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Seiten-ID: 704 Fragen, Notwendigkeit und Bedeutung in der Mediation 3-Abteilung »  Wissen 4-Inhalt »  Methodik »  Kommunikation 

Fragen in der Mediation 

Wieso, weshalb, warum ... Wer nicht fragt bleibt dumm!
So lautet der Kindervers. Bleibt der Mediator dumm, wenn er keine Fragen stellt?




Wer nicht fragt, hört zu

Vorsicht ist geboten, denn in der Mediation geht es zumindest nicht darum, den Fragensteller, also den Mediator schlau zu machen. Wozu auch? Denn er muss ja keine Entscheidung treffen. Weshalb fragt er dann?

Zweck

Es würde keinen Sinn machen, Fragen um des Fragens willen zu stellen. Auch sind die Fragen nicht dazu da, die Kompetenz des Mediators herauszustellen oder den Parteien ihre Unwissenheit vor Augen zu führen. Die Fragen müssen auch keinen Sachverhalt ermitteln und sind keine Grundlage für Entscheidungen des Mediators.
Wenn es das oberste Ziel des Mediators ist, die Mediation zu verwirklichen, sind die Fragen sein Hilfsmittel, dieses Ziel zu erreichen, nicht mehr und nicht weniger. Der Zweck zur Befragung ist es also, den Prozess der Verstehensvermittllung zu verwirklichen. Mithin lautet der

 Merke:

Die Fragen des Mediators zielen darauf ab, Verstehen zu ermöglichen. Ihr einziger Zweck ist also zu verstehen1

Fragegegenstand

Der Gegenstand für mögliche Fragen ergibt sich aus dem Verfahren einerseits und dem Fall andererseits. Auf das Verfahren bezogene Fragen beziehen sich auf die im Verfahren zu treffenden Entscheidungen. Auf den Fall bezogene Fragen beziehen sich auf das in Phase zwei festgelegte Thema und die dafür zu findende Lösung. Alle Fragen müssen vom Auftrag des Mediators gedeckt sein und mit dem Wesen der Mediation im Einklang stehen.

Fragerecht

Die Berechtigung Fragen zu stellen, leitet der Mediator aus seinem Auftrag ab. Er kann davon ausgehen, dass er mit der vereinbarten Mediation von den Parteien die Erlaubnis bekommen hat, darauf bezogene Fragen zu stellen. Solange die Parteien das Gefühl haben, dass die Frage diesen Zweck verfolgt beantworten sie selbst auch intime Fragen.

Frageanlass

Fragen sollten zurückhaltend eingesetzt werden.
Weil Fragen Auskünfte einfordern und Gedanken entstehen lassen, haben die Auskünfte der Parteien stets Vorrang. Der Anlass für Fragen ergibt sich aus dem Gesprächsverlauf und aus den Paraphrasen, die über das präzise Zuhören zu einer Synchronisation der Gedanken wird.

Charakter

Fragen, die der Verstehensvermittlung dienen, dürfen hintergründig und naiv sein. Wichtig ist, dass sie Erkenntnisse ermöglichen, ohne Erkenntnisse zu vermitteln.

Beispiel Frage des Mediators: in einer Familienangelegenheit wird um das Umgangsrecht gestritten. Der Mediator fragt die Parteien: „Was ist das eigentlich, ein Vater?“. Die spontane Reaktion der Mandanten lautet: „Sie stellen aber Fragen Fragen!“. Dann kommt ein Moment des Zögerns und die Partei sagt: „Aber ja dann muss ich mal drüber nachdenken. Das ist gar nicht so einfach zu beantworten“


Die Reflexion über den hinterfragten Bedeutungsinhalt des Wortes erlaubt es nicht nur dem Zuhörer sondern auch der Partei selbst besser zu verstehen, was sich hinter dem Wort und damit hinter dem Problem verbirgt. Egal ob sie beantwor tet werden oder nicht, Fragen bringen Gedanken in den Kopf des Befragten. Sie möchten einen Beweis? Woran denken Sie, wenn Ihnen jetzt die Frage gestellt wird:

Haben Sie heute schon gefrühstückt?


Wahrscheinlich hat diese Frage bei Ihnen irgend eine Assoziation ausgelöst. Entweder wurden sie durch das Wort heute inspiriert und haben vielleicht an gestern oder morgen gedacht oder sie wurden durch das Wort Frühstück inspiriert und haben vielleicht wirklich daran gedacht was sie heute Morgen gefrühstückt haben. Vielleicht haben Sie auch an das Abendessen gedacht oder einfach nur an Brötchen oder Eier. Auch wenn Sie die Frage nicht beantworten ist ein Gedanke in ihrem Kopf entstanden. Was sie mit ihm jetzt machen ist Ihre Entscheidung. Vielleicht haben Sie jetzt Hunger bekommen?

Nicht jede Frage ist inspirierend. Manche Fragen provozieren auch Ablehnung und Verweigerung. So können durch Fragen Gedanken ermöglicht aber auch verhindert werden.

In der Mediation sollen Gedanken ermöglicht werden. Sie sollen das Unmögliche überwinden und das Mögliche fokussieren, ohne dass die Lösung gesteuert wird. Sie meinen das ist unmöglich? Die Parteien meinen das auch. Sie werden eines Besseren belehrt.

Um die Fragen korrekt zu platzieren, muss der Mediator die Bedeutung und Wirkungsweise von Fragen verstehen. Einen Überblick hierzu geben die sogenannten Fragetechniken.

Fragetechniken

Methodik

Das Wissen um Fragen und ihre Wirkungen soll dem Mediator helfen, sich über die Bedeutung der Frage bewusst zu sein und um sie wirkungsvoll für die Mediation einzusetzen. Oft werden Mediatoren gefragt, woher sie wüssten, was nachzufragen ist. Natürlich sind die Fragen situations- und fallabhängig. Allerdings lassen sich grundlegende und hilfreiche Anforderungen formulieren, an denen sich der Mediator orientieren kann.

Die Haltung des Mediators

Im Vordergrund steht sein eigenes Denken. Denkt er an eine Lösung, werden seine Fragen die Lösung ins Spiel bringen, selbst wenn er nicht darüber redet. Der Mediator sollte sich bewusst darüber sein, dass die Art und Weise, wie er Fragen stellt, Rückschlüsse auf seine innere Einstellung und seine Haltung erlaubt.

 Merke:

Mit der Frage verrät der Mediator sein Denken!1

Wenn er sich gedanklich in der Geschichte der Partei befindet, wird er lineare Fragen stellen, die die Geschichte fortführen. Er macht die Geschichte dann zu seiner eigenen. Wenn er die Partei überzeugen will ohne Argumente zu verwenden, stellt er Fragen die seine Argumente als Antworten enthalten.

Auch wenn der Mediator Stereotypen und Techniken lernt, wird die gestellte Frage verraten, was er im Kopf hat. Besser ist es deshalb, er lernt im Rhythmus der Mediation zu denken, keine Lösung im Kopf zu haben, die Parteien nicht überführen zu wollen, sondern einfach nur neugierig zu sein, was die Parteien meinen könnten. Wenn er nur darauf konzentriert ist, stellt er automatisch die richtigen Fragen.

Mit seinen Fragen kann der Mediator den Parteien in ein positives Denken helfen. Das setzt voraus, dass er selbst ein positives Denken hat. Sein Denken ist nicht in die Vergangenheit gerichtet und er muss auch keine Ursachen kennen. Der Mediator interessiert sich hauptsächlich dafür, wie die Welt aussieht, wenn sie aus der Sicht der Parteien in Ordnung ist. Er fragt deshalb nicht: „Warum hat ihr Streitgegner das getan?“. Stattdessen fragt er. "Was hätten sie sich gewünscht, dass ihr Streitgegner stattdessen getan hätte und was hätte es ausgelöst bei Ihnen, wenn er es getan hätte?“ Das positive Denken kann der Mediator auch mit Illusionen herbeiführen. „Angenommen es wäre möglich, was würde es bei Ihnen auslösen?“

Die Ausrichtung der Frage

Die Fragerichtung ergibt sich zum einen aus dem Auftrag, den das Verfahren dem Mediator über die Phasen stellt, aus der Richtung des Verfahrens, das auf Suche und Verstehensvermittlung aufsetzt und zum anderen aus der inneren Einstellung, der Art des Denkens des Mediators.

Der Mediator fragt nicht ins Blaue hinein und auch nicht um etwas auszuforschen. Der Fragegegenstand wird durch das in Phase zwei erarbeitete Thema, den Kontext und den Konflikt dargestellt. Die Konflikthypothese ist dabei extrem wichtig.

Beispiel Fragetechnik: Eine im selben Haus wohnende Mutter (74 Jahre) und ihr Sohn (50 Jah- re) streiten um die Nebenkostenabrechnung. Das Verhältnis von Mutter und Sohn ist dermaßen zerstritten, dass beide sich nicht einmal die Tageszeit ansagen. Die Kon- flikthypothese lautet einmal auf den Sachkonflikt der Nebenkostenabrechnung aber auch auf den Beziehungskonflikt zwischen Mutter und Sohn. Die Aufmerksamkeit des Mediator orientiert sich also an diesen beiden Themen. Er wird auf alles achten was die Beziehung von Mutter und Sohn beschreibt, welche unterschiedlichen Sichten die Parteien darauf haben, welche Bedeutung diese Auseinandersetzung für sie hat, usw. Dementsprechend richtet er seine Fragen auf alle Anhaltspunkte aus, die mit der Konflikthypothese im Zusammenhang stehen.


Der Mediator muss nicht wissen, wer was falsch gemacht hat. Er fragt also auch nicht danach. Er muss auch nicht wissen, wie die Geschichte der Parteien weiter ging. Er fragt also auch nicht in diese Richtung. Er will aber wissen, was die Parteien brauchen, um zufrieden zu sein. Also fragt er in diese Richtung.

Beispiel Fragetechnik: In dem besagten Mutter Sohn Konflikt erklärt die Mutter, dass sie noch nicht einmal mehr ihr Enkelkind sprechen darf. Sie sieht das Kind im Hof spielen und kann es nur aus dem Fenster beobachten. Sie leidet darunter und macht dem Sohn Vor- würfe. Weiterhin wirft sie ihm vor das er sie noch nicht mehr grüßt. Der Mediator inter- essiert sich nicht dafür seit wann die Mutter warum das Kind nicht sieht oder der Sohn den Gruß verweigert. Stattdessen interessiert er sich dafür was es bei der Mutter be- wirkt, wenn sie das Enkelkind sieht und sprechen darf und wenn der Sohn sie grüßt. Möglicherweise wird die Mutter antworten: „Ich bin doch die Mutter!“. Möglicherweise hört der Sohn seine Pflicht. Das wäre der Appell. Der Mediator hört die Ich-Botschaft. „Sie müssen als Mutter wahrgenommen werden. Was ist eine Mutter die Oma ist und einen erwachsenen Sohn hat. Wie sollte sie wahrgenommen werden?“. Auf die Ant- wort die jetzt folgt wird sich der Sohn möglicherweise einlassen können. Auf diese Weise orientiert der Mediator seine Fragen an Punkten aus, wo sich Gemeinsamkei- ten finden lassen. Nicht wo sich Widerspruch und Streit finden lässt.

 Merke:

Ursachen liegen in der Vergangenheit, Lösungen liegen in der Zukunft. Bedürfnisse liegen in der Gegenwart1

Die Mediation will die Zukunft regeln. Also sind die Fragen zukunftsbezogen, indem sie auf die Bedürfnisse der Gegenwart aufsetzen.
Die Lösung soll eine einvernehmliche sein. Einvernehmen findet sich nicht im Streit, sondern in den Gemeinsamkeiten. Das Ergebnis soll einvernehmlich sein. Also arbeiten die Fragen Übereinstimmungen heraus.

Bedeutung für die Mediation

Fragen spielen in der Mediation eine wichtige Rolle, aber nicht die wichtigste. Fragen lenken Gedanken. Deshalb sollten sie mit Bedacht eingesetzt werden. Die Fragen entsprechen dem Auftrag des Mediators. Weil sich der Auftrag aus den Phasen ergibt, ändert sich der Fragencharakter und der Fragezweck von Phase zu Phase.

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitierund Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-07-24 07:11 / Version 24.
Alias: Fragen, Frage
Siehe auch: Verzeichnis-Werkzeuge, Fragetechniken
Bearbeitungshinweis: Textvollendung erforderlich.
Prüfvermerk:

© Wiki to Yes: Arthur Trossen "Fragen in der Mediation" (2018) unter Wiki-to-Yes.org/Fragen
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