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Seiten-ID: 1644 Fallbearbeitung: Wie gehe ich vor? Worauf ist zu achten? 3-Abteilung »  Akademie

Die Arbeit an und mit Fällen ist ein zentrales Thema in der Mediation.
Deshalb geben Ihnen die folgenden Kapitel Gelegenheit, sich mit der Arbeit am Fall näher zu befassen:

Fallbeispiele Falldatenbank Fallstudien Fallbearbeitung Arbeitshilfe Erfahrungen  

Anleitung zur Fallbearbeitung

Hier geht es um die Frage, wie ein professioneller Mediator mit einem Fall umgeht.




Wie gehe ich am Besten vor?

Wenn die Mediation die parteiseitige Suche nach einer Lösung ist, die den Parteien die meisten Vorteile (den größten Nutzen) verspricht, die mit der gesamten Komplexität des Falles (der Fragestellung) umgehen kann und die in der Lage ist, den Konflikt vollständig aufzuarbeiten1 , dann ist die Herangehensweise im Wesentlichen bereits vorgegeben. Wer zudem noch verstanden hat, dass die Lösung aus der Mediation (also aus dem Prozess) selbst heraus entwickelt wird, versteht, dass die Lösung dadurch erzielt wird, indem sich die Parteien auf einen Prozess einlassen (müssen), der auf einer Verstehensvermittlung basiert, die so umfassend sein muss, dass alle, der Entscheidung zugrunde zu legenden Informationen vollständig, (also auch soweit sie die Gegenseite betreffen), entsprechend der Mediationslogik aufgearbeitet werden müssen.

Komponenten

In diesem Verständnis der Mediation sind die wesentlichen Komponenten einer Fallarbeit bereits angesprochen. Sie erfordern:

  1. die Auseinandersetzung mit dem Prozess,
  2. die Auseinandersetzung mit dem Konflikt,
  3. die Auseinandersetzung mit den zur Lösung (Entscheidung) führenden Erkenntnissen (Einsichten),
  4. und schließlich die Auseinandersetzung mit der Lösung.

Die Kunst des Mediierens besteht darin, die als funktionale Einheiten erkannten Elemente der Mediation in Meilensteinen zu bündeln, damit sie die mit dem Dimensionieren näher beschriebene Wirkung entfalten kann. Die zuvor beschriebenen Auseinandersetzungen werden wie folgt in den Prozess (die Fallarbeit) einbezogen:

Prozessarbeit

Im Vordergrund steht immer der Prozess an und für sich. Wenn die Mediation die Lösung herbeiführt, ist es die Aufgabe des Mediators, den Prozess, also die Mediation zu verwirklichen. Zu diesem Zweck schaut er NICHT auf die Lösung und das was hinten herauskommt, sondern auf darauf, wo er im Prozess gerade steht und inwieweit sich die Mediation verwirklicht hat.

 Merke:

Leitsatz 4411 - Der Fokus des Mediators ist stets auf den Prozess gerichtet! Die wichtigste Frage für den Mediator ist also: Welche prozessualen Schritte haben sich bereits verwirklicht? Wo stehen wir gerade in dem Prozess? Was muss geschehen, damit die Parteien den nächsten vom Prozess geforderten Erkenntnisschritt vollziehen können?
  1. Schritt: Anfertigung einer Mediationslandkarte
  2. Schritt: Durchführung einer Mediationsanalyse
  3. Schritt: Vollziehung des Phasenauftrages nach der Lokalisierung
  4. Schritt: Nachholung der eventuell übergangenen prozessualen Schritte

Konfliktarbeit

Die Auseinandersetzung mit dem Konflikt erwartet, dass der Mediator (letztlich die Parteien) erkennen, was genau der Konflikt ist und wie tief sie in den Konflikt eintreten müssen, um ihn bearbeiten zu können.

  1. Schritt: Bei der Fallbarbeitung findet die erste Auseinandersetzung mit diesen Fragen bereits in der Vorphase statt, wenn der Mediator die Konfliktanalyse durchführt un die Geeignetheit prüft.
  2. Schritt: Weil die Parteien den Konflikt erkennen müssen, werden sie über die Themen an den Konflikt herangeführt. Die Themen erlauben es, den im Konflikt verborgenen Wisderspruch zu akzeptieren. Das geschieht in der 2.Phase.
  3. Schritt: Konflikte neigen dazu, falsche Fährten zu setzen. Die parteiseitige Auseiandersetzung mit dem Konflikt wird in der 3.Phase herbeigeführt, indem die Motive, Bedürfnisse und Interessen aufgedeckt werden. Der Blick richtet sich auf die Prtei selbst, was durch die Windows 1 Technik ermöglicht wird. Der Blick auf die Bedürfnisse und Interessen lenkt vom Widerspruch ab und bedingt eine schonende Herangeghensweise auf den Konflikt. Die Windows-Technik erlaubt eine Selbstreflexion. Weil sich die Interssen aus den Motiven ergeben, führen sie zu den Kriterien, die den erwarteten Nutzen skizzieren.
  4. Schritt: Weil es nicht genügt, Erkenntnisse über sich selbst zu gewinnen, um einen sozialen Konflikt zu lösen und weil die Parteien in die Lage versetzt werden sollen, ein Angebot zu unterbreiten, das für die Gegenseite (auch) attraktiv genug ist, angenommen zu werden, muss sie die Motive der Gegenseite kennen. Dazu soll ihr die Windoes 2 Technik verhelfen.

Erkenntnismanagement

Die in der Mediation gewonnenen und zu gewinnenden Informationen sollen eine Grundlage für die Entscheidung sein. Die Sicht (Perspektive im Streitsystem) lenkt die Parteien von den notwendigen Infoemationen ab. Ihr Wunsch eine eigene Lösung durchzusetzen führt ins Argumentieren. Das Argumentieren führt in eine Konfrontation. Der Weg der Mediation ist ein anderer.

  1. Schritt: Um die Kooperation zu ermöglichen wird ein Ziel gesetzt, das die Kooperation nahelegt und mit einem Nutzen verbunden, der es nahelegt, sich der Mediation zustellen. Siehe Zielvereinbarung in der 1.Phase.
  2. Schritt: Wenn das Ziel gesetzt wird, wird der Weg dorthin abgesichert. Der Weg ist die Mediation. Die Mediation wird abgesichert, indem sie sich aus der Konfrontation herauslöst und nicht für eine Konfrontation verwertet werden kann. Die Vorgehensweise wird mit den Anforderungen der 1.Phase genau beschrieben.
  3. Schritt: Das Ziel wird konkretisiert, indem die Themen (Fragen) herausgearbeitet werden, die zu beantworten sind, damit der Konflikt beigelegt werden kann. Das geschieht in der 2.Phase. Sinnvollerweise entsporicht jede Frage (Thema) einem zu lösenden Konflikt. Es ist wichtig, Argumente, Motive und Positionen (Forderungen) nicht mit den Themen zu verwechseln. Die Argumente werden zur Kenntnis genommen und nicht weiter erörtert, damit die Parteien aus dem Streit herausgeführt werden können.
  4. Schritt: Die 3.Phase lenkt den Blick auf eine Situation hinter dem Konflikt (wo alles in Ordnung ist). Dazu sammelt sie die Motive, um daraus Lösungskriterien zu erarbeiten. Den Parteien kommt entgegen, dass sich Motive nicht widersprechen können (lediglich die daraus resultierenden Lösungen widersprechen sich). Das Denken ändert sich und wird in ein auf Gemeinsamkeiten gestützes positives Denken überführt.
  5. Schritt: Jetzt muss die auf den geklärten Bedeutungen basierende Nutzenerwartung in Lösungen übersetzt werden. Idealerweise sollen die Parteien sich Angebote unterbreiten. Wenn das (noch) nicht möglich ist, werden zunächst Lösungsoptionen gesammelt (nicht diskutiert!), dann bewertet und dann in eine Lösung überführt.

Lösungsmanagement

Die Mediation führt wie in einem Informationsmanagement Schritt für Schritt in eine Lösung. Weil die Gedanken vom Problem weggeführt werden, bedarf es der Prüfung, ob die Lösung wirklich das Problem nachhaltig lösen kann und ob sie wirklich die beste Lösung ist.

  1. Schritt: Die Lösung wird faran gemessen, ob sie die in der 3.Phase erarbeiteten Nutzenkriterien entspricht.
  2. Schritt: Die Lösung wird jetzt hinterfragt und mit anderen möglichen Lösungen verglichen.
  3. Schritt: Die Lösung wird auf ihre Umsetzbarkeit hin überprüft.
  4. Schritt: Die so gefundene Lösung wird in eine Abschlussvereinbarung überführt (soweit nötig), die die Lösung absichert.

Ablauf

Der konkrete Ablauf wird (auch wegen der Komplexität des Verfahrens) in verschiedenen Beiträgen beschrieben. Die Arbeitshilfe weist nicht nur die Arbeitsschritte nach. Sie verlinkt auch zu den Seiten im Mediationswiki, wo Sie weitere Unterstützung und Hilfestellungen bei der Fallbearbeitung finden. Das Phasenablaufschema bietet eine weitere Orientierungshilfe, die den Ablauf der Mediation checklistenartig zusammenfasst.

professionelle Arbeitshilfe  Phasenablaufschema

Qualität

In einem derart komplexen Verfahren kann man schnell etwas übersehen. Dank der zugrunde legenden Mediationstheorie (Kognitionstheorie) lassen sich die durchzuführenden Schritte und Stationen genau festlegen. Darauf bezogene Benchmarks helfen Ihnen bei der Kontrolle, ob alle relavanten Schritte verwirklicht wurden.

Benchmarks 

Beispiele

Wiki to Yes versorgt Sie auch mit Beispielen, damit Sie sich in die mediative Fallbearbeitung eindenken oder gar Fälle selbst in Rollenspielen ausprobieren können. Sie können Fälle und Fragen einbringen, die Ihnen bei der Fallbarbeitung auffallen. Die Fälle werden im Kapitel Fallstudien aufgelistet.

Fallstudien 

Bedeutung für die Mediation

Die Mediation erfordert ein präzises Verständnis der durch sie ausgelösten Vorgänge, wenn sie nicht nur mit einem Bauchgefühl ertastet werden soll und wenn sie mehr bewirken soll, als nur ein Zufallsergebnis. Das hier herausgestellte Vorgehen und das dafür erstellte Schema kann dennoch nur eine Orientierung sein. Es ist also möglich davon abzuweichen. Bei allem kommt es darauf an, dass sich das Wesen der Mediation verwirklicht.

Das Wesen der Mediation 

Was tun wenn ...

Hinweise und Fußnoten

Bitte beachten Sie die Zitier- und Lizenzbestimmungen
Bearbeitungsstand: 2019-11-10 11:48 / Version 22.
Aliase: Fallarbeit
Siehe auch: Durchblick, Fallstudien, Arbeitshilfe, Benchmarks, Erkenntnis, Windows-Technik
Prüfvermerk: -

An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Sonntag November 10, 2019 11:48:18 CET von Arthur Trossen.