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Seiten-ID: 541 Märchenmediation & Co. - Mediationsfälle und Fallbearbeitung A) Abteilung »  05. Praxis H) Organisation »  Institutionen »  Unternehmen »  Erscheinungsformen

Mediationsfälle Ein Fall für die Mediation

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Die Auseinandersetzung mit den Fällen der Mediation verfolgt mehrere Zwecke. Sie soll nicht nur einen Eindruck hinterlassen, den Anwendungsbereich der Mediation verdeutlichen oder Erfahrungen vermitteln. Sie dient auch akademischen Zielen und unterstützt die Forschung. Diese Übersicht verzweigt in die folgenden Themenschwerpunkte:

Mediationsfälle Falldatenbank Fallbearbeitung Fallstudien Anleitung Erfahrungen  


Wer sich die Bearbeitung von Fällen in der Mediation wie ein Tauziehen um die Lösung vorstellt, die sich am Ende noch so anfühlt, wie es das Bild im Header1 suggerieren will, denkt sicher an etwas anderes als Mediation. Auch der Blick auf die in der Mediation zu bearbeitenden Fälle legt die Andersartigkeit der Mediation offen. Sie sollte sich bei dem Fallaufkommen, der Falleignung, dem Fallerleben und der Fallbearbeitung bemerkbar machen.

Fallaufkommen

Wenn Sie sich ein an der Statistik zu messendes Bild über das Vorhandensein oder die Inanspruchname von Fällen machen wollen, die in der Mediation bearbeitet werden, dürfte der Wiki to Yes Mediationsreport den besten und umfassendsten Eindruck hinterlassen. Das eigens dafür ausgerufene Projekt Fallanalyse soll das Bild ergänzen. Es ist herauszustellen, dass und wie sich die Eigenschaften der Mediation sowohl auf das Angebot wie die Nachfrage auswirken. Anders als andere Verfahren und Dienstleistungen kann die Mediation keine Lösung versprechen, weil sie lösungsoffen ist. Sie ist nicht nur von einer Partei, sondern von allen betroffenen Parteien in gleicher Weise in Anspruch zu nehmen, obwohl es sich bei den Parteien um Gegner handelt. Hinzu kommt, dass die Mediation ein erklärungsbedürftiges Produkt ist, dessen Bewerbung dem Konflikterleben der Parteien anzupassen ist. Diese und andere Herausforderungen erwarten ein auf die Mediation bezogenes Marketing. Wenn der Fall als die Gelegenheit für eine Mediation beschrieben wird, gibt es unendlich viele Fälle. Die wenigsten werden jedoch formal in einer Mediation (als Verfahren) abgewickelt.

Fallsuche

Weder Mediatoren noch Parteien müssen nach Fällen suchen. Wenn Sie den Mediationsradius voll ausschöpfen, gibt es viele Gelegenheiten. Dann kann die Mediation sogar zur Optimierung von Entscheidungsprozessen oder zur Konfliktvermeidung eingesetzt werden.2 Konflikte gibt es genug. In der Regel kommen sie unaufgefordert auf die Parteien zu. Ob daraus ein Fall, also ein zu bearbeitender Gegenstand, wird, entscheiden die Parteien selbst. Wonach also stets zu suchen ist, ist nicht der Fall, sondern der optimale Weg zur Problem- oder Konfliktlösung. Damit entscheidet sich auch, ob aus dem Problem ein Fall wird oder nicht. Der Problemlöser trägt dazu bei, die richtigen Entscheidungen zu treffen.3 Bei der Suche nach einem Mediator hilft das Mediatorenverzeichnis. Der Mediator muss nicht das Verfahren, sondern lediglich die Konfliktparteien finden. Die dafür erforderliche Unterstützung stellt das Marketing zur Verfügung.

Falleignung

Zum Nachweis, welche Fälle sich füe eine Mediation eignen, wurde die Falldatenbank eingerichtet. Sie soll dazu beitragen, die Kompetenz und den Wirkungsradius der Mediation besser zu erkennen. Die Faustregel lautet:

 Merke:

Leitsatz 4244 - Jeder Fall eignet sich für die Mediation, wenn es darum geht, einen Widerspruch aufzulösen, um ein noch besseres Ergebnis zu finden, in dem sich alle Seiten des Widerspruchs wiederfinden

Genauere Anhaltspunkte für die Anwendbarkeit der Mediation ergeben die Ausführungen zur Geeignetheit und zur Zulässigkeit.

Voraussetzungen und Geeignetheit der Mediation 

Der Klassiker
Geradezu berühmt wurde das in der Mediation so oft zitierte Beispiel aus dem Harvard-Konzept, in dem sich zwei Schwestern um eine Orange streiten. Erst nachdem sich die Mutter für die Interessen (die Motive) interessiert, zeigt es sich, dass die eine Schwester die Orange zum Kuchenbacken benötigte und die andere zum Saft trinken. Jetzt konnte die Mutter der einen die Schale und der anderen das Fruchtfleisch geben. Hätte sie im Nullsummenspiel gedacht, wäre ihr nur eingefallen, die Orange zu teilen. Der Fall zeigt den Weg, wie sich der Kuchen vergrößern lässt, indem eine andere gedankliche Ebene (andere gedankliche Räume) einbezogen werden und man sich vom Denken in Lösungen entfernt.
Die Märchenmediation
Das ist ein realer Fall aus der Praxis. Ein Ehepaar lebt seit 4 Jahren im selben Haus getrennt. Seit 1 Jahr reden die Eheleute kein Wort mehr miteinander. Absprachen werden als Anweisungen in das Hausaufgabenheft der 4 gemeinsamen Kinder geschrieben oder auf dem Blackboard in der Küche notiert. Die Situation ist unerträglich, man entscheidet sich für eine Mediation, nicht etwa um die Scheidungsfolgen zu regeln, sondern nur um sich über die Themen einig zu werden, damit der Rechtsanwealt die Sache nicht unnötig in die Eskalation treiben kann, um Kosten zu schinden. Eine unauffällige Nebenbemerkung in Phase zwei macht den Mediator stutzig, als die Frau den Sachverhalt schilderte. Sie erzählte wie es zur Ehegekommen war, wie die Kinder zur Welt kamen, wie sich die Ehe entwicklet hat und was das Problem ist. Die liste der zu regulierenden Fragen leitete sie mit der nebenbei gesprochenen Bemerkung ein: "Dann muss ich jetzt die machen und jenes und ich muss mich scheiden lassen, sodass dies und jenes zu regeln ist. Der Mediator loopt: Sie sagen Sie müssen sich scheiden lassen. Wollen sie das auch?“ Jetzt beginnt ein längerer Gesprächsparkur der einige Interventionen erfordert bis die Frau eingestehen kann, dass sie eigenlich gar nicht geschieden werden will. Wörtlich sagte Sie: "Nein, das ist ja so teuer!" Das selbe Spiel beginnt jetzt beim Mann, bis er eingestehen kann, dass er auch nicht unbedingt geschieden sein will. Die Themen werden geändert. Nach einer 3 stündigen Meditation ist das Paar wiedervereinigt. Die Eheleute haben sogar ihre Liebe wiederentdeckt. Der Fall wurde im Fernsehen berichtet4 .

Fallbeispiele

Das nachfolgende Verzeichnis ist lediglich eine Auswahl der Falldatenbank. Die Fallsammlung erfasst Fälle, die als Mediation bearbeitet wurden oder sich für die Mediation eignen.


Bitte schauen Sie sich die Falldatenbank näher an, wenn Sie sich für die Bearbeitung der Fälle interessieren. Sie können dort weitere Fallbeispiele eingeben oder im Erfahrungsforum auch selbst Fälle besprechen, um zu zeigen, wozu die Mediation fähig ist.

Falldatenbank

Fallbearbeitung

Natürlich ist auch die Fallbearbeitung selbst ein komplexes Thema, in dem sich die Besonderheit der Mediation wiederspiegelt. Der Mediator beispielsweise schaut nicht auf die Lösung, sondern auf den Prozess. Er weiß, dass sich die Lösung aus den mit dem Verfahren ermöglichten Erkenntnisschritten heraus entwickelt. Der Fokus wird nicht in das Problem hinein, sondern aus dem Problem herausgelenkt. Die Lösung basiert nicht auf den streitigen Argumenten, sondern auf den gemeinsamen Interessen. Die Mediation ist ein selbstregulierendes System, das sich nur dann verwirklicht, wenn ihre Komponenten korrekt zusammengefügt werden. Mithin werden an die Fallbearbeitung besondere Herausforderungen gestellt. Zur Verdeutlichung, Planung und Kontrolle einer mediativen Fallbearbeitung lesen Sie bitte die vertiefenden Hinweise zur Fallarbeit im Beitrag Fallstudien.

Fallstudien

Fallerleben

So unterschiedlich die in der Mediation wahrzunehmenden Rollen sind, so unterschiedlich sind auch die Sichten auf das Geschehen. Das Gleiche betrifft die Erwartungen der Protagonisten im Konfliktlösungssytem. Auch die Vielfalt der Mediation verursacht ein ganz unterschiedliches Fallerleben. Die Unterschiede kommen bereits mit der Auswahl des Mediationsmodells zum Vorschein, das sich im Streitkontinuum auf einer gedachten Diagonale von den Qualitäten eines Gerichtsverfahrens bis hin zu denen einer Therapie bewegt. Auch das zugrundeliegende Mediationskonzept nimmt Einfluss auf die Vorgehensweise.5 Erstaunlicherweise und trotz des Prinzips der Vertraulichkeit gelangen Fallberichte in die Medien. Hier ein Auszug aus dem Nachrichtenüberblick:

Der fachkundige Leser wird sich in manchen Fällen fragen, ob es sich dabei wirklich um eine Mediation gehandelt hat. Um sich selbst ein Bild zu machen, können Sie die erlebten Fälle mit der Anleitung vergleichen und an den Benchmarks messen. Machen Sie sich bitte auch die Erfolgskriterien bewusst, an denen die Mediation ausgerichtet wird.

 Aktionshinweis:

Um die Eindrücke über die Leistungsfähigkeit derMediation zu korrigieren oder zu unterstreichen, können Sie Ihre Erfahrungen im Forum einstellen.Hier erfahren Sie mehr über die Wiki to Yes Aktionsmöglichkeiten

Erfahrungen (mit-)teilen 

Bedeutung für die Mediation

Auch wenn der Begriff Fall ein Fallen assoziiert, meint er die sich in einer bestimmten Weise darstellende Angelegenheit. Die Mediation macht aus dem Fall aber nicht nur einen zu verhandelnden Gegenstand. Die Metapher aufgreifend, würde sie den Fall in ein Aufstehen verwandeln. Ob der Konflikt selbst ein Fall ist oder sich lediglich in einem Fall auslebt, klingt wie eine akademische Diskussion. In jedem Fall kommt der Konflikt in ihm zum Ausdruck, woraus sich der Zugang zu seiner Bewältigung ergibt.

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-12-17 04:41 / Version 98.
Aliase: Märchenmediation, Fallerleben, Fallaufkommen, Fallsuche
Siehe auch: Falldatenbank, Projekt.Fallanalyse
Diskussion (Foren): Siehe Erfahrungen
Geprüft: Arthur Trossen

1 Bild von falco auf Pixabay
2 Diese Anwendung wird durch die kognitive Mediationstheorie möglich und von der Integrierten Mediation vertreten
4 ZDF, Recht brisant
© Wiki to Yes: Trossen "Fallbeispiele" (2017) unter Wiki-to-Yes.org/Fallbeispiele
An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Dienstag Dezember 17, 2019 04:41:35 CET von Arthur Trossen.