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Ein Beitrag zum Werkzeugarchiv und ein Beitrag zum Facharchiv


Sprachliche Herausforderungen

Es ist unter Einheimischen schwierig genug, einander zu verstehen. Wenn dann noch Übersetzungsprobleme hinzutreten, wird die Kommunikation weiterhin erschwert. Übersetzungsprobleme tauchen auf, sobald die Parteien verschiedenen Nationalitäten angehören. Hier ergeben sich unterschiedliche Konstellationen mit unterschiedlichen Sprachkompetenzen, über die sich ein international tätiger Mediator oder Experte bewusst sein sollte:

  1. Nur eine Partei spricht ihre Muttersprache, die andere Partei spricht eine Fremdsprache.
  2. Beide Parteien sprechen Fremdsprachen (die Fremdsprache ist die gemeinsame Sprache)
  3. Keine Partei spricht eine Fremdsprache (es gibt keine gemeinsame Sprache)

Die vorgestellten Konstellationen führen zu unterschiedlichen Verständigungsqualitäten. Es kommt zu einem Verständigungsgefälle, das von Mediatoren oft als ein Machtgefälle verstanden wird. Auf den ersten Blick scheint die Partei, die in der Muttersprache kommuniziert, im Vorteil zu sein. Sie wird das Gesagte differenzierter wahrnehmen, als es möglicherweise gemeint ist. Schauen Sie nur einmal in das Wörterbuch, wenn Sie ein deutsches Wort in die englische Sprache übersetzen wollen. Nehmen wir den Begriff „Streit“ als Beispiel. Übersetzungsvorschläge sind: argument, quarrel, dispute, row, strife, struggle, controversary, .... Einen Muttersprachler wird diese Auswahl an Vokabeln bewusst sein und er wird die Begriffe gegeneinander abgrenzen können. Ein Fremdsprachler wird zu einem solchen FineTuning nicht fähig sein und sich weniger differenziert ausdrücken können. Dem Muttersprachler fällt diese Ungenauigkeit möglicherweise nicht auf. Umso weniger, wenn das Gegenüber über gute Fremdsprachenkenntnisse verfügt. Es ist deshalb erwiesen, dass sich Fremdsprachler untereinander besser miteinander verständigen können, als Fremdsprachler mit Muttersprachlern.

Verständigungsgefälle

Ein Mediator ist gut beraten, dieses Verständigungsgefälle auszugleichen. Seine Allparteilichkeit verpflichtet ihn sogar dazu. Auf einer Konferenz über Cross Border Mediation führte einmal eine Mediatorin vor, wie sie mit diesem Gefälle umgeht. Sie erklärte dem Publikum, dass sie den Muttersprachler etwa mit einem Schal oder einem Seidentuch an den Händen fessele. Auf diese Weise wolle sie ihm symbolisch und ständig vor Augen zu führen, wie sehr die andere Partei allein durch die Sprache im Nachteil sei. Solche Methoden sind Geschmacksache. Es mag bezweifelt werden, dass sie zur Mediation passen. Auch erscheint es fraglich, ob das Verständigungsgefälle ein Machtgefälle bedeutet. In jedem Falle lohnt es sich darüber zu sprechen.

Merke:1

Der Mediator sollte ein eventuelles Verständigungsgefälle thematisieren und abstimmen, wie damit umzugehen ist.

Um das Gefälle auszugleichen steht dem Mediator die triadische Brückenfunktion zur Seite. Allerdings setzt dies voraus, dass er selbst die Sensibilität aufbringt, die sprachlichen Missverständnisse aufzudecken. Besonders vor dem Hintergrund kultureller Einflüsse ist es nicht nur die verbale Kommunikation, die zur Bedeutsamkeit der Aussage beiträgt.

Merke:1

Der Mediator muss besonders auf sprachliche Missverständnisse achten. Er sollte die Gefahr solcher Missverständnisse thematisieren und mit den Parteien abstimmen, wie damit umzugehen ist.

Eine Mediation funktioniert auch bei mäßigen Sprachkenntnissen. Wie bereits erwähnt verstehen sich zwei Fremdsprachler oft besser als ein Fremdsprachler und ein Muttersprachler (native speaker).
Beispiel: Übersetzen Sie „just“ vom Englischen ins Deutsche. Was mag ein Engländer und was ein Deutscher heraushören wen gesagt wird: „We are not just Friends“.

Es gibt Erfahrungen, wo der Mediator und die Parteien Englisch als gemeinsame, wenn auch wenig gut geläufige Fremdsprache vereinbart hatten. Da beide Parteien Letten waren, wurde Lettisch ergänzend und dann mit einem Übersetzer eingesetzt, wo das Englische nicht weitergeholfen hat. Gerade diese Mediation brachte jedoch eine andere Erfahrung ein, die jeder international tätige Experte oder Mediator berücksichtigen sollte.

Beispiel Mediation in Lettland: Es ging um eine Familienmediation, bei der die Frage nach dem Sorgerecht über das gemeinsame Kind streitig war. Die Parteien waren schon einige zeit getrennt und sogar geschieden. Der Mann wirkte sehr emotionalisiert. Es stellte sich heraus, dass er sich sehr verletzt fühlte von der Art und Weise, wie die Frau die Scheidung durchgeführt hatte. Die Frau erkannte sein Problem in der Phase 3 der Mediation. Sie fragte: „Soll ich mich jetzt entschuldigen?“ Der Mediator wusste das ist der richtige Weg. Er sagte: „Wenn Sie meinen, dass dies angebracht ist, dann tun Sie es doch.“ Darauf folgte einer dieser rührigen, sehr emotionalen Momente, die wohl jeder Mediator kennt. Die Frau wandte sich dem Mann zu und entschuldigte sich in ihrer Muttersprache. Diesen intimen Moment wollte der Mediator in keinem Fall zerstören, indem er das Gesagte übersetzen ließ. Die Entschuldigung schien zu wirken und es gab eine Vertagung auf den nächsten Tag. Jetzt zeigte sich der Mann in einer ganz anderen emotionalen Verfassung. Die Sache schien zu eskalieren. Der Mediator wunderte sich warum. Er erkundigte sich daraufhin bei der Übersetzerin, was denn ie Frau dem Mann gesagt habe. Die Übersetzerin erklärte daraufhin, dass die frau dem Mann erklärt habe, alles sei die Schuld der Anwältin. Diese habe den Gang der Scheidung und die Art und Weise der Kommunikation vorgegeben. Jetzt war dem Mediator klar geworden, dass die Frau sich nicht entschuldigt hatte. Sie hat Schuld abgewiesen.


Das Beispiel zeigt, dass der Mediator darauf zu achten hat, dass ALLES was die Parteien von sich geben übersetzt wird. Falsche Scham ist hier definitiv fehl am Platz.

Merke:1

ALLES muss übersetzt werden!

Besonders schwierig gestaltet sich die Übersetzung bei der Verwendung von Fachsprachen. Dann ist die Beiziehung eines Dolmetschers unausweichlich.

Übersetzer

Es obliegt der Allparteilichkeit des Mediators ein aus sprachlichen Kompetenzen resultierendes Ungleichgewicht auszugleichen. Gegebenenfalls bedient er sich eines Übersetzers. Ein Übersetzer versucht das Formulierte in eine andere Sprache zu transformieren. Das klingt einfacher als es ist. Es genügt nämlich nicht die Worte zu übersetzen. Lucien Damberg führte in einem Vortrag am 24.5.2005 über interkulturelle Kommunikation zwischen Niederländern und Deutschen aus, dass trotz Sprachähnlichkeit unterschiedliche Konnotationen denkbar sind, die es verbieten, wörtlich zu übersetzen. Sein Beispiel lautete:

Beispiel: Stellen Sie sich vor, eine niederländische Frau, die die deutsche Sprache nicht richtig beherrscht, bekommt in der Ankleidekabine eines Damenmodegeschäfts einen Hyperventilationsanfall. Die deutsche Verkäuferin bemerkt, dass es der Frau in der Ankleidekabine nicht gut ist, und fragt sie: "Kommen Sie klar?" Die hyperventilierende Frau kann diese Frage völlig verkehrt auffassen, wenn sie sie wörtlich ins Niederländische übersetzt. In der deutschen Sprachkultur bedeutet "Kommen Sie klar" "Geht es" oder "Klappt es". Im Niederländischen bedeutet "Klarkommen", dass man einen Orgasmus bekommt.


Dieses Beispiel illustriert, dass die Sprachen sehr ähnlich sind und doch eine völlig andere Bedeutung haben können. Der Übersetzer muss in der Lage sein, den Sinngehalt der Äußerung zu erfassen, um die Botschaft korrekt zu übermitteln. Besonders wenn es um juristische Begriffe geht, zeigt sich diese Herausforderung. Versuchen Sie beispielsweise das Wort „Ermittlungsrichter“ ins Englische zu übersetzen. Der Ermittlungsrichter ist eine Spezialität im deutschen Strafverfahren. Sie würden es mit Untersuchungsrichter übersetzen, was ganz anders konnotiert ist. Um den Sinngehalt zu übertragen, muss der Übersetzer die juristischen Besonderheiten in beiden Sprachräumen kennen. Er muss den Sinn begreifen und in einen Kontext bringen, der von der Partei gleichförmig verstanden wird.

Um derartige Probleme zu vermeiden, ist die Wahl des Übersetzers ausschlaggebend. Man sollte den Gegenstand der Übersetzung erst festlegen (juristische Inhalte?) und dann den Fachmann suchen, der die fachlichen Hintergründe in beiden Ländern kennt.

Merke:1

Im Umgang mit schriftlichen Dokumenten ist es ratsam, den Originaltext kontextsensitiv neben den übersetzten Text zu stellen.

Die schriftliche Übersetzung hat den Vorteil, dass sie statisch ist. Mit modernen Technologien kann sie auch grob nachgeprüft werden (z.B. Google Übersetzer). Aber Vorsicht! Die elektronischen Übersetzer sind noch weniger in der Lage, das Gemeinte zu erkennen und in den Kontext der anderen Sprache zu setzen.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht einfach einen fachlich qualifizierten Übersetzer ausfindig zu machen. Gehen Sie davon aus, dass die EU Dolmetscher ausreichend qualifiziert sind. Bei Fachtexten sollte man darauf achten, einen Übersetzer zu finden, der Branchenkenntnisse besitzt.

Dolmetschen

Vom Übersetzen ist das Dolmetschen zu unterschieden. Dolmetschen bedeutet in Anwesenheit der Beteiligten zu übersetzen. Zu unterscheiden sind die konsekutive und die simultane Übersetzung.
Seien Sie sich bitte bewusst, dass die Übersetzung die Kommunikation verändert. Sie beeinflusst auch den Redefluss. Bei der konsekutiven Übersetzung, muss der Sprecher Pausen einplanen, damit der Übersetzer Gelegenheit bekommt, das Gesagte in eine andere Sprache zu transferieren. Es ist angebracht, eine einfache Sprache zu wählen.

Beispiel: Auf einer Konferenz hielt ein Philosoph einen Vortrag auf Deutsch. Jeder Satz hatte eine tiefsinnige Doppeldeutigkeit. Schon in der Muttersprache war es kaum möglich, dem Vortrag zu folgen, weil jeder Satz zum Nachdenken zwang. Die Simultandolmetscher waren völlig überfordert.


Es wäre auch falsch zu behaupten, es sei das Beste, Satz für Satz zu übersetzen. Satzteile zu übersetzen kann gefährlich sein, weil manche Grammatiken den Sinn erst erschließen, wenn der Satz vollständig ist. Die Deutsche Sprache ist sehr systematisch, Es gibt viele Wörter mit differenzierten und eigenständigen Bedeutungen. In anderen Sprachen ist das nicht so. Da erschließt sich die Bedeutung z.B. erst aus dem Sachzusammenhang.

Beispiel: Der Satz: „We are not just friends“ erschließt sich in seiner Bedeutung erst aus dem Zusammenhang. Ohne den Kontext mag er bedeuten: „Wir sind nicht einmal Freunde“. Er kann aber auch bedeuten: „Wir sind mehr als nur Freunde?“. Eine korrekte Übersetzung wird erst möglich, wenn sich der Kontext erschließt in dem dieser Satz eingebettet ist.


In dem Beispiel ist es erforderlich mehrere Sätze zu hören, ehe diese Aussage korrekt verstanden wird. Es muss also gar kein Misstrauen hervorrufen, wenn ein Dolmetscher eine kurze Satzvorgabe mit langen Ausführungen begleitet. Es kann sein, dass er einen Begriff umschreiben muss. Die Sprache hält manche Vokabeln vor, die sich nicht wirklich übersetzen lassen. Versuchen Sie zum Beispiel das magische Wort „eigentlich“ ins Englische zu übersetzen. Im Wörterbuch finden Sie Vorschläge wie in fact, actually, indeed, aber der Sinngehalt von eigentlich wird damit nicht exakt wiedergegeben. Die daraus abzuleitende Empfehlung lautet deshalb. Solche Worte nach Möglichkeit zu vermeiden. Für den Mediator bedeutet sie, solche Worte in jedem Fall zu hinterfragen.

Merke:1

Auch solche Begriffe, die selbstverständlich erscheinen oder sich wie Füllworte anfühlen, können eine Bedeutung haben und sind zu hinterfragen.

Als Mediator sollten Sie in jedem Fall zusätzliche Rückfragen einbauen, um sicher zu stellen, dass der Bedeutungsgehalt korrekt verstanden wurde. Sie sollten sich auch bewusst sein, dass Sie im Grunde nicht die Aussage des Medianden paraphrasieren, sondern die Übersetzung des Dolmetschers. Diese ist in gewisser Weise auch schon eine Paraphrase, weil sie den Bedeutungsgehalt formuliert, den der Dolmetscher der Aussage zugedacht hat. Das muss nicht zwingend der Bedeutung entsprechen, die der Mediand dem Gesagten zuschreiben wollte. Doppelte Vorsicht ist deshalb anzuraten. Es ist umso wichtiger, dass Sie beim Paraphrasieren eigene Formulierungen verwenden und Sie sollten stets bedenken, dass der Dolmetscher beim Rückübersetzen auch andere Formulierungen verwendet. Wenn er Ihre Paraphrase in die gleichen Worte übersetzt, die er zuvor verwendet hat, dann wird die Paraphrase wirkungslos.

Beispiel: Der Mediand sagt: „We are not just friends“. Der Dolmetscher übersetzt: „Wir sind nicht gerade Freunde“. Der Mediator paraphrasiert. Übersetzt der Dolmetscher jetzt: „Did I understand you correctly you are not just friends“ wird die Antwort „Yes“ lauten. Eine Klärung ist damit aber nicht verbunden.


Es empfiehlt sich also, klare Fragen zu stellen und den Kontext zu erfassen. Immer wieder zusammenzufassen und sich zu vergewissern, dass wirklich vom selben geredet wird.
Wenn Sie mit Simultandolmetschen arbeiten, empfiehlt es sich, die Übersetzung im Kopfhörer mit anzuhören.

Beispiel: Bei einer Mediation kam die Frage auf: „Worüber lohnt es sich am meisten zu streiten, über Fakten, Meinungen oder Emotionen?“ Es war auffällig, dass die Antworten an der Frage vorbeigingen. Im Kopfhörer konnte der Mediator nachvollziehen, dass der Sinn der Frage in der Übersetzung nicht transportiert wurde. „lohnt sich“ wurde mit „important“ übersetzt. Er habe dann die Frage selbst auf Englisch formuliert.


Es geschieht ganz unbewusst, dass wir im Gespräch Redewendungen, so genannte Idioms verwenden. Das geschieht ganz unbewusst. Wenn man z.B „Ich halt Dir die Daumen“ wörtlich übersetzt dann wird ein „I keep your thumbs“ daraus. Das macht in den Ohren eines Engländers keinen Sinn. Ein Engländer hält keine Daumen. Er kreuzt die Finger „I keep my fingers crossed“.

Merke:1

Idioms vermeiden.

Bei Streitgesprächen kann ein Simultandolmetschen verwirrend sein. Sie hören die Übersetzung im Kopfhörer etwa einen halben Satz verzögert. Sie sehen die Mimik und Gestik nicht mehr synchron. Wie sich das anfühlt können Sie erfahren, wenn Sie einen Film betrachten, bei dem die Tonspur verschoben ist. Dann erkennen sie das Problem. Wenn es zu einem Streitgespräch kommt und schneller geredet wird, dann entsteht Verwirrung.

Beispiel: SimultanDolmetscher übersetzen ein Streitgespräch. Im Streit redet man schnall und unterbricht den anderen. Den Simultandolmetscher hört man etwa einen Satz verzögert. Bei dem hektischen Gespräch lässt es sich nicht mehr zuordnen, wer oder was jetzt gerade übersetzt wird.


Die Lösung dieses Problems besteht darin, Dolmetscher mit unterschiedlicher Stimmlage also einen Mann und eine Frau als Paar zu engagieren. Weiterhin werden die Simultandolmetscher aufgefordert, in einem anderen Rhythmus zu arbeiten. Statt sich wie üblich im 5 Minutentakt abzuwechseln, werden sie den Personen individuell zugeordnet. Dies erfordert erfahrene Dolmetscher. Vergewissern Sie sich wenn sie einen Dolmetscher engagieren, ob er dazu bereit und in der Lage ist.

Simultandolmetscher sitzen in einer Kabine. Es ist manchmal witzig, zu beobachten, wie sie die gleiche Gestik einsetzen wie der Sprecher, obwohl sie nicht gesehen werden. Als Sprecher sollte man darauf achten, dass die Mimik, die Gestik und Tonfall des Übersetzers ein Indiz für den Gehalt sind und dafür, dass er verstanden hat worum es geht. Das Gegenüber wiederum sollte beachten, dass der Tonfall und die Intonation im Kopfhörer die des Dolmetschers ist und nicht die der sprechenden Partei.

Merke:1

Genaues Beobachten und Zuordnen ist angesagt.

Hinweise und Fußnoten

Alias: übersetzen
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