verwendung ist es ihm jedoch ungewohnt.

Die Gedankenabfolge

Der erste markante Unterschied zum herkömmlichen Denken ist die Reihenfolge der Gedankenabläufe innerhalb des Entscheidungsprozesses. Üblicherweise wird zunächst ein Probem eingeführt. Dann werden Lösungen erarbeitet, um sich für die ein oder andere Lösung zu entscheiden. Danach wird die Umsetzung (Realisierung) in Angriff genommen. Der Nutzen ist kein Entschediungskriterium. Er stellt sich erst viel später heraus, sodass erst im Nachgang beurteilt werden kann, was die Lösung bewirkt hat. Wenn die Mediation als ein Entscheidungsprozess verstanden wird, ändert sich die Reihenfolge, indem nach der Problemeinführung zunächst der zu erwartende Nutzen herausgestellt wird. Er bildet die Kriterien für die zu findende Lösung. Erst nachdem die Lösung gefunden wurde, wird die Entscheidung gefällt.

Entscheidungsprozesse im Vergleich 

Die Gedankenfreiheit

Der zweite markante Unterschied zum herkömmlichen Denken ist die Freiheit des Denkens. Sie ist zugleich eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Mediation. Es wird ein Raum geschaffen, in dem Gedanken gefahrlos geäußert werden können. Nur wo Gedanken keinen Schaden anrichten können, ist es möglich, dass sie sich frei entwickeln.

A mind is like a parachute.
It doesn‘t work if it is not open.


Wie beim Fallschirmspringen muss der Fallschirm sorgfältig gefaltet und verstaut sein, damit er sich öffnen kann. Es gibt eine Reißleine und einen Notfallschirm, damit sich der Fallschirm auch wirklich öffnet. In der Mediation heißt die Reißleine Freiwilligkeit (weil die Partei jederzeit abbrechen kann) und der Notfallschirm Vertraulichkeit (damit die Mediation wirklich nur eine Exklave ist und ihr Abbruch die Ausgangslage im Streit nicht verändert). Die Möglichkeit, Gedanken zu öffnen und fliegen zu lassen ist Voraussetzung für die unerwartet guten Ergebnisse der Mediation. Damit sie gefahrlos möglich ist, muss sie in einem geschützten Rahmen stattfinden. Weniger aus Angst vor der viel beschworenen Entscheidung des Dritten als aus der Sorge, man könnte auf etwas festgelegt werden, was im eigenen Denken noch gar nicht spruchreif war.

Die Grundsätze der Mediation 

Der gedankliche Freiraum, die Exklave, betrifft also nicht nur das Eingestehen von Fakten. Viel wichtiger ist ihre Unverbindlichkeit. Mediation ist informelle Kommunikation. Eine informelle Kommunikation ist eine vertrauliche Kommunikation. Da muss man nicht aufpassen was man sagt oder nicht. Da kann man auch mal etwas wieder zurücknehmen. „Das habe ich so nicht gemeint“, „Das wollte ich nicht sagen“.
Im Streit würde ein solcher Rückzug nicht gelten können. „Du hast es aber gesagt“, wäre der Vorhalt. Aus diesem Grunde ist die Mediation unverbindlich bis zum Schluss. Die Parteien dürfen laut denken. Sie dürfen ihre Gedanken wieder zurücknehmen. Sie dürfen ihre Sichten korrigieren. Das alles ist Teil des Spiels. Erst am Ende, wenn die Gedanken gefestigt und abgestimmt sind, wird die Mediation verbindlich. Dann kommt es zu einer Abschlussvereinbarung, auf die sich beide Seiten rückhaltlos einlassen können.

 Merke:

Leitsatz 3229 - Denken bedeutet, durch die Aktivität des Verstands zu Aussagen, Gedanken und Schlussfolgerungen zu gelangen. Dabei ist die Erkenntnis die Einsicht, die Schlussfolgerungen einerseits ermöglicht und andererseits aus ihnen resultiert. Die Mediation ist mehr als alle anderen Verfahren darauf angewiesen, dass die Parteien zu Erkenntnissen gelangen.

Als Mediator müssen Sie sich stets über folgendes bewusst sein und dürfen niemals vergessen:

  1. Es ist nicht der Mediator, sondern es sind die Parteien, die denken müssen, denn es sind sie, die die Lösung finden sollen. Der Mediator ist bestenfalls eine Art Katalysator, ein Wegweiser der erkennt, welche Gedanken zielführend sind und welche nicht.
  2. Der Wegweiser kann nicht zu einem Ziel führen, weil das Ziel, verstanden als die Lösung, offen und unbekannt ist. Gewiesen wird der Weg, wie sich eine Lösung finden lässt; nicht mehr und nicht weniger.

Diese beiden Grundsätze liefern den Grund, warum die Erkenntnisgewinnung der Parteien den eigentlichen Gegenstand des Verfahrens bilden.

 Merke:

Leitsatz 3230 - Gegenstand der Mediation ist nicht der Streit, sondern die sich aus ihm ergebenden Einsichten und Erkenntnisse.

Gedankliche Freiheit bedeutet auch, über den Tellerand blicken zu können. Über den Tellerand zu blicken heisst, Gedanken zu erlauben, die nicht im Problem verhaftet sind. Überzeugen Sie sich selbst davon, indem Sie die Denkaufgabe im Beitrag Kreativität lösen.

Die Grundsätze der Mediation 

Neben strukturellen Vorgaben erfüllt die Mediation deshalb auch kognitive Anforderungen. Sie verwirklichen sich unter anderem durch die Strukturierung des Vorgehens. Um die Gedanken der Parteien zu befreien, teilt die Mediation den Gedankengang in Abschnitte und Themen, die eine sequenzielle Verarbeitung ermöglichen und die Beeinflussung durch Vorgriffe, Selektionen und Fokusverschiebungen verhindert. Die Anforderungen an den Erkenntnisprozess werden mit der Mediationstheorie belegt.

Mediationstheorie 

Um ein unbeeinflusstes Denken zu ermöglichen, versucht sich die Meditation schließlich auch von Umwelteinflüssen zu befreien. Die Errichtung einer Metaebene ermöglicht es ihr zumindest, alle Einflüsse im Blick zu haben. Die Metaebene ist eine Ebene der Abstraktion. Sie erlaubt es, alle Fragen den Fall und das Verfahren betreffend, zu reflektieren. Die Mediation ist wie eine gedankliche Exklave zu verstehen. Der Mediator ist nicht Teil des Streitsystems. Strategische Einflüsse werden durch die Abschottung des Verfahrens unterbunden.

Die strategische Exklave 

Die unterschiedlichen Denkansätze

Die Mediation kann mit verschiedenen Arten des Denkens umgehen. Niemand muss sein Denken ablegen, damit er die Mediation beherrscht. Besonders Juristen, die in Mediation ausgebildet werden, behaupten, ein Jurist müsse eine Gehirnwäsche durchziehen, damit er wie ein Mediator denken kann. Richtig wäre die Einschätzung, dass ein Jurist die Grenzen des juristischen Denkens erkennen und um die Mediation erweitern sollte. Eine Gehirnwäsche bedarf es nicht.

Der Mediator ist unabhängig von seinem professionellen Ursprung gut beraten, wenn er sein Denken erweitert und in den Rhythmus der Mediation einfügen kann. Erstaunlicherweise erlaubt die Mediation ein widersprüchliches Denken wobei sie in der Lage ist widersprüchliche Denkansätze miteinander in Einklang zu bringen. Wir treffen auf logisches und dialektisches, sowie auf strukturiertes und assoziatives Denken. Alles passt unter den Schirm der Mediation. Ihr Trick besteht darin, dass sie die widersprüchlichen Denkansätze nicht gegenüberstellt, sondern sequenziell in einer Art und Weise anordnet, dass alles eine Gültigkeit erlangt. Um diese These besser zu verstehen, setzen wir uns zunächst mit den grundlegend zu unterscheidenden Denkansätzen auseinander.

Wir hatten uns die hinter den Verfahren verborgenen Strategien bereits angeschaut. Jetzt richtet sich der Blick auf die von den Verfahren jeweils adaptierten Denkweisen. Beginnen wir mit dem juristischen Denken.

Juristisches Denken

Das juristische Denken wird durch die Methode der Subsumtion geprägt. Bei der Subsumtion geht es darum, einen Lebenssachverhalt unter eine Norm (normierten Sachverhalt) zu subsumieren. Die Lösung ergibt sich aus dem normierten Sachverhalt und heißt Rechtsfolge. Sie lässt sich schematisch wie fgolgt abbilden:

Der Lebenssachverhalt wird unter ein Gesetz subsumiert, das die Rechtsfolge (das zu erreichende Ziel) vorgibt. Das juristische Verfahren sucht also nach Rechtsfolgen nicht nach Lösungen. Rechtsfolge und Ziel (hier als Lebensplanung bezeichnet) können auseinander fallen. Dann wird der Jurist entweder an der Auslegung des Rechts oder am Sachverhalt schrauben, bis Rechtsfolge und Lebensplanung (gewünschtes Ziel) übereinstimmen Um ihr Ziel im juristischen Denken zu erreichen, müssen die Parteien zunächst ein Gesetz finden, das zum Sachverhalt passt und den gewünschten Anspruch einräumt. Natürlich regelt das Gesetz nicht jeden Sachverhalt in all den Varianten in denen er aufkommt. Deshalb sind Interpretationen notwendig, die den Sachverhalt unter die Norm der gesuchten Rechtsfolge subsummieren lassen. Welcher Lebenssachverhalt zu analysieren ist und welche Merkmale dafür ausschlaggebend sind, ergibt das Gesetz. Was dort nicht vorgesehen ist, blendet der Jurist aus; so, als wäre es nicht existent. „Das gehört nicht hierhin!“, ist deshalb ein beliebtes Zitat von Juristen. Das juristische Denken ist logisch und strukturiert. Man sagt Juristen nach, sie könnten gut mit Komplexität umgehen. Sie bewältigen die Komplexität, indem sie sie auf die vom Gesetz vorgegebenen Fakten und Rechtsfolgen reduzieren.

Psychologisches Denken

Der Mensch kann durchaus logisch Denken. Er beweist es jeden Tag. Logisches Denken entspricht aber nicht zwingend seinem Naturell. Das natürliche Denken ist eher assoziativ und emotional. Besonders im Konflikt verliert der Mensch seine Vernunftbegabung. Er regridiert in frühkindliche Verhaltensmuster. Sein Verhalten wird irrational. Die Faustregel lautet:

Je mehr Emotion, desto weniger Verstand  


Das psychologische Denken kann sich darauf einlassen. Es ist dem assoziativen Denken angepasst. Von außen wirkt es chaotisch. Rational steht es der Dialektik näher als der Logik und kann sich auf alle Intelligenzzentren des Menschen einlassen. Emotionen sind Ausdruck einer anderen (als der rationalen)
Intelligenz.

Mediatives Denken

Meditatives Denken ist ausschließlich nutzenorientiert. Es fragt deshalb nach den Interessen2 nicht nach Argumenten und Ursachen. Die Interessen erschließen sich über die Motive und beschreiben den zu erwartenden Nutzen. Der Nutzen liegt stets in der Zukunft. Die juristischen oder therapeutisch zu regelnden Sachverhalte meist in der Vergangenheit. Das einzige was der Mediator wissen muss, sind die Kriterien für den zu erreichenden Nutzen, die er in der Phase drei erarbeitet. Die Ausrichtung am Nutzen ergibt eine andere Herangehensweise. Die Nutzenausrichtung kann sich - zumindest theoretisch - vollständig aus der Vergangenheit herauslösen. Die gedankliche Abfolge des Verfahrens erfolgt deshalb in drei markanten Schritten:

  • A: Was ist jetzt? (Bestandsaufnahme in der Gegenwart)
  • B: Was soll sein, damit alles gut ist? (Der Blick auf eine konfliktbereinigte Zukunft, aus der sich der Nutzen ableiten lässt)
  • C: Wie komme ich dorthin? (Lösungen die von A nach B führen) Mathematisch könnte man die Gedankenfolge und die sich aus ihr ergebende Lösungsmenge mit der folgenden Formel ausdrücken, wobei der Exponent „n“ aus der Zahl der Teilnehmer gebildet wird. C ist die Variable für die Lösungsmenge. B ist die Variable für die Ausgangsbedingung und B ist die Variable für den hypothetischen Zustand ohne den Konflikt:
C = (B-A)n  

Wichtig ist, dass die Parteien ein Bewusstsein darüber haben, welchen Nutzen sie erreichen wollen und können und dass sie in der Lage sind, diesen Nutzen aufeinander abzustimmen. Der Mediator hinterfragt den erwarteten Nutzen in Phase drei. Erst danach, in einem separaten Schritt wird überlegt wie der Nutzen zu erreichen ist. So wird gedanklich sichergestellt, dass der Nutzen stets im Fokus ist. So wird verhindert, dass sich die Parteien gedanklich auf Ergebnisse fixieren lassen, die unter Umständen ihrer Vorstellung von Nützlichkeit gar nicht entsprechen. Auch verhindert diese Herangehensweise das Aber im Kopf. Die Partei meint: „Ja das klingt ja alles ganz gut aber es geht ja doch nicht!“. Der Gedanke an das was gut ist geht in dem Moment verloren und wird mit dem ausgetauscht was nicht funktioniert. Es ist der falsche Fokus.

Mediatives Denken ist kombiniertes Denken.
Es dürfte deutlich geworden sein, dass die Strukturiertheit der Mediation einen vielschichtigen Hintergrund hat. Kognitionspsychologisch gesehen lenkt sie die Gedanken auf das Gemeinsame und Nützliche, um vom widersprüchlichen, gegensätzlichen Weg wegzuführen. Es ist notwendig, die Gedanken zu isolieren, um diesen Effekt zu erreichen. Die assoziative Macht des Gehirns im Blick habend, mag man sich vorstellen, dass Lösungen, die auf ein positives Denken gestützt werden dementsprechend positiver sind als Lösungen, die auf ein negatives Denken aufsetzen. Trotz allem bewegen wir uns in einer realen Welt. Die zu findende Lösung muss das Problem beseitigen und es muss umsetzbar sein. Es genügt also nicht, Gedanken fliegen zu lassen und Assoziationen freien Lauf zu gewähren. Deshalb sind sowohl das juristische wie das psychologische, das logische wie das dialektische, das deduktive wie das induktive Denken gefragt, um nachhaltige Lösungen zu finden. Ein freies, vielseitiges, auf die Parteien eingehendes Denken unterstützt den Prozess.

Mediatives Denken ist sequentiell kombiniertes Denken.
Auch wenn die unterschiedlichen Denkansätze nicht zusammen passen, kann die Mediation sie einverleiben. Das gelingt nicht gleichzeitig aber sequentiell und in einem vorgegebenen kognitiven Rhythmus. Zutreffend ist, dass die Mediation ein Umdenken erwartet. Sie erwartet aber nicht, dass Kompetenzen und Fähigkeiten geleugnet oder gar getilgt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Die Mediation bezieht Alles ein und kann dadurch die kognitive Welt erweitern. Richtig ist also, dass alle Arten des Denkens, also z.B. logisches, dialektisches, juristisches und psychologisches Denken zur Geltung kommen und niemand sich foltern muss, damit die Mediation möglich wird. Wie wäre es, wenn sich das Denken der Juristen wie das der Psychologen um eine andere, philosophische Variante erweitert?

Wie das psychologische und das juristische Denken nebeneinander passt und wie die Mediation damit umgeht, lässt sich am Besten mit einem Witz erläutern. Ein Betrunkener sucht etwas auf der Straße. Er steht am Bürgersteig unter der Straßenlaterne. Er sucht etwas und es deshalb zur Erde gebeugt. Ein Streifenpolizist kommt vorbei. Er sprach den betrunkenen höflich: „was machen Sie da?“. „Ich hab meinen Schlüssel verloren“ antwortete dieser. Der Polizist wünscht viel Erfolg beim Suchen und geht weiter. Etwa eine halbe Stunde später konnte wieder an diese Stelle. Der Betrunkene sucht immer noch. Der Polizist möchte behilflich sein: „wo haben Sie denn genau den Schlüssel verloren?“ fragt er. Der Betrunkene antwortet: „da hinten im Busch“ und zeigt auf ein kleines Waldstück jenseits der Straße. Der Polizist wundert sich. „Warum suchen Sie hier, wenn Sie den Schlüssel doch verloren haben?“. „Da hinten ist kein Licht“ bekommt er zur Antwort. Das Suchen unter der Laterne ließe sich mit dem juristischen Denken vergleichen. Es ist hell man sieht alles. Leider hat dort niemand etwas verloren. Das Suchen im dunklen Busch ließe sich mit dem psychologischen Denken vergleichen. Man sieht nichts, weiß noch nicht mal wirklich was man verloren hat. Aber doch kann man fündig werden, denn dort hat man etwas verloren.
Sie können sich vorstellen wie hilfreich es ist, wenn der Mediator beide Arten des
Denkens beherrscht. Die Mediation gibt ihm den Raum dafür:

Phase Denken
2 Juristisches Denken, Deduktion
3 Assoziatives, psychologisches Denken
4 Assoziatives, psychologisches Denken, Induktion wird überführt in juristisches Denken, z.B. WATNA/BATNA
5 juristisches Denken (Überführung in eine rechtsgültige Vereinbarung), Deduktion.Psychologische Schnittmengen

Wie eingangs erwähnt, bewegen wir uns in einer komplexen Welt. Der philosophische Ansatz ist deshalb auch nur einen Teilaspekt des Kognitionsprozesses. Es gibt Phänomene und Ursachen, die sowohl die Wahrnehmung und demzufolge das Denken und die Kommunikation beeinflussen. Die Mediation kann hierfür ein Korrektiv darstellen, in dem Gedanken umgekehrt auch die Wahrnehmung und die Kommunikation beeinflussen. Damit das gelingt, muss sich der Mediator über menschliche Phänomene wie z.B. die Wahrnehmung oder das Konfliktverhalten im klaren sein.
Die Psychologie kann Phänomene beschreiben, die Einfluss auf die Wahrnehmung beschreiben. Sie kann erklären, warum Vorurteile aus Informationsmangel und dem Bedürfnis entstehen, sich orientieren zu wollen. Sie kann beschreiben, dass der Widerspruch zum gegnerischen Vortrag aus einer kognitive Dissonanz heraus gesteuert wird, gegen die sich der Mensch wehrt, indem er nicht ins Bild passende Tatsachen einfach leugnet. Sie kann beschreiben, warum das gleiche Phänomen aus einer selektiven, interessenorientierten Wahrnehmung von beiden Parteien höchst widersprüchlich beschrieben wird, ohne widersprüchlich zu sein. Sie kann verschiedene andere Wahrnehmungsphänomene beschreiben, die den abweichenden Vortrag der Parteien gar nicht mehr als falsch und widersprüchlich erscheinen lässt. Der Mediator muss diese Phänomene kennen, um Korrekturen zu ermöglichen und Sichtweisen zu verändern.

Logik und Dialektik

Juristisches Denken ist logisch geprägt. Rein logisch betrachtet lässt sich ein Widerspruch nur entweder zugunsten der einen oder der anderen Seite auflösen. Rein logisch betrachtet schließt ein Ja ein Nein aus. Logisch betrachtet ist ein „Ja, aber“ ein Nein, weil es kein Ja ist. Ein Jein gibt es nicht so wie 2+2 nicht 5 sein kann. In der Logik steht ein Jein nicht zur Disposition, zumindest nicht auf den ersten Blick.

Beispiel Ja oder Nein-Logik: Die rhetorische Aufforderung, „Sie dürfen meine Frage nur mit Ja oder Nein beantworten!“, mag richtig sein, wenn es darum geht den Gegner zu überführen. Wenn es aber darum geht, herauszufinden was er meint, ist diese Aufforderung kontraproduktiv.


Ein Mediator würde sich auf ein Jein durchaus einlassen. Er wurde wie folgt reagieren: „Sie sagen zwar ja. Aber das Ja scheint an Bedingungen geknüpft zu sein. Welche sind das? …. Was müsste passieren, dass ein Jahr möglich wird?“ Es wird deutlich, dass ein Jein dem Mediator den Zugang zu den Motiven öffnet. Schaut man genauer hin, findet sich aber auch ein logischer Zugang zum Jein.

Beispiel Ja oder Nein-Reduktion: „Möchten Sie ein Auto mit mehr PS, das schneller fährt?“, lautete die Umfrage. Sie wurde bejaht. Daraufhin wuden schnellere Autos mit größerer Moterleistung gebaut. Später hat sich herausgestellt, dass diese Autos nicht nachgefragt wurden.


Hatten die Befragten gelogen? Nein, es wurde lediglich versäumt, die Bedingungen für das Ja abzufragen und nach dem Aber zu forschen. Hätte man gefragt: „Möchten Sie ein schnelleres Auto auch dann, wenn es mehr Benzin verbraucht?“, wäre aus dem Ja ein Nein geworden. Man hätte ein schnelleres Auto gebaut, das keinen Mehrverbrauch hat. Das wäre nachgefragt worden. In der Mediation ist ein Jein nicht ausgeschlossen. Gedanklich wird der Widerspruch ermöglicht, indem die Mediation sowohl logisches wie dialektisches Denken vorhält.

Phase Denken
2 Logisches Denken führt in den Widerspruch. Der Widerspruch wird in Dialektisches Denken umgewandelt wo sich These und Antithese gegenüber stehen.
3 Die Kriterien für eine Synthese werden erarbeitet
4 Die Synthese beinhaltet These und Antithese. Sie wird in eine logische Kontrolle überführt
5 Logisches Denken sichert die Lösung.

Ein Jein ist weiterhin möglich, weil die Mediation Komplexität erlaubt und verschiedene Denkebenen (Dimensionen) einführt. Die Komplexität wird jetzut zum Tool, das es ermöglicht, den Kuchen (die Lösungsmenge) zu vergrößern. Die Komplexität erlaubt es, den gedanklichen Rahmen zu erweitern, indem sie mehrere Dimensionen einführt und zur Disposition stellt. Wie das genau geschehen kann, wird mit dem präzisen Zuhören4 als die dazu führende Technik beschrieben. Hier ein Beispiel vorab, bei dem die vorgestellte Lösung (Position) in ihre Elemente aufgelöst wird.

Beispiel Hinterfragen des Nutzens: Der Mediator meldet zurück: „Sie verlangen von Ihrem geschiedenen Ehemann 1.000 € Unterhalt im Monat. Verlangen Sie das auch, wenn er es sich nicht leisten kann oder wenn er sich dadurch noch mehr von Ihnen entfernt oder wenn er dadurch seinen Job verliert oder wenn der Unterhalt dann zeitlich limitiert wird, ...?


Die Frage zielt auf den Nutzen ab. Sie nimmt den Umweg über Lösungen. Der Mediator kann den Nutzen aber auch anders abfragen: „Angenommen sie bekommen was sie wollen, haben sie dann alles was sie brauchen?“. Der Mediator beleuchtet die Aspekte einer Erkenntnis. Er weiß um ihre Relativität, die er den Parteien etwa mit zirkulären Fragen verdeutlichen und selbst erkennen lassen kann. Auch Sie werden dem Phänomen der Relativität begegnen, wenn Sie ihm noch nicht begegnet sind:
Alles, wirklich Alles hat zwei Seiten In der Mediation ist ein Jein nicht ausgeschlossen. Das Aber ist relevant, weil es den Hinweis auf andere Aspekte der Entscheidung eröffnet. Es deutet auf ein Einerseits und Andererseits hin. Es hilft, die Position zu relativieren.

Systemisches Denken

Den systemischen Denkansatz hatten wir bereits im Zusammenhang mit der Komplexität eingeführt. Er grenzt sich vom mechanistischen Denken ab. Das systemische Denken wird zur Klammer um alle Denkansätze in der Mediation. Es erzwingt eine Metaebene, von der aus die Organisation des Verfahrens wie die des Streitsystemes und seine Interaktionen beobachtet und beschrieben werden können.

Mediationsphilosophie

Für Viele ist die Mediation ein Gespräch aus dem Bauch heraus. Sie fühlen sich bestätigt, weil die Mediation auch so funktioniert. Tatsächlich lassen sich bereits bessere Ergebnisse erzielen, wenn allein das Gesprächsklima verbessert wird. Aber mit Mediation hat das nicht viel zu tun. Mediation ist Handwerk. Die Intuition ist erlaubt und erwünscht, wenn sie methodisch veranlasst ist und nicht aus einer Laune oder Unkenntnis heraus erfolgt. Bei dem Versuch die Welt der Mediation zu deuten und zu verstehen und um ihre Methodik zu begreifen, spielt das Denken eine ganz entscheidende Rolle.
Das Verständnis der Mediation und die eigene innere Einstellung prägen die in der Mediation möglichen
Denkabläufe. Ein Bewusstsein über die möglichen und notwendigen Erkenntnisse erlaubt es, die Mediation besser zu planen, sogar dort wo sie nicht möglich erscheint. Das Verstehen der Hintergründe kann die Gedanken sogar in eine substantielle Mediation überführen um in ihr Verfahren zu integrieren. Sie haben einen ersten Eindruck gewinnen können, wie sich das Denken auf Verfahren und Ergebnisse auswirken kann. Sie können sich vorstellen, welche Anforderungen an das Denken und die zur Lösung führenden Erkenntnisse zu stellen sind. Auch wurde gesagt, dass die Mediation in der Lage sei, verschiedene Denkweisen und Dimensionen aktiv zusammenzuführen. Es wurde deutlich, dass die Mediation die Komplexität benutzt, um einen breiteren Lösungsfächer zu ermöglichen. Im Nachfolgenden soll beschrieben werden, wie die Mediation den Erkenntnisprozess unterstützt.

Hinweise und Fußnoten

Aliase: mediatives Denken
Bearbeitungshinweis: Textvollendung und Programmvollendung erforderlich
Siehe auch: Dienstleistung
Diskussion (Foren): Siehe Mediationsvideos

© Wiki to Yes: Trossen "Gedanken in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Gedanken
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Administrator .
Seite zuletzt geändert: am Mittwoch Dezember 19, 2018 10:45:49 CET von Administrator.