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Seiten-ID: 896 Umgang mit Beleidigungen 3-Abteilung »  Archiv »  Archiv: Lexikon (allgemein)

Beleidigung

Die Beleidigung ist eine Ehrverletzung. Es gibt unterschiedliche Sichten und dementsprechend abweichende Behandlungen der Beleidigung. Zu unterscheiden ist die juristische, die pschologische und die mediative Sicht.

Die juristische Sicht

Eine Beleidigung ist strafbar. Die Strafbarkeit ist in §185 StGB gereglt. Die Vorschrift besagt:

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.


Die Tathandlung besteht in der Kundgabe der Missachtung einer Person. Die Beleidigung ist ein Ehrdelikt, weil sie eine andere Person in ihrer Ehre angreift. Sie wird angenommen, wenn der Respekt als gleichwertige Rechtsperson aberkannt wird. Der ethische oder soziale Wert des Beleidigten muss geringer dargestellt werden, als er tatsächlich ist 1 . Übrigens ist die Beleidigung auch in der Mediation strafbar. Es wäre aber mediationsfremd, wenn die Verarbeitung einer Beleidigung auf diesem Niveau erfolgt.

Die psychologische Sicht

In der Psychologie relativiert sich der Begriff. Die beleidigende Aussage wird mit Emotionen assoziiert, die bei einem schwachen Selbstwertgefühl sogar zu Angstreaktionen führen kann. Dabei geht es weniger um die Angst vor dem Angriff, als um die Angst, an der Beleidigung könnte etwas dran sein. Der Selbstwert ist tatsächlich so gering wie behauptet. Dagegen verwahrt man sich. Wut, Flucht oder Fassungslosigkeit sind mögliche Reaktionen.

Der Beleidigte sieht sich als Opfer. Der Weg aus der Opferrolle kann schon in der Bewusstwerdung des Unterschiedes von "Du machst mich wütend" zu einem "Ich bin wütend" erfolgen. Die Kontrolle über die eigenen Gefühle erhöht den Selbstwert.

Der nicht beleidigungsfähige Samurai: Ein Samurai unterrichtet seine Schüler in der Kriegskunst, als er von einem Haufen Halbstarker provoziert wird. Der Samurai reagiert nicht, so dass die angriffslustigen Männer ihre Beleidigungen verschärften. Nachdem der Samurai auch darauf nicht reagierte, zogen die Männer weiter. Sie lachten über den Samurai, der sich nicht wehren wollte. Die Schüler, die den Vorgang beobachteten, waren völlig verstört. Sie fragten verwundert: ‘Großer Meister, warum hast Du Dir das gefallen lassen? Warum hast Du die Männer nicht bestraft?’ Der Samurai antwortete: ‘Wenn ihr mir eine Truhe mit 10 kg Gold schenkt und ich die Truhe mit dem Gold nicht annehme, gehört mir dann das Gold?’‘Nein!’ antworteten die Schüler einstimmig.‘Seht Ihr’, fuhr der Samurai fort, ‘so geht es auch mit einer Beleidigung die nicht angenommen wird. Auch sie gehört weiterhin dem, der sie ausgesprochen hat.’

Die mediative Sicht

In der Mediation wird der gesamte Vorgang betrachtet. Also das was der Beleidigende sendet und das was beim Beleidigten ankommt. Oft liegen dazwischen Diskrepanzen. Der Mediator kann diese herausarbeiten, um auf Wahrnehmungsunterschiede hinzudeuten. Er achtet auf die Bedeutungswirklichkeiten und hinterfragt was gemeint war. In Betracht kommt die Überbewertung zur Aufmerksamkeitserregung oder tatsächlich die Induktion von schlechten Gefühlen beim Gegner. In beiden Fällen sagt der Beleidigende etwas über sich und, was noch wichtiger ist, über den Konflikt. Bei einem Beziehungskonflikt sind die Bedeutungszuschreibungen auf beiden Seiten interessant. Wenn die Bedeutung herausgearbeitet wurde, verliert die Beleidigung ihren Sinn.

Umgang mit Beleidigungen

Ein paar Hintergrundinformationen und Tipps zum Umgang mit Beleidigungen enthält das nachfolgende Video.

Behandlung in der Mediation

Viele Mediatoren verbieten Beleidigungen, indem sie pauschale Gesprächregeln verordnen: "Sie dürfen sich nicht beleidigen, müssen fair miteinander umgehen", usw. Wenn sie stattdessen das Kommunikationsverhalten der Parteien beobachten und Attributionen und Ich-Botschaften herauslesen, erhalten sie mehr Informationen über den Konflikt und vielleicht auch die eine oder andere überraschende Erkenntnis, die den Parteien hilft, ihre Sicht zu korrigieren.

Ich-Botschaft hinter der Beleidigung: Die Partei faucht den Gegner an: "Du bist ja so blöd. Du kappierst ja gar nichts. Das hast Du noch nie geschafft. Kein Wunder bei Deiner Ausbildung!". Der Mediator sagt: "Sie sind ärgerlich, weil nicht verstanden wird was Sie sagen?". Bestätigung wird abgewartet. "Ihnen ist es wichtig, dass der Gegner sie versteht?"


Die Beleidigung ist oft unkontrolliert und deshalb sehr ehrlich. Ehrlich meint nicht die Meinung über den Anderen, son dern die Aussage über den Beleidigenden. Die Beleidigung hat stets zwei Seiten. Es gibt die Du-Botschaft und die Ich-Botschaft. Die Du-Botschaft greift an. Die Ich-Botschaft neutralisiert die Beleidigung, indem sie auf ein Bedürfnis oder einen Notstand des Beleidigenden hinweist.

Hilfreich ist auch, dass die Parteien mit der Art wie sie miteinander kommunizieren ein Anschauungsmaterial liefern, sodass der Mediator durch das Verbalisieren den Spiegel vorhalten kann. Wenn die Parteien nicht von der Beleidigung lassen und wenn die Beleidigung zur Beeinträchtigung der Gespräche führt, mag der Mediator mit den Parteien erörtern, wie damit umzugehen ist. Jetzt wäre der Moment für die Einführung von Regeln.

Hinweise und Fußnoten

Alias: Ehrverletzung
Bearbeitungshinweis: Textvollendung erforderlich.
Archiv: Ein Beitrag zum Facharchiv
Prüfvermerk: -

An dieser Seite haben mitgearbeitet: Arthur Trossen .
Seite zuletzt geändert: am Mittwoch Oktober 4, 2017 13:16:49 CEST von Arthur Trossen.